Eine Annäherung an den Loosdorfer Dialektlyriker Walter Seisenbacher (1951–1983)

von Mario Huber

Mit herzlichem Dank an Traude Seisenbacher für ihr Einverständnis, Seisenbachers Gedichte in diesem Umfang verwenden zu können

Irgendwo fremd zu sein ist auch ein Vorteil. Wenn die Dinge sich nicht sofort in verwandten Bahnen bewegen, Kauz und Kuckuck schreien und der aufgetischte Schotter unter den Reifen knirscht. Langsamer werden, Radio aus, Fenster runter. Warten und nachdenken – und sich fragen, wo man da eigentlich gelandet ist, mit seinen verstaubten Kotflügeln. 

Die überschaubar wenigen Gedichte von Walter Seisenbacher (1951–1983) aus Loosdorf in Niederösterreich sind in diesem beweglichen und zugleich festgefahrenen Sinn fremd. Gehen fremd. Fremdeln. Sind weit weg vom gewöhnlichen Heimatverklären der gängigen Dialektliteratur. Damals und heute. Ein Gedichtband, ein paar verstreute Texte in längst vergessenen Literaturzeitschriften graben in der Wildnis des österreichischen Sprechens und Denkens ihre Bahnen. Eine unbegreifliche, abhandengekommene Welt wird dem Verstehenwollen ausgesetzt, ihre Aufnahmebereitschaft hält sich aber bedeckt und hütet sich. Lüftet nichts, nicht einmal zum Gruß.

Seisenbachers Welt ist sehr kalt: Hier hört und sieht und fühlt niemand jenseits der eigenen Körpergrenze. Und wenn doch, dann hat er oder sie es gefälligst für sich zu behalten, Passierscheine werden nicht ausgegeben. Probieren kann man es ja trotzdem. Begleitet wird jede Aufzeichnung der Übertretungsversuche von Frage- und Rufzeichen. Antworten bleiben aus oder sind verheerend. Irgendwo ist die Kette schon lange gebrochen.

probias amoe aus!

probias amoe aus
waunz da recht drekig ged
und schtöö di mitn untad leid
und los aussi deine uakrämpf
und schrei:
höefz ma!
i brauch wen!

oda: 

probias amoe aus
waunz da recht leiwand ged
und schtöö di mitn untad leid
und loch an jedn ins gsicht
und schrei:
waunz wen brauchz –
i, i hüf eich!

probias amoe aus
probias amoe aus
und i garantia da:
so 
oda 
so:
de fian de afoch o. [1]

Die nicht einmal 60 veröffentlichten Texte Seisenbachers zeigen ein einseitiges Sprechen, ein Redenwollen, bei dem nur der Durchschlag weitergereicht wird oder das Gegenüber längst weitergeblättert hat. Keine Widerrede wird gegeben, das Befolgen von Regeln steht im Mittelpunkt der Familienbilder mit Diwan und Psyche. Vor allem dieser Erbkern zieht seine Kreise, in allen Farben eines sehr ungemütlichen Regenbogens.

wos a kind heitzudog oes gsogt kriagt

du, mia foan jetz! und waasd eh:

waunz finzta wiad, gesd schloffn!
los ned den küschraunk offn!
mid mixa schbün is gfealich!
bleib imma braf und ealich!
fagis a ned aufs woschn!
du waasd, du soesd nix noschn!
moch uadnung in dein zimma!
den lula brauch ma nimma!
und wosch da a dein hoes!
(da libe gott siach oes)
und schoet den feanseha oo!
und bitte gee aufs kloo!
und leg di pünktlich nida!
zum frühschtük siaxt unz wida!

tschüss! [2]

Wie die andere Seite der Ermahnungen und Drohungen schließlich damit umgeht, ist im einzigen, postum veröffentlichten Gedichtband Grauer Schmetterling, gleich auf der folgenden Seite nachgezeichnet. Eingedenken in den Familienbenjamin, der die Vorerfahrenen in sich und auf sich zu spüren bekommt. Die Angst vor der Hilflosigkeit der Eltern, die Angst vor der nicht gewürdigten Anstrengung, vor der vermutlich mundabgesparten Gabe, treibt ihre schlumpfigen Früchte.

