Interview: ERIKA KRONABITTER

Erika Kronabitter ist Lyrikerin, Autorin und Schreibpädagogin. In der neuen Ausgabe des Morgenschtean finden sich zwei ihrer Bünker-Übersetzungen in den Vorarlbergischen Dialekt.

Erika Kronabitter
Foto © Gerda Sengstbratl

MORGENSCHTEAN: In unserer neuen Ausgabe kann man Gedichte von Bernhard C. Bünker lesen, die du aus dem Kärntner Dialekt in den Vorarlberger Dialekt übertragen hast. Wie ist dieses Projekt entstanden?
ERIKA KRONABITTER: Bernhard C. Bünkers Gedichte haben mich gesucht und gefunden, ich glaube, so kann man das sagen. Ich hatte die Ehre, dass mir Patricia Brooks anbot, nach Hannes Vyoral die Herausgeberschaft der Podiumporträts zu übernehmen. 2020 sind Manfred Chobot und Axel Karner an mich herangetreten, um einen In-Memoriam-Band für Bernhard C. Bünker herauszubringen – mit einem Vorwort von Axel und einem Nachwort von Manfred. Die Zusammenstellung erfolgte durch die beiden Kollegen. So bin ich in Kontakt mit den Gedichten Bernhard C. Bünkers gekommen.
Darauffolgend hat mich Manfred zu einem „Übersetzungsprojekt“ eingeladen. Er übertrug Bünkers Gedichte ins Wienerische und hat mich eingeladen, einige in den Vorarlberger Dialekt zu übertragen. 

MORGENSCHTEAN: Schreibst du selbst auch manchmal im Dialekt?
ERIKA KRONABITTER: „Sehr manchmal“ schreibe ich im Dialekt. Ich bin, obwohl verwandtschaftlich von mehreren Dialektfärbungen geprägt, in die Hochsprache hineingeboren. D.h. meine Mutter hat mit mir bis zum 6. Lebensjahr eine Art „Hochdeutsch“ gesprochen. Mein 1. Volksschultag in Tisis (Vorarlberg) war folglich ein Trauma, denn ich konnte keines der Kinder verstehen, als sie fragten/sagten; „Tuasch mit ge Fangadis“. Ich habe die neue Sprache aber sehr schnell gelernt, mich integriert und hatte viele Freundinnen.

MORGENSCHTEAN: Und woher nimmst du deine Inspiration für deine Gedichte? Sind es Beobachtungen deiner Umwelt oder innere Prozesse, die dich antreiben?
ERIKA KRONABITTER: Ich schöpfe meine Ideen einerseits aus der Beobachtung, andererseits auch aus der Lust, mit den Worten zu spielen. Meist sind es Beobachtungen, Gehörtes, aber auch Verhörtes, die Auslöser für einen Text sind, auch Emotionen, ein innerer Prozess. Manchmal ist es nur ein Wort, das ich aufschreibe und sich später zu einem Gedicht entwickelt.

MORGENSCHTEAN: Welche Bedeutung hat das Spielerische für dein Schreiben?
ERIKA KRONABITTER: Mit Worten, mit Klängen zu spielen, Bedeutungen zu verfremden, Worte neu zu erfinden oder in andere Kontexte zu stellen, das ist die wirkliche Sprach/denkarbeit und geht weit über das „normale Schreiben“ hinaus. Ich versuche immer wieder, dies auch in meinen Texten anzuwenden. Diese Art des Schreibens – und auch auf diese Weise Geschriebenes zu lesen, finde ich besonders lustvoll, inspirierend, ich glaube, das produziert Glückshormone.
Auch nonense-Texte liebe ich. Nicht immer, aber zwischendurch sind sie für mich sehr wichtig. Schreiben ohne Sinn. Schreiben ohne Ziel. Brabbeln.
Ganz nebenbei bedeutet es auch eine persönliche Ermächtigung jeder/jedes Schreibenden, sich über grammatikalische und Rechtschreibregeln hinwegzusetzen.

