»Ich bin ein absoluter Fan des Lustenauer Dialekts«
Die in Lustenau lebende Ingrid Hofer ist Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin für Kinderlieder. Ihre Mission: Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen bringen. Für ihre Kinder-Tanz-DVD mit Gebärdensprache erhielt sie 2022 den Hubert von Goisern Kulturpreis. Auf ihrer neuen CD „Sommr, du lieba“ präsentiert sie 15 Kinderlieder zum Mitsingen und Mittanzen im Lustenauer Dialekt.

Ingrid Hofer
Foto © Adolf Bereuter
MORGENSCHTEAN: Du bist Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin. Was war zuerst da – das Schreiben oder die Musik? Oder waren es die Kinder?
INGRID HOFER: Da ich in einer musikalischen Familie aufgewachsen bin und meine Eltern beide Mundartautoren sind, waren Musik und das Schreiben immer schon in meinem Leben. Bereits in der Volksschule sang ich im Kinderchor und habe es gleichzeitig geliebt, Aufsätze zu schreiben! Erst mit den eigenen Kindern hat sich allerdings meine Liebe für Kindergeschichten und -lieder entwickelt und ich habe diese beiden Lieblings-Hobbies kombiniert und zum Beruf gemacht.
MORGENSCHTEAN: Auf deiner Website schreibst du, dass du eine ganz klare Mission hast, nämlich Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen zu bringen. Woher nimmst du selbst deine Ideen, was inspiriert dich?
INGRID HOFER: Die größte Inspiration für meine Lieder und Geschichten waren und sind tatsächlich unsere eigenen drei Kinder. Außerdem verarbeite ich Begebenheiten, die in meiner oder der Kindheit meiner Eltern passiert sind oder die mir von Freunden, Bekannten oder der Teddy Eddy Community zugetragen werden. Ich verpacke diese „Alltagsgeschichten“, die in Familien mit (Klein)Kindern passieren, in meine Geschichten und Lieder. Inspiration finde ich zudem täglich, wenn ich unterwegs bin.
MORGENSCHTEAN: Wie entsteht bei dir ein Kinderlied? Beginnst du mit dem Text oder mit der Melodie?
INGRID HOFER: Meist geht das Hand in Hand. Ich sehe, lese oder höre etwas, habe eine Blitzidee dazu, greife zum Handy und spreche eine kurze Textzeile in meine Aufnahme-App oder aber singe eine Melodie, die mir spontan einfällt. Oft entsteht dabei schon ein – meist holpriger und unrunder – Rohentwurf des Refrains. Es ist schon passiert, dass ich dann so hartnäckig an dieser Blitzidee gearbeitet habe, dass das Lied sofort entstanden und genauso geblieben ist, wie es dieser Moment wollte. Mein Anti-Mobbing-Song, den ich im Auftrag des Landes Vorarlberg geschrieben habe, ist während des Telefonats mit meiner Auftraggeberin Elfriede Böhler entstanden! In der Hauptschule wurde ich selbst gemobbt und während Elfriede mir ihre Projektidee am Telefon erklärte, war es, als hätte man bei mir einen Knopf gedrückt. Nachdem wir aufgelegt hatten, war das Lied quasi fertig geschrieben. Manche Lieder wiederum brauchen viel Zeit, bis Text und Melodie absolut stimmig sind.
MORGENSCHTEAN: Denkst du beim Schreiben auch schon an dazu passende Bewegungen / Tänze, ans Mitmachen?
INGRID HOFER: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte beim Komponieren komplett frei sein, was das Textliche und Musikalische angeht. Sobald ein Lied fertig ist, treffe ich mich aber mit meiner großartigen Choreografin Nicole und wir entwickeln gemeinsam eine kindgerechte Tanz- bzw. Bewegungschoreografie. Das hat bis dato immer wunderbar geklappt und fühlt sich für mich sehr stimmig an.
MORGENSCHTEAN: Viele deiner Lieder und Texte sind im Lustenauer Dialekt. Was bedeutet dir dieser Dialekt persönlich? Und wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Kinderlieder im Dialekt zu schreiben?
INGRID HOFER: Ich bin ein absoluter Fan des Lustenauer Dialekts. Er klingt so einzigartig, da er viele Triphtonge (drei aufeinanderfolgende Vokale) beinhaltet. Ei heißt bei uns zB „Äuoli“ … das können nur waschechte Lustenauer:innen richtig aussprechen. Vor fast 30 Jahren brachte meine Mama Veronika ein Musikkassette (!) mit Kinderliedern im Lustenauer Dialekt auf den Markt. Diese Lieder wollte ich digitalisieren und den Menschen über Streamingportale zugänglich machen. Da die Aufnahmen nicht mehr ganz dem heutigen Standard entsprechen, wollte meine Mama sie vorher aber neu arrangieren lassen und auch neu einsingen. So haben wir gemeinsam ein Projekt gestartet, jede von uns hat Dialektlieder beigesteuert und es ist ein Kinderliederalbum mit 15 Titeln auf „luschnouarisch“ entstanden.
MORGENSCHTEAN: Wie reagieren Kinder auf den Dialekt? Verstehen sie alles oder ist es mehr ein spielerisches Entdecken von Sprache?
INGRID HOFER: Kinder sind fantastisch, denn ihnen ist es völlig egal, in welcher Sprache ein Lied gesungen wird. Sie entscheiden lediglich: gefällt mir oder gefällt mir nicht. Gefällt ihnen ein Lied, können sie plötzlich Lieder in Sprachen auswendig mitsingen, die daheim kein Mensch spricht! So haben mir schon Familien aus Nachbargemeinden berichtet, dass ihre Kinder jetzt lustenauerisch singen. Bei unserem Kinderliederalbum ist es so, dass Mamas Lieder noch einige Wörter beinhalten, die heute nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch zu finden sind und bestimmt auch nicht mehr alle Erwachsenen kennen oder verstehen. Wir sehen uns ein wenig als „Dialektpflegerinnen“ und freuen uns, wenn Anfragen von Familien kommen, was denn zB ein „Zinzlimaa“ (Zeisig) ist, der in einem Lied vorkommt. Es ist also ein spielerisches Entdecken der Sprache für Groß und Klein.
MORGENSCHTEAN: Gibt es bestimmte Wörter im Lustenauer Dialekt, die Kinder besonders lieben?
INGRID HOFER: „Pappilimuosa“ ist eines, das mir als erstes einfällt. Es beschreibt die musartige Masse, die entsteht, wenn Sand und Wasser gemischt werden. „Äuoli“ (Ei) ist ein Wort, dessen Aussprache waschechte Lustenauer Kinder gerne mit auswärtigen Kindern üben. Unser Jüngster liebt das Wort „Guggomrosôômo“ (Gurkensamen) und die älteste Tochter findet „Bômrännar“ (Spechtmeise oder auch Ausdruck für einen tollpatschigen/ungeschickten Menschen) richtig cool.
MORGENSCHTEAN: Hast du selbst auch ein Lieblingsdialektwort?
INGRID HOFER: Oh, ich habe einige! „Houozibollo“ (Backerbse) ist aber auf jeden Fall eines meiner Top-Favoriten! Darum hat der Houozibollo in meinem Kinderbuch auch eine Hauptrolle bekommen.
März 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner
In Lustenau sagt man Äuoli