gebuazdog

a duatn – a hosn
und schlumpfi a poa
da foda is bsoffn
und foad ma duachd hoa

a mädschbox – a biachl:
„schlumpfi schlumpfd am zaubersee“
die mama mochd benco
und fian fodan an kafee

a lego – a füzschdift
a schlumpfiquardett
mei schwesta hod kopfwee
und ligt scho im bett

owa i, i muas aufbleim
und mi gfrein wia a noa
sunst griag i a dädschn
(so wia im furign joa) [3]

Später wiederholt sich die Szene wieder und wieder, durchaus mit wechselndem Personal. Die überantworteten Hülsen einer zur Schau getragenen Meinung stanzt da auch ein Lehrkörper in das zu prüfende Gefäß. Ein Loch ist im Eimer, i bin fola lecha [4] nennt Seisenbacher ein Gedicht. In Klassenräumen und ähnlichen Kämmerlein ist das Sprechen des maßgeblich Versiegelten schon so weit gediehen, dass die hingerotzten Gemeinheitsplätze ungefiltert zurückgeechot werden. Der Beruf führt verschließlich zur Einberufung.

de leazeid is ka leere zeid!

in meina leazeid haums ma
lauta wichtige sochn beibrocht!
zum beischbüü waas i jetz:

das mei masta imma recht hod,
und das de geweagschoft imma liagd.
das unsa bedribsrod schau long nimma gwöed kerad,
und das da schef a neiche freindin hod,
und das de freindin unsa leamensch is!

i waas jetz aa:
das de leabuam muazdrum frech san,
das de tschuschn schdöen und liang dan,
das aum heisl imma graugt wiad,
und das ma fia de übaschdundn
kan groschn mea zoed griang!

und das unsa geweabe aum saund is,
und das ma woascheinlich
e boed zuaschbean kenan –
und das ma olle midanaunda
sowieso de ewig augschmiadn san –
das waas i jetz aa!

in mein gsöenbriaf schded:
i hob mein „Lehrziel mit Erfolg erreicht“! [5]

Doch noch ein Schmunzeln, vielleicht. Angekommen, erreicht, ja. Eine Auskunft darüber, wo das jetzt ist, lässt sich aber weder ergattern noch ergaunern. Vielleicht doch umkehren? Eine Wurzel des Kreislaufs, der das sündige Denken in den sündigen Körper leitet, ist auch in der niederösterreichischen Pampa die katholische Kirche. Dort werden die sündigen Taten, die sich über die sündigen Hände, Finger und das wahnwitzigste aller sündigen Glieder in die Welt ergießen, erst frisch hergestellt und rissverpackt mitgenommen. Alpha und Romeo, lebenslange Garantie. Glaubt man den Aufzeichnungen von Trude Marzik, die Seisenbacher einige wenige Jahre mit unterstützenden Worten und Briefen begleitet hat, war allem Vorbehalt zum Trotz ein gewisser Pater Michael ein Freund der Familie.[6] Ein typischer Widerspruch im Land der TöchterSöhne, der sich gut zum Versteigen eignet. Das lassen wir aber.

mid da tauf faungz au

kaum woar i auf da wöed,
haums mi gschnappt
und in a kiachn drong
und tauft.

oba i hob ned woen.
und rechd gschdramped.
und laud gschrian.

da pforra hod glocht!
de mama hod glocht!
de fawaundn hom glocht!
da papa hod fotografiat.

und jetz auf amoe
woar i a grist!
reingwoschn.
unschuidig.
sindnfrei.

und wäu i jetz
a brafa grist woa,
hob i betn gleant.
hob i a schuzengal griagt.
hob i fom himmifata dramd.

und wäu i jetz
a brafa grist woa,
haums ma gsogt:
walta, waunzt aufs topal gest,
schbüü di jo ned midn lulu!

und ois brafa grist
bin i in da schui
in religionzuntarichd gaunga:
lauta remische ansa!

und oes brafa grist
waor i natüalich a ministrant:
mia radschn, mia radschn
den himmlischen gruas…

und ois brafa grist
hob i a schlechz gwissn kobt,
waun i ma hamlich
im doktabiachl
a nokate frau augschaud hob.