MORGENSCHTEAN: Du bist ja auch als Schreibpädagogin tätig: Inwiefern beeinflusst diese Arbeit dein eigenes Schreiben – und was nimmst du umgekehrt aus deiner eigenen Praxis in die Vermittlung mit?
ERIKA KRONABITTER: Als Schreibpädagogin zu arbeiten und Autorin zu sein, bedeutet, dass man in einer sich gegenseitig bereichernden Wechselbeziehung lebt. Meine nun doch schon reiche Erfahrung als Autorin, die Freundschaft mit vielen Kolleg:innen, das Kennen all dieser verschiedenen Texte und Textzugänge sowie das Wissen um den Literaturbetrieb ist für die Teilnehmenden unseres Lehrgangs und unserer Workshops sicherlich wertvoll – egal ob sie sich als Schreibpädagog:in oder als Autor:in weiterentwickeln möchten. In der Ausbildung beim BÖS (Berufsverband Österr. Schreibpädagog:innen) legen wir großen Wert auf Haltung, Zuhören, Respekt und Wertschätzung. Es gibt keine Ellbogentaktik. Wir ermutigen die Menschen, ihre Stimme zu erheben, sich in der Gesellschaft einzubringen.
Die Teilnehmer:innen wiederum bringen selbst aus so vielen verschiedenen Bereichen Erfahrungen mit, bringen sich ein, es entstehen großartige Gespräche, Diskussionen, die natürlich auch ins Schreiben einfließen und zu welthaltigen Texte inspirieren. 
Würde die Politik (und die Wirtschaft, die ja die Politik vor sich hertreibt) erkennen, was Schreibpädagogik, was Schreiben insgesamt leistet, müsste man Schreiben (und auch Lesen) an die erste Stelle aller Prioritäten setzen. Denn: Was ist ein Leben, was ist Existenz ohne Lesen und Schreiben?

27. März 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

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Interview: ASTRID*WALENTA

astrid*walenta ist Schauspielerin, Autorin und ClinicColownin – als esmeraldas*taxi steht sie mit ihren Songs auf der Bühne.

astrid*walenta Foto © Maria Frodl

MORGENSCHTEAN: Als esmeraldas*taxi singst du in verschiedenen Sprachen – von Hochdeutsch über Dialekt bis Französisch. Dabei reicht dein Repertoire von bekannten Chansons über Jazz bis hin zu eigenen Kompositionen, zum Teil auch im Dialekt. Hast du eine Lieblingssprache auf der Bühne?
ASTRID WALENTA: am liebsten singe ich natürlich in sprachen, die ich sprechen/verstehen kann. wobei mir französisch am nächsten ist, daher sind auch viele songs französisch, egal ob covers oder eigene. eine lieblingssprache auf der bühne habe ich nicht. die verschiedenen sprachen bringen unterschiedliche stimmungen, melodien und rhythmen und das macht das programm variantenreich fürs publikum und auch für uns.
in meiner tätigkeit als cliniclownin im spital singe ich manchmal auch in sprachen, die ich nicht kann. es ist eine schöne möglichkeit um brücken zu den patientInnen zu bauen.   

MORGENSCHTEAN: Bist du immer schon so leichtfüßig durchs Leben gegangen? 
ASTRID*WALENTA: ich würde mich eher als schwermütige person mit hang zum humor bezeichnen, der mir aber genauso nahe ist wie meine schwermut. im laufe des lebens hat „er“ sich immer wieder verändert und tut das immer noch – so ist mir nicht langsweilig mit mir. 🙂
allerdings zieht sich auch eine leichtigkeit durch mein leben und meine arbeit. das spannende ist ja, dass sich aus schwere, gespickt mit humor, leichtigkeit zaubern lässt. humor kann helfen, abstand zu gewinnen und dann bekommt die schwere leichte füße. 
da liegt auch die freude bei mir, wenn ich diese leichtigkeit vermitteln kann, auch wenn ich sie nicht für mich selbst jederzeit abrufbar habe.  

MORGENSCHTEAN: Wie entstehen deine Lieder? Was ist zuerst da? Der Rhythmus? Die Melodie? Der Text?
ASTRID*WALENTA: das ist immer anders, da ich keine akademische musikalische ausbildung habe, arbeite ich viel aus einem gefühl und dem moment heraus. und ich bin ja ich nicht alleine, ich komme mit melodien und ideen zu meinen jeweiligen musiker:innen und wir improvisieren, verfeinern und arrangieren dann. manche songelemente entstehen auch spontan bei den proben gemeinsam. die texte sind von mir. obwohl, einmal haben wir das gedicht „waldvögel“ von otto julius bierbaum vertont. 