Hardcover, 36 Seiten
Bilder- und Liederbuch
ISBN: 978-3-903240-78-0
edition V, Bregenz
Produktion: fraumutz records, Lustenau
Bilder- und Liederbuch
Im Nest ist es dem Ei zu langweilig.
Zusammen mit der neugierigen Erbse (Buärli) und der quirligen Backerbse (Houozibollo) stürzt es sich ins Abenteuer. Unterwegs trifft das kugelige Trio auf Glüfchen Babett und seine Freunde. Auf ihrem gemeinsamen Ausflug durch Lustenau stolpern sie über kuriose Namen und sprachliche Missverständnisse rund um den außergewöhnlichen Dialekt. Dabei entdecken sie, wie überraschend Freundschaften entstehen können und ein friedliches Miteinander wichtiger ist als Namen oder Herkunft.
Eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft, das Überwinden von Vorurteilen und die Magie, die entsteht, wenn man gemeinsam etwas wagt. Perfekt für kleine Abenteurer und große Träumerinnen!
Illustrationen: Katharina Erhard
Das Buch enthält 15 Notenblätter sowie QR-Codes zum Lustenauer Kinderliederalbum “Sommr, du lieba” von Ingrid Hofer & Veronika Hofer.

SOMMR, DU LIEBA
15 Kinderlieder im Lustenauer Dialekt zum Mitsingen und Bewegen von Ingrid Hofer & Veronika Hofer.
Mit Themen wie Sommer, Barfußlaufen, Schaukeln, Geburtstag feiern oder auch Schlafliedern entsteht ein abwechslungsreicher Mix, der Tradition und Freude vereint. Auch alte Mundartausdrücke werden wieder lebendig und machen dieses Album zu einem kleinen Schatz für Familien, die Freude an Musik und am Dialekt haben.
Produktion: fraumutz records, Lustenau