und ois brafa grist
hob i ma nie draud
das i a mal augreif
und zoat schdreichld.

und ois brafa grist
hob i kiachlich
und jungfräulich keirat.

und ois brafa, brafa grist
hob i mei kind sofuat
taufn lossn!

oba,
schdöezz eich fua:

dea bua hod ned woen.
dea hod rechd gschdramped!
und laut gschrian!

i hob e a poa foto gmocht.
woaz, i zags eich schnöö.

wo hob is den? …
wo hob is den? [7]

Der Vater, der Sohn, der heilige Kreis. Eine Biografieangabe, eine verendende Geschichte im dunklen, heimischen Nestbeschmutzungsgang. Man tut eben, was sich gehört, wann es sich gehört und mit wem es sich gehört. Gefühlt wird, ja, aber mit den Händen immer in Sichtweite. Was hinter den geschlossenen Türen für Anstalten gemacht werden, wer dann da wirklich was tut, das übergeht man lieber. Wer bei Seisenbacher spricht, ob er seinen eigenen Abgekommenen beobachtet oder ob er sich in seine eigene Kinderstube zurückdenkt, bleibt offen. Zeit spielt eine untergeordnete Rolle in diesen Texten, kommt doch alles alles alles immer immer immer wieder wieder wieder. Kreiselt, bis es eben nicht mehr geht.

mei klane schwesta

mei mama woa im schbidoe
und wias zrugkumma is
hoz a klans puzal midbrocht.

des is dei schwestal
hoz gsogt:
des muast geanhaum.

mei mama is jetz gaunz aundas.
den gaunzn dog
und de hoabate nocht
drogz des puzal umadum!

oba fia mi,
fia mi,
hoz ka zeid,
hoz ka zeid mea,
fia mi…

maunchmoe,
waun de mama
gschwind in d kuchl ged
renn i zum kindawong
und zwik des puzal
gaunz fest in de waungan
oda reiss be de fiass
oda faschdek eam in lula.

daun faungz au zum plazzn,
bis de mama kummt,
und de mama schreit a:
los des puzal in rua!!
dea den puzal ned weh!!
des puzal is noo zklaa
zum schbün!
gee in dei zimma!

waun do de mama
daumoes ned in
des komische schbidoe
gfoan waa!

i wia mei klane schwesta
nia geanhaum kenna … [8]

Der will doch nur spielen, reimt mann und frau sich händeringend zusammen, damit die Welt sich nicht in bessere übergeben muss. Kurz zusammengeschlagen. Der Kreisel eiert, er zeigt auch Veränderungen. Nicht alles bleibt, wie es ist, manches wird sogar schlechter. Dabei gibt es immer wieder Versuche, jemanden in die eigene Wahrnehmung einzuladen. Mal zeigend, mal hinweisend – es ändert sich viel, gebaut muss schließlich werden. Gerade am Land, wo doch so viel Platz ist. Woher wüsste man überhaupt, wie Natur auszusehen hat, wenn es nicht den BillaSparHoferMondoparkplatz gäbe?

i zag da wos:

schau!
duat om.
zwischn de heisa,
des schdikl weis – 
des is a woekn!

schau!
duat
zwischn da schtrossn,
des schdikl grea – 
des is a gros!

schau!
duat hintn,
wos des neiche
kaufhaus baun – 
des woa
bis jetzt
a pak!
schau!
gschwind schau!

a eichkazal.
a eichkazal …
odar woas a rozz? [9]

Zwischen den ganzen Anrufungen, von Bonifatius bis weiter unten im Heiligenlexikon und den ausgebliebenen Antworten von weit näher am Herzen und Ort des Huthinhängens kommen dann doch kleine Oasen des Miteinandersprechens. Aber die Antwort, die man möchte, muss man sich erst zurechtschnitzen, wenn man nicht schnell die Fenster wieder hochkurbelt, hochkurbeln muss, und sich unter den Scheibenwischern versteckt. Dieses Witschwatsch und Zischkrach hinter der Scheibe ist zumindest bekannt. 

easchte libe

mia maum a mal in da klass.
de mizzi is. aus sizzntoe.
waun mi de auschaud, wiad ma haas.
de mechd i heiratn amoe!