MORGENSCHTEAN: Auf deinem 4. Album singst du den Samba Austria und mischst Wiener Dialekt mit brasilianischem Rhythmus. Wie kam das?
ASTRID*WALENTA: der „samba austria“ sollte eigentlich im original interpretiert werden. dann fand ich aber, wir sind dem „echten“ samba nicht nahe genug (fehlte da etwa die leichtigkeit?!) und durchs „einwienern“ passt er wieder zu uns.
wir haben inzwischen auch ein weiteres dialekt lied „morgen samma nimma do“, das in nächster zeit rauskommen wird. es „reift“ schon seit ein paar jahren dahin.

April 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

letzte Publikationen (Auswahl)

esmeraldas*taxi

NEU:
petit bonheur!

stimme und ukulele: astrid*walenta
gitarren: gernot hochstöger 

ali angerer – tuba
herbie kopitar – electronics, percussion
lorenz raab – trompete und flügelhorn
michi scheed – gitarre
emily smejkal – bass
lea-carlotta walenta – bass 
 
recorded, mixed and mastered by herbie kopitar 
grafik syp•syp
foto maria frodl

Hinweis: Den Samba Austria hört man dann auch
in unserer neuen Folge von DialektSHOG

INNEN

artedition/ Bibliothek der Provinz, 2026
ISBN: 978-3-99126-327-2

astrid* walenta und Maria Frodl teilen die Faszination für besondere Orte – im vorliegenden Band für die Burg Raabs im Waldviertel. Die unterschiedlichen Innenräume der Burg versinnbildlichen dabei verschiedene Facetten einer Persönlichkeit.
mit einer Gedankensplittergeschichte von Thomas-Johanna Hauck


mit Zeichnungen von Svenja Plaas
Bibliothek der Provinz , 2023
ISBN: 978-3-99126-187-2
empfohlen von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (2024) sowie auf lyrik-empfehlungen.de (2025)

Dort fliegt sie
Lyrik für Kinder

wer nicht fliegen kann
soll laufen
oder sich vier flossen kaufen

ein ping pong aus wort und bild:  „leichtfüßig daherkommende miniaturtexte treffen auf schnelle und spontane zeichnungen, welche teilweise zeichnerisch verschachtelt werden, so dass sie sich erst im laufe der seiten erschließen…


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DialektSHOG #12

DialektSHOG #12
Ausstrahlung am 2.6.2026

Link zum Livestream: https://helsinki.at/livestream/



Die Sendung kann hier ab 4.6. nachgehört werden

In der der 12. DialektSHOG-Ausgabe stellen wir wieder den neuen Morgenschtean vor. Diesmal dreht sich alles um „oide Hådern“ und „neiche Fetzn“, aber auch einen Ausflug nach Vorarlberg unternehmen wir. Klar, dass wir da auch in die Oidn Hådern vom Bilgeri hineinhören – und auch Kuno Kosmos wird eine Neuinterpretation des klassischen Eagles-Hit versuchen!

Zu hören gibt es Dialekttexte zum Thema von Silke Gruber, Katharina Zanon, Gertraud Kammerer, Katrina Mogler und Veronika Unger sowie Literatur aus Vorarlberg von Norbert Mayer, Birgit Rietzler und Margit Heumann.
Am Ende stellen wir dann noch das Dialektdebüt der Mostviertler Slammerin Jasmin Gerstmayr, das vor kurzem im Verlag am Rande erschienen ist, mit einer Hörprobe vor (Infos siehe unten).

Die Musikbeigaben sind diesmal von Pink Floyd, Dr. Halo, Bilgeri und Astrid Walenta.

[Über die Links gelangen Sie zu den Biografien der Autor:innen bzw. Infos zur vorgestellten Neuerscheinung.]

Gestaltung & Moderation:
Margarita Puntigam-Kinstner, Kuno Kosmos

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Interview: INGRID HOFER

Die in Lustenau lebende Ingrid Hofer ist Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin für Kinderlieder. Ihre Mission: Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen bringen. Für ihre Kinder-Tanz-DVD mit Gebärdensprache erhielt sie 2022 den Hubert von Goisern Kulturpreis. Auf ihrer neuen CD „Sommr, du lieba“ präsentiert sie 15 Kinderlieder zum Mitsingen und Mittanzen im Lustenauer Dialekt.

Ingrid Hofer
Foto © Adolf Bereuter

MORGENSCHTEAN: Du bist Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin. Was war zuerst da – das Schreiben oder die Musik? Oder waren es die Kinder?
INGRID HOFER: Da ich in einer musikalischen Familie aufgewachsen bin und meine Eltern beide Mundartautoren sind, waren Musik und das Schreiben immer schon in meinem Leben. Bereits in der Volksschule sang ich im Kinderchor und habe es gleichzeitig geliebt, Aufsätze zu schreiben! Erst mit den eigenen Kindern hat sich allerdings meine Liebe für Kindergeschichten und -lieder entwickelt und ich habe diese beiden Lieblings-Hobbies kombiniert und zum Beruf gemacht. 

