»durchs einwienern passt er wieder zu uns«
astrid*walenta ist Performerin, Autorin und CliniColownin – als esmeraldas*taxi steht sie mit ihren Songs auf der Bühne.

astrid*walenta Foto © Maria Frodl
MORGENSCHTEAN: Als esmeraldas*taxi singst du in verschiedenen Sprachen – von Hochdeutsch über Dialekt bis Französisch. Dabei reicht dein Repertoire von bekannten Chansons über Jazz bis hin zu eigenen Kompositionen, zum Teil auch im Dialekt. Hast du eine Lieblingssprache auf der Bühne?
ASTRID*WALENTA: am liebsten singe ich natürlich in sprachen, die ich sprechen/ verstehen kann. wobei mir französisch am nächsten ist, daher sind auch viele songs französisch, egal ob covers oder eigene. eine lieblingssprache auf der bühne habe ich nicht. die verschiedenen sprachen bringen unterschiedliche stimmungen, melodien und rhythmen und das macht das programm variantenreich fürs publikum und auch für uns.
in meiner tätigkeit als cliniclownin im spital singe ich manchmal auch in sprachen, die ich nicht kann. es ist eine schöne möglichkeit um brücken zu den patientInnen zu bauen.
MORGENSCHTEAN: Bist du immer schon so leichtfüßig durchs Leben gegangen?
ASTRID*WALENTA: ich würde mich eher als schwermütige person mit hang zum humor bezeichnen, der mir aber genauso nahe ist wie meine schwermut. im laufe des lebens hat „er“ sich immer wieder verändert und tut das immer noch – so ist mir nicht langsweilig mit mir.
allerdings zieht sich auch eine leichtigkeit durch mein leben und meine arbeit. das spannende ist ja, dass sich aus schwere, gespickt mit humor, leichtigkeit zaubern lässt. humor kann helfen, abstand zu gewinnen und dann bekommt die schwere leichte füße.
da liegt auch die freude bei mir, wenn ich diese leichtigkeit vermitteln kann, auch wenn ich sie nicht für mich selbst jederzeit abrufbar habe.
MORGENSCHTEAN: Wie entstehen deine Lieder? Was ist zuerst da? Der Rhythmus? Die Melodie? Der Text?
ASTRID*WALENTA: das ist immer anders, da ich keine akademische musikalische ausbildung habe, arbeite ich viel aus einem gefühl und dem moment heraus. und ich bin ja ich nicht alleine, ich komme mit melodien und ideen zu meinen jeweiligen musiker:innen und wir improvisieren, verfeinern und arrangieren dann. manche songelemente entstehen auch spontan bei den proben gemeinsam. die texte sind von mir. obwohl, einmal haben wir das gedicht „waldvögel“ von otto julius bierbaum vertont.
MORGENSCHTEAN: Auf deinem 4. Album singst du den Samba Austria und mischst Wiener Dialekt mit brasilianischem Rhythmus. Wie kam das?
ASTRID*WALENTA: der „samba austria“ sollte eigentlich im original interpretiert werden. dann fand ich aber, wir sind dem „echten“ samba nicht nahe genug (fehlte da etwa die leichtigkeit?!) und durchs „einwienern“ passte er wieder zu uns.
wir haben inzwischen auch ein weiteres dialekt lied „morgen samma nimma do“, das in nächster zeit rauskommen wird. es „reift“ schon seit ein paar jahren dahin.
MORGENSCHTEAN: Das Spiel mit der Sprache steht auch in deinen Kinderbüchern im Vordergrund. Deine Publikation „DORT FLIEGT SIE!“ war eine der Lyrikempfehlungen 2025. Entstehen deine Gedichte spontan? Was inspiriert dich?
ASTRID*WALENTA: oft inspirieren mich bilder der jeweiligen illustrator:innen, sie helfen mir, in eine welt einsteigen zu können. manchmal ist der text zuerst da, wie z.b. bei einer erzählung, die sich in realität in einem wiener kaffeehaus zugetragen hat und die ich „nur“ noch aufzuschreiben brauchte. bei meinen büchern, die nicht für kinder gedacht sind, beziehe ich mich auf bilder von künstlerinnen (wie z.b. auf nachtfalter in dem buch „flügelverleih für nachtschwärmer“ oder auf abstrakte bilder, die mit espresso gemalt wurden, wie beim buch „espressorellen“.
beim erwähnten buch DORT FLIEGT SIE! war es ein ping-pong spiel aus wortspielereien und zeichnungen.
im letzten buch „innen“ ließ ich mich von räumen inspirieren, allerdings nicht literarisch, sondern als figur, die sich auf unterschiedliche räume auf der burg raabs einlässt und dabei in verschiedene rollen schlüpft. realisiert habe ich dieses projekt mit einer fotografin und es hat sich dann wiederum ein autor von unseren bildern/fotos inspirieren lassen.
MORGENSCHTEAN: Zuletzt noch die Frage: Hast du auch ein Lieblings-Dialektwort?
ASTRID*WALENTA: darüber habe ich noch nicht nachgedacht. owa sogmamoi: schaumamoi!
April 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner
letzte Publikationen (Auswahl)

esmeraldas*taxi
NEU:
petit bonheur!
stimme und ukulele: astrid*walenta
gitarren: gernot hochstöger
ali angerer – tuba
herbie kopitar – electronics, percussion
lorenz raab – trompete und flügelhorn
michi scheed – gitarre
emily smejkal – bass
lea-carlotta walenta – bass
recorded, mixed and mastered by herbie kopitar
grafik syp•syp
foto maria frodl

Hinweis: Den Samba Austria hört man dann auch
in unserer neuen Folge von DialektSHOG

INNEN

artedition/ Bibliothek der Provinz, 2026
ISBN: 978-3-99126-327-2

astrid* walenta und Maria Frodl teilen die Faszination für besondere Orte – im vorliegenden Band für die Burg Raabs im Waldviertel. Die unterschiedlichen Innenräume der Burg versinnbildlichen dabei verschiedene Facetten einer Persönlichkeit.

mit Zeichnungen von Svenja Plaas
Bibliothek der Provinz , 2023
ISBN: 978-3-99126-187-2
empfohlen von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (2024) sowie auf lyrik-empfehlungen.de (2025)
DORT FLIEGT SIE!
Lyrik für Kinder
wer nicht fliegen kann
soll laufen
oder sich vier flossen kaufen
ein ping pong aus wort und bild: „leichtfüßig daherkommende miniaturtexte treffen auf schnelle und spontane zeichnungen, welche teilweise zeichnerisch verschachtelt werden, so dass sie sich erst im laufe der seiten erschließen…