si schaud so wiar a fümschdaa aus –
de wangal rod, de zepf so laung.
heit hauma zwaa schdunt frira aus –
i gee in park, woad auf da baung …

und waunz fabeikumd, schpring i auf.
und schrei: mizzi! sizz di hea zu mia!
jo kumsd den ned fa söeba drauf
wia grosse sehnsucht i faschbia?

i schdee auf dii! i hob di gean!
du bist mein traum, mein lebn.
du muast amoe mei weibal wean!
i wia da ollas gebn!

do fliang de zepf! und di mizzi locht!
si schaud mi gliklich au.
und daun sogz: guat is! obgemocht:
du wiasd mei easchta mau! [10]

Die Enttäuschung ist groß, erster sein zu dürfen, liest man in den Text rein, wenn man ihn neben den anderen röntgt. Ein läufiges Leben steht in den Kinderbeinen und dazwischen also im Melker Umland schon fest. Welchen Unterschied ein Wörtchen machen kann. Schweigen wäre [unleserlich]. Eins, zwei, drei: Zählbar wird das Leben viel zu leicht und damit schwer, auch wenn es um andere Freundschaften geht. 

meine habara

untatitl:
da egon, da schual und da bert –
a so a freindschoft is wos wert!
[…]
und wos ma de weat is, des sog i eich aa:
im gaunzn schau sex hundata!! [11]

Geburt, Kindheit, Ausbildung, Kirche, Liebe, Freundschaft: Wenig bleibt, was hier dem Dasein zugutegehalten werden kann, wie es scheint. Kalt ist’s hier, wie gesagt, ziehen tut’s, gerade hin und weg vom Herzen. Denn die Wegweiser kann man durchaus umdrehen, sich gegen sich selbst richten, erstmal in der sanften, nicht der vorwegnehmenden Art und Weise. Der Versuch der Selbstbesserung, ver und überhaupt, eines Ausbrechens aus dem ewigen Kreisen und Bausparvertragseinzahlen.

medidation
waun i meditian wüü
daun moch i oes easchtas
imma de fenzta zua
und gib de rollo oba.

daun zint i a poa keazzn au
und a poa indische reichaschdabal
und an glan kessl mid an weirauch.
daun moch i an tee
leg a saunfte plottn auf
und bind ma meine hoa hint zaum.

daun ziag i mi um
und hoe mei afghanische dekn
und probia drauf den sünburmesischn
lotusblütnsitz.

daun les i noamoe noch
im „großn jogabiachl“:
wiar i sizzn muas
wiar i otmen muas
wiafüü zeid i hob
und wo des dritte aug hinleicht.

daun faung i au
zum meditian…

meditian des haast:
ollas ringshearum fagessn. [12]

Fast müsste einem beim Lesen ein Lachen auskommen aus der fast schon zugeschnappten Falle. Ertappt beim Einkaufen für zukünftige Heilsversprechen, fühlt man in der Meditation den eigenen Pulsverschlag. Wissen macht halt noch nichts, die Selbstbeobachtung führt nicht unbedingt in die Bedingungslosigkeit, denkt mann und frau vielleicht außensichtig. Vielleicht nochmals die Blickrichtung ändern, wenn man denn schon schoßige Wurzeln geschlagen hat. Den Feldstecher auf die anderen richten. Die Ablenkung, das Dazugehörenwollen, das Ameigenenstatusarbeiten kann doch ebenso ein Einrichten in der Welt sein. Endlich die Vielfalt erkennen, die man bis zum Ende wenn nicht in-, dann zumindest kohabitiert. 

da fäabige feanseha

heit haum ma se an kaft.
und jetz is eascht drei!
oba unta da wochn faungt s feansen
eascht um hoeba sexe au.
(s testbüd is zwoar a schee fäabig –
oba des wiad ma schau laungsaum fad)
heit schpüns zeascht an französischkuas:
paale fuze wuu? (in foabe!)
daun s östareichbüd:
(i bin neigierig, wia de klinga augschmiad is)
nochhea:
zeid im büd
(s easchte moe a rotes bluat!)

schbeda is a oeda heimatfüm.
(in schwoazzweiss? – de oaschlecha!)
daun is no da club zwaa
(ob da nenning schau graue hoa hod?)