MORGENSCHTEAN: Auf deiner Website schreibst du, dass du eine ganz klare Mission hast, nämlich Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen zu bringen. Woher nimmst du selbst deine Ideen, was inspiriert dich?
INGRID HOFER: Die größte Inspiration für meine Lieder und Geschichten waren und sind tatsächlich unsere eigenen drei Kinder. Außerdem verarbeite ich Begebenheiten, die in meiner oder der Kindheit meiner Eltern passiert sind oder die mir von Freunden, Bekannten oder der Teddy Eddy Community zugetragen werden. Ich verpacke diese „Alltagsgeschichten“, die in Familien mit (Klein)Kindern passieren, in meine Geschichten und Lieder. Inspiration finde ich zudem täglich, wenn ich unterwegs bin.

MORGENSCHTEAN: Wie entsteht bei dir ein Kinderlied?  Beginnst du mit dem Text oder mit der Melodie?
INGRID HOFER: Meist geht das Hand in Hand. Ich sehe, lese oder höre etwas, habe eine Blitzidee dazu, greife zum Handy und spreche eine kurze Textzeile in meine Aufnahme-App oder aber singe eine Melodie, die mir spontan einfällt. Oft entsteht dabei schon ein – meist holpriger und unrunder – Rohentwurf des Refrains. Es ist schon passiert, dass ich dann so hartnäckig an dieser Blitzidee gearbeitet habe, dass das Lied sofort entstanden und genauso geblieben ist, wie es dieser Moment wollte. Mein Anti-Mobbing-Song, den ich im Auftrag des Landes Vorarlberg geschrieben habe, ist während des Telefonats mit meiner Auftraggeberin Elfriede Böhler entstanden! In der Hauptschule wurde ich selbst gemobbt und während Elfriede mir ihre Projektidee am Telefon erklärte, war es, als hätte man bei mir einen Knopf gedrückt. Nachdem wir aufgelegt hatten, war das Lied quasi fertig geschrieben. Manche Lieder wiederum brauchen viel Zeit, bis Text und Melodie absolut stimmig sind. 

MORGENSCHTEAN: Denkst du beim Schreiben auch schon an dazu passende Bewegungen / Tänze, ans Mitmachen?
INGRID HOFER: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte beim Komponieren komplett frei sein, was das Textliche und Musikalische angeht. Sobald ein Lied fertig ist, treffe ich mich aber mit meiner großartigen Choreografin Nicole und wir entwickeln gemeinsam eine kindgerechte Tanz- bzw. Bewegungschoreografie. Das hat bis dato immer wunderbar geklappt und fühlt sich für mich sehr stimmig an.

MORGENSCHTEAN: Viele deiner Lieder und Texte sind im Lustenauer Dialekt. Was bedeutet dir dieser Dialekt persönlich? Und wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Kinderlieder im Dialekt zu schreiben?
INGRID HOFER: Ich bin ein absoluter Fan des Lustenauer Dialekts. Er klingt so einzigartig, da er viele Triphtonge (drei aufeinanderfolgende Vokale) beinhaltet. Ei heißt bei uns zB „Äuoli“ … das können nur waschechte Lustenauer:innen richtig aussprechen. Vor fast 30 Jahren brachte meine Mama Veronika ein Musikkassette (!) mit Kinderliedern im Lustenauer Dialekt auf den Markt. Diese Lieder wollte ich digitalisieren und den Menschen über Streamingportale zugänglich machen. Da die Aufnahmen nicht mehr ganz dem heutigen Standard entsprechen, wollte meine Mama sie vorher aber neu arrangieren lassen und auch neu einsingen. So haben wir gemeinsam ein Projekt gestartet, jede von uns hat Dialektlieder beigesteuert und es ist ein Kinderliederalbum mit 15 Titeln auf „luschnouarisch“ entstanden. 

MORGENSCHTEAN: Wie reagieren Kinder auf den Dialekt? Verstehen sie alles oder ist es mehr ein spielerisches Entdecken von Sprache?
INGRID HOFER: Kinder sind fantastisch, denn ihnen ist es völlig egal, in welcher Sprache ein Lied gesungen wird. Sie entscheiden lediglich: gefällt mir oder gefällt mir nicht. Gefällt ihnen ein Lied, können sie plötzlich Lieder in Sprachen auswendig mitsingen, die daheim kein Mensch spricht! So haben mir schon Familien aus Nachbargemeinden berichtet, dass ihre Kinder jetzt lustenauerisch singen. Bei unserem Kinderliederalbum ist es so, dass Mamas Lieder noch einige Wörter beinhalten, die heute nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch zu finden sind und bestimmt auch nicht mehr alle Erwachsenen kennen oder verstehen. Wir sehen uns ein wenig als „Dialektpflegerinnen“ und freuen uns, wenn Anfragen von Familien kommen, was denn zB ein „Zinzlimaa“ (Zeisig) ist, der in einem Lied vorkommt. Es ist also ein spielerisches Entdecken der Sprache für Groß und Klein.

MORGENSCHTEAN: Gibt es bestimmte Wörter im Lustenauer Dialekt, die Kinder besonders lieben?
INGRID HOFER: „Pappilimuosa“ ist eines, das mir als erstes einfällt. Es beschreibt die musartige Masse, die entsteht, wenn Sand und Wasser gemischt werden. „Äuoli“ (Ei) ist ein Wort, dessen Aussprache waschechte Lustenauer Kinder gerne mit auswärtigen Kindern üben. Unser Jüngster liebt das Wort „Guggomrosôômo“ (Gurkensamen) und die älteste Tochter findet „Bômrännar“ (Spechtmeise oder auch Ausdruck für einen tollpatschigen/ungeschickten Menschen) richtig cool.

MORGENSCHTEAN: Hast du selbst auch ein Lieblingsdialektwort?
INGRID HOFER: Oh, ich habe einige! „Houozibollo“ (Backerbse) ist aber auf jeden Fall eines meiner Top-Favoriten! Darum hat der Houozibollo in meinem Kinderbuch auch eine Hauptrolle bekommen.

März 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

In Lustenau sagt man Äuoli

Hardcover, 36 Seiten
Bilder- und Liederbuch
ISBN: 978-3-903240-78-0
edition V, Bregenz
Produktion: fraumutz records, Lustenau

Bilder- und Liederbuch
Im Nest ist es dem Ei zu langweilig.
Zusammen mit der neugierigen Erbse (Buärli) und der quirligen Backerbse (Houozibollo) stürzt es sich ins Abenteuer. Unterwegs trifft das kugelige Trio auf Glüfchen Babett und seine Freunde. Auf ihrem gemeinsamen Ausflug durch Lustenau stolpern sie über kuriose Namen und sprachliche Missverständnisse rund um den außergewöhnlichen Dialekt. Dabei entdecken sie, wie überraschend Freundschaften entstehen können und ein friedliches Miteinander wichtiger ist als Namen oder Herkunft.

Eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft, das Überwinden von Vorurteilen und die Magie, die entsteht, wenn man gemeinsam etwas wagt. Perfekt für kleine Abenteurer und große Träumerinnen!
Illustrationen: Katharina Erhard

Cover: © Katharina Erhard

SOMMR, DU LIEBA
15 Kinderlieder im Lustenauer Dialekt zum Mitsingen und Bewegen von Ingrid Hofer & Veronika Hofer.
Mit Themen wie Sommer, Barfußlaufen, Schaukeln, Geburtstag feiern oder auch Schlafliedern entsteht ein abwechslungsreicher Mix, der Tradition und Freude vereint. Auch alte Mundartausdrücke werden wieder lebendig und machen dieses Album zu einem kleinen Schatz für Familien, die Freude an Musik und am Dialekt haben.

HÖRPROBE: „ZÄHLIBUTZA“, aus „Sommr du lieba“ von Ingrid Hofer

Produktion: fraumutz records, Lustenau

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Das Thema für unsere November-Ausgabe lautet:
Lastnradl, LKW und Luxusdampfa – von Packln und Patschn
Gesucht werden unveröffentlichte Dialekttexte zum Thema aus allen Teilen Österreichs.
Außerdem suchen wir Dialekttexte aus Wien für unsere Sonderseiten.