und nochhea?

is leida schluss.

hofndlich gibt dea klane gschropp
oba heit a ruah! [13]

Aber auch hier wieder Überforderung, abdriften, wegdriften, der einzige Wunsch, wie es scheint: den Sohn oder die Tochter, geschlechtslos im Angesicht des Herrn, aus den Augen und Gedanken verlieren. Wenn der Tank bereits leer ist, möchte man meinen, und auch sagen. Weiter weg, nicht nach innen, auch nicht nach außen blicken, wirklich die Beine in die Hand nehmen und in die echte Fremde, ein anderer Ort, eine andere Zeit fast. Eine bessere Vergangenheit, eine einfachere Zeit, die man sich zusammenreimt. Auch das passiert jenseits des üblichen Dialektheimatkitsches, mit dem Muatal am Herd und dem Vota mit der Pfeifn in der Stubn beim gemeinsamen Beten. Weg aus dieser fremden Welt, mit ihrem Konsum und ihrer Kälte, „FROMMer“ werden, wie Seisenbacher in einem Inoffiziellen Lebenslauf [14] schreibt, der in seinem Gedichtband abgedruckt ist und der stückelweise mehreren Briefen an Trude Marzik entnommen ist. Frommer im Sinne des Analytikers Erich Fromm, den er gerade gelesen hatte. Durch die Scheibe führt der Weg, vorbei an den Wischern, vorbei an der wirklichen Welt in eine zusammengesponnene, eine redaktionell bearbeitete, eine Abenteuerwelt. In erlesenes Sein.

der ruf der wildnis

i hob an füm gseng.
im feansen,
üba alaska.

schdöez eich fua:
duatn gibz heite no,
in unsara modeanen zeid,
trappa!
foenschdöla!
goedgroba!
und woefsbluadige schlittnhund!

genau a so
wiar in de oedn biachl
fom tschek london.
i wüü jetz nimma fakeifa wean –
beim hatlaua – so wia mei papa.

i wüü a nima in i hechare schui,
und rechd gschdudiad wean –
wia sis mei mama oewäu eibüt …

[…]
i mechad fuat!
waunz ged no heid.
[…]
(pfiad eich, leid) [15]

Pfiad di. Das Ende von Walter Seisenbachers Leben muss nicht erzählt werden, die Minusrechnung der Jahreszahlen ergibt schon im Überschlagen das richtige, wenn auch tatsächlich falsche Ergebnis.

Der löchrige Walter wird soweit eine Leerstelle bleiben. Seisenbacher, von dem Jörg Mauthe nur zu schreiben weiß, dass er unwissend neben ihm gesessen und ihn nicht kennengelert habe, weil er da war, „ohne auch nur einmal den Mund aufzutun“ [16]. Die Texte sprechen, mit ihrem eigenwilligen Sagen, ihrem um Verständnis ringenden Insistieren, ihrem Fragen und Rufen. Vielleicht findet sich auch heute noch kaum eine Antwort. Zumindest kann man die Anliegen weitergeben, durchreichen, bevor man sich seine Flügel putzt und in bekanntere Gebiete weiterfliegt. Gerade, wenn sie einem zunächst ein wenig fremd erscheinen. 

*****************************

  • Literatur von Walter Seisenbacher
  • Walter Seisenbacher: Grauer Schmetterling. Niederösterreichisches Pressehaus 1983.
  • „i suach auf olle schdean“. Gedichte von Walter Seisenbacher. in: Wiener Journal November 1980, S. 20. [Texte: hüfe; i zag da wos:, de technik; mia brauchn kann kriag mea; epilog]
  • Gedichte. in: das pult. literatur kunst kritik 59 (1981), S. 13. [Texte: i zag da wos; moxd mi nimma?; de technik]
  • meine habara. in: Bakschisch. Zeitschrift für humorvolle und skurrile Texte 3 (1981), S. 21.
  • buschwindröschen. in: Bakschisch. Zeitschrift für humorvolle und skurrile Texte 4 (1982), S. 60.
  • i bin fola lecha. in: das pult. literatur kunst kritik 68 (1983), S. 69.
  • Gedichte. in: HEIMATLAND. Literatur aus Österreich 4 (1988), S. 120-121. [Texte: schbed – oba do; duat in da wisn ligt ana]