Einsendeschluss: 31. August 2026 (23:59)

Einsendebedingungen
– Bitte senden Sie entweder einen Prosatext zu max. 4000 Zeichen oder maximal 5 Gedichte (im Ausmaß von max. einer A4-Seite pro Gedicht).
– Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Adresse bekannt zu geben.
– Mit einer Einsendung bestätigen Sie, dass Sie den Text selbst verfasst haben (ohne KI) und dieser noch unveröffentlicht ist.
(Hinweis: Auch Übersetzungen in den Dialekt unterliegen dem Urheberrecht – falls Sie eine Übersetzung einreichen, müssen Sie eine Genehmigung des*der Urheber*in mitsenden).

Bitte senden Sie Ihre/n Text/e an morgenschtean@oeda.at.
Eine Kurzbiografie brauchen wir erst im Fall einer Veröffentlichung.

Da unsere Redaktion nicht durchgehend besetzt ist, kann es manchmal zu längeren Wartezeiten kommen, bis Sie eine Antwort erhalten.

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Polak-Pollhammer, Angelika

© privat

Angelika Polak-Pollhammer

Geboren 31.01.1974. Lebt und arbeitet derzeit in Imst.
Seit 2010 Mitglied der Oberländer Literarturplattform Wortraum (Obfrau seit 2016),
seit 2015 Mitglied beim IDI und Turmbund Innsbruck.
Gewinnerin des Karl-Pömer-Preises 2017, Neue Mundart – Stelzhamerbund.
2019 Teilnahme an der Kunststraße Imst, „Der Stoff aus dem die Träume sind“.
Schreibt in Schriftsprache und Dialekt.

Literarische Beiträge von Angelika Polak-Pollhammer finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U40-41/ 2014
U44-45/ 2015
U48-49/ 2016
U52-53/ 2017
U62-63/ 2019
U70–71/ 2021
U74-75/ 2022
U80–81/2023






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Abschied von Elfriede Haslehner

aus: Morgenschtean 10U/ 2006

ABSCHIED VON ELFRIEDE HASLEHNER

Mit einem Monat Verspätung haben wir die traurige Mitteilung erhalten, dass unser langjähriges, sehr geschätztes Mitglied Elfriede Haslehner am 19. Mai verstorben ist.
Die Autorin, die nicht nur Mitglied der Ö.D.A., sondern auch des Österreichischen Schriftstellerverbandes, des Literaturkreis PODIUM sowie der Grazer Autorinnen Autorenversammlung war, wurde 91 Jahre alt.
Elfriede Haslehner war Mutter von drei Kindern. Ab 1975 war sie in der autonomen Frauenbewegung tätig; sie war Redaktionsmitglied des feministischen Frauenmagazins „Auf“ (Aktion unabhängiger Frauen), 1980 war sie Mitbegründerin des Wiener Frauenverlags.
1985 beendete Haslehner ihr Studium der Philosophie und der Germanistik. Ihre Dissertation trägt den Titel „Der Ausschluss der Frauen aus der Kultur“.
Die freischaffende Autorin veröffentlichte vorwiegend Lyrik (darunter auch Dialektlyrik), aber auch Prosa, satirische Texte und Texte fürs Kabarett.

> Porträt mit weiteren Dialektgedichten auf der Seite des Literaturkreis Podium

Zum Hören:
Literadio mit Elfriede Haslehner (> auf CBA hören)
Die Autorin liest aus den Werken: Spiegelgalerie(1971), Auf Schiene (2006), domois und heid (2007)

Beteiligte:
Haslehner Elfriede (Autor/in)
Kohlgruber Gabriele (Redakteur/in)
Verlag Literaturedition Niederösterreich (Verlag)
Verlag Jugend und Volk (Verlag)
Verlag A-Uhudler (Verlag)

Autor/in: Haslehner Elfriede
Verlage: Verlag Jugend Und Volk,
Sendereihe: litnoe-Literatur aus Niederösterreich
Erstausstrahlung: 18.07.2013 19:32

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Franziska Pronneg im Interview

„Dialekt ist im Prinzip immer eine Bereicherung!“

Franziska Pronneg kennt man als Poetry Slammerin. Dabei steht sie eigentlich nicht gerne im Mittelpunkt. „Mir ist es beim Slammen immer ums Schreiben gegangen“, meint die Siebenundzwanzigjährige, die vorwiegend Kurzprosa und Lyrik schreibt. 2021 erschien ihr Erzählband „Urbane Nackerpatzerl“. Margarita Puntigam-Kinstner hat sich mit Franziska Pronneg in Graz auf einen Tee getroffen.


Franziska Pronneg.; Foto © privat

Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Wenn man das Tagebuch dazuzählt, dann mit neun. Mit dem kreativen Schreiben habe ich mit etwa 16 Jahren begonnen. Damals habe ich auch erstmals etwas auf eine Lyrikplattform gestellt, aber dort bin schon lange nicht mehr aktiv. Ich habe meine Gedichte von damals sogar gelöscht, weil sie mir später dann doch ein bisschen peinlich waren.

Man kennt dich von diversen Poetry-Slam-Bühnen, auch beim Anno Dialekt Donnerstag warst du schon eingeladen, und dieses Jahr hast du die Ö.D.A. bei der jährlichen LiteraTour vertreten. Wann standest du das erste Mal auf der Bühne – und hast du gleich mit Texten im Dialekt begonnen?
Das erste Mal auf einer Poetry Slam-Bühne stand ich mit 20 oder 21. Anfangs bin ich noch mit hochdeutschen Texten angetreten, aber schon mein vierter Slam war dann ein Dialekttext. Das war in der Cuntra la Cultra am Grießplatz, an den Abend kann ich mich noch gut erinnern. Von dem Moment an habe ich fast nur noch im Dialekt geslammt. Ich habe nämlich schnell gemerkt, dass ich mich mit Dialekttexten am wohlsten fühle, und das spürt natürlich auch das Publikum. Vorteil des Dialekts ist ja, dass die Vortragsweise viel natürlicher ist. Man fühlt sich nun mal in der Sprache am wohlsten, die am wenigsten inszeniert ist. Wenn man quasi afoch nur redt, wie an da Schnobl gwoxn is.

Dabei hattest du nicht immer eine gute Beziehung zum Dialekt, oder?
Nein, tatsächlich nicht. Ich komme vom Land, mit Dialekt habe ich lange nur das ländlich-konservative Lebensbild verbunden. Mich in Hochdeutsch auszudrücken war anfangs ein Mittel, um mich abzugrenzen. Erst später habe ich dann festgestellt, dass ich mich im Dialekt einfach irrsinnig wohl fühle. Mittlerweile ist der Dialekt meine liebste Form, sei es in Gesprächen oder auch auf der Bühne. Das hat nicht nur damit zu tun, dass ich im Dialekt aufgewachsen bin und mich in ihm zu Hause fühle, sondern auch damit, dass der Dialekt viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten als Schriftsprache bietet. Spannend ist ja auch, wie viele Dialektformen es allein in der Steiermark gibt. Wer zum Beispiel in Sinabelkirchen aufgewachsen ist, spricht ganz anders als jemand, der aus Deutschlandsberg kommt, von wo ich her bin.

Sprichst du also Weststeirisch?
Hm. Mittlerweile hat sich mein Dialekt sehr gewandelt, allein schon dadurch, dass ich schon so lange in Graz wohne. Mein Dialekt ist wohl eine Mischung aus allem, was ich täglich höre.

Slammst du noch regelmäßig?
Im Moment fehlt mir ein bisschen die Zeit dafür, da ich eine neue Arbeit angenommen habe. Aber das ist vielleicht auch nur eine Ausrede. Wahrscheinlich ist es eher so, dass es nach der Corona-Pause für mich wieder mehr Überwindung braucht, um auf eine Slambühne zu treten. Ich bin nämlich eigentlich kein Mensch, der gerne auf einer Bühne oder überhaupt im Mittelpunkt steht. Mir ist es beim Slammen immer ums Schreiben gegangen. Poetry Slam hat mir vor allem deswegen immer viel bedeutet, weil das Format viel erlaubt. Du kannst unterschiedliche Textsorten, Themen und Vortragsweisen ausprobieren und bekommst direktes Feedback vom Publikum, das ist toll. Außerdem ist die Slam-Community eine wirklich coole Community.

Also standest du sehr oft mit Lampenfieber auf der Bühne?
Am Anfang war ich oft extrem nervös, mit der Zeit ist es dann ein bisschen besser geworden. Wie wohl man sich auf der Bühne fühlt, hat ja auch viel mit der momentanen psychischen Verfassung zu tun. Wenn man sich gerade in einer Phase des Umbruchs befindet, sich im Privat- oder Berufsleben gerade unsicher fühlt, dann vergeht einem auch ein bisschen die Lust auf die Bühne. Zumindest mir geht es so.

Hörtext: Dei Haut, mei Haut, gelesen von der Autorin

Holst du dir auch abseits der Poetry-Slam Bühne Feedback für deine Texte?
Ja. Ich bin Mitglied auf StoryOne. Das Portal mag ich sehr, da es viele Austauschmöglichkeiten mit anderen Schreibenden bietet und auch dann motiviert, wenn gerade wenig Zeit zum Schreiben bleibt.
Ich schreibe im Moment hauptsächlich Gedichte und Kurzprosa, auch dadurch bedingt, dass die Texte auf StoryOne nur maximal 2.500 Zeichen haben dürfen. Wenn man mal einen längeren Text veröffentlichen möchte, dann muss man ihn als Fortsetzungsgeschichte anlegen. Ich sehe die Zeichenbeschränkung aber als gute Übung, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und unnötige Wörter zu eliminieren. Wenn ich mal etwas ausführlicher beschreiben will, dann geht sich das auf 2.500 Zeichen aber natürlich nicht aus.

Du sagtest, die Plattform wirkt sich motivierend auf dich aus. Inwiefern?
Ich mag sie wegen der Niederschwelligkeit. Jeder Mensch hat dort die Möglichkeit, eigene Kurzgeschichten oder Gedichte zu veröffentlichen und sich Feedback durch andere zu holen.
Die Themenwahl ist frei, Hauptsache der Text überschreitet die maximale Zeichenanzahl nicht. Außerdem gibt es auch immer wieder spannende Challenges zu verschiedenen Themen. Ich kann mich z.B. an eine LGBTIQ-Challenge erinnern, ein anders Mal gab es das Thema „bed time stories“, dann wieder „Der Moment, der mein Leben verändert hat“.
Bei diesen Challenges werden am Schluss die besten Geschichten ausgewählt und in einer Anthologie abgedruckt. Außerdem gibt es jährlich den Young Storyteller Award. Ab zwölf Geschichten kann jede:r sich um eine eigene Buchveröffentlichung bewerben. Es gibt zwar auch abseits des Preises die Möglichkeit, eigene Kurzgeschichtenbände über StoryOne zu veröffentlichen, aber das macht für mich keinen Sinn, da dann die Aufmerksamkeit fehlt. Die Gewinner des Wettbewerbs bekommen aber sehr viel Aufmerksamkeit; allein dort auf die Shortlist zu kommen, bringt schon sehr viel.
Und wie gesagt, ich finde es cool, dass man sich dort mit anderen Schreibenden aus diversen Teilen Österreichs und Deutschlands austauschen kann.

Veröffentlichst du auf StoryOne auch Dialekttexte?
Ja, manchmal. Wenngleich Dialekt meiner Erfahrung nach auf einer Bühne viel leichter umzusetzen ist. Die Niederschrift ist für mich noch schwierig, ich bin da erst am Herumexperimentieren. Gerade bei den Vokalen a und o bin ich am Überlegen, das Steirische ist da schon eine Herausforderung. Generell finde ich es ziemlich schwer, die Vokale schriftlich so abzubilden, wie ich sie ausspreche.
Wahrscheinlich haben meine Schwierigkeiten zusätzlich auch damit zu tun, dass ich früher Deutsch als Fremdsprache unterrichtet habe – da musste ich die Texte so korrigieren, dass sie der Standardschreibweise entsprechen. Ich muss mich also selbst noch an das Aussehen meiner eigenen Dialektniederschrift gewöhnen, denn für mich sieht ein –a am Ende statt des gewohnten –er auf den ersten Blick noch immer falsch aus.

Wie reagiert das Publikum aus Deutschland auf deine Dialekttexte?
An und für sich sehr positiv. Einmal bekam ich eine lustige Rückmeldung von jemandem, dem mein Text sehr gut gefallen hat, der sich aber an einigen Stellen schwertat, ihn zu verstehen. Aber es zahlt sich aus, auch auf Plattformen wie StoryOne im Dialekt zu veröffentlichen. Dialekttexte sind dort eine Bereicherung. Dialekt ist prinzipiell immer eine Bereicherung!

Das ist ein schöner Schlusssatz! Verrätst du uns noch dein Lieblingswort?
Das ist eindeutig das Oamutschgal.

*****

Franziska Pronneg, geboren 1995 in Deutschlandsberg, 2015 nach Graz emigriert.
Poetry-Slammerin, Studentin und Dialektliebhaberin; erzählt vor allem Grazer Stadt-, Wald- und Lebensgeschichten.
2021 erschien ihr erster Erzählband „Urbane Nackerpatzerl“
Auf Story One findet man die Autorin unter:

https://www.story.one/u/franziska-pronneg-22178

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