Literatur über Walter Seisenbacher

  • Jörg Mauthe: Walter Seisenbachers Gedichte. in: Wiener Journal November 1980, S. 20.
  • Trude Marzik: „Es muass do irgendwo an Weg gebn. Eine Dokumentation in memoriam Walter Seisenbacher“. Österreichische Nationalbibliothek, Literaturachiv. Nachlass Trude Marzik (LIT 452/17/W17)

christof

christof

53-jähriger Mann, wohnhaft in Innsbruck. Berufstätig als Lernassistent, an einer Innsbrucker Volksschule. Davor über viele Jahre die Kinder in verschiedenen Wohnheimen für Asylbewerber*Innen ehrenamtlich betreut. War zwei Jahre als Betreuer in einem Tagesheim tätig.
Seine zweite große Liebe gehört dem Theater. Begonnen in einer Improtheatergruppe, vor ca. 18 Jahren, zuletzt (2021) mit dem autobiographischen Theaterstück “Kind” auf der Bühne.
Als ausgebildeter Theaterpädagoge galt sein Fokus dem politischen Theater, mit Menschen, die ihr zu Hause verlassen mussten.
Seine dritte große Liebe gilt dem Schreiben.

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🎧 christof
ES IS GNUA!

christof
ES IS GNUA!

zaum gregnet
es hot eam zaum gregnet
koit
is a gfoin
und noss
hots eam zaum gregnet
es weiss
von in da fruah
liegt in lockn
auf da stross
zaum trogn
vü hot si zaum trogn
schwar
liegts auf da sö
des blede gwicht
zvü hot si zaum trogn
die freid
vor a bor dog
wurd heit
zvü hintafrogt
zaum stehn
wir miassn zaum stehn
schiach
tuans mit die leit
is so zum speibn
wir miassn zaum stehn
es brave vuik
frisst sott und blind
wos an liagn
von eana kimt
zaum regnan
es keat vü mehr zaum gregnet

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Regina Appel im Interview

Du bist eine der Wenigen, die Prosatexte im Dialekt verfassen. Wann entscheidest du dich für den Dialekt?

Der Inhalt des Texts gibt die Sprache vor. Ist der Text näher am Erlebten, verlangt er oftmals Dialekt. Dialekt ist ausdrucksvoller, weil er Gefühle anders bündelt, aber gleichzeitig vieles offen lässt. Dieses Abstrahieren ist das »Gscheite« am Dialekt, dem oft das Einfache zugeordnet wird. 

Du bist im nördlichen Waldviertel aufgewachsen, dann aber nach Wien gegangen. Mittlerweile lebst du wieder im Waldviertel. Hat sich dein Dialekt durch den Ortswechsel verändert?

Meinen Waldviertler Dialekt habe ich nie abgelegt, durch meine Zeit in Wien aber bestimmt etwas abgeschwächt. Durch die gewonnene Distanz und die Rückkehr ins Waldviertel nehme ich die Stärken des Dialekts als Ausdrucksmittel intensiver wahr. 

In deinen Texten geht es oft um die verborgenen Dinge. Um die Einsamkeit, die sich dadurch äußert, dass man sich einen Kellner herbeiwünscht, der einfach nur zuhört. Um den Bürgermeister, der sich zu Hause anders gibt als vor seinen Wähler:innen. Oder auch um Dinge, die bleiben, wenn Menschen gehen.  Wie entstehen deine Texte? 

Wir alle tragen unzählige Geschichten in uns herum. Die Texte sind gut versteckt. Durch Impulse von außen drängen sie an die Oberfläche. Manchmal passiert das in Form einer Explosion. Da unterbreche ich am besten das, was ich gerade tue, und schreibe es sofort auf. Bei manchen Texten weiß ich, wo sie vergraben liegen. Diese muss ich vorsichtig freilegen. Die verwendete Sprache birgt Überraschungen. 

Was liest du besonders gerne? Und liegt auf deinem Nachttischchen manchmal Literatur im Dialekt?

Mein Nachttischchen ist eine Kommode, auf der sich immer (zu) viele Bücher stapeln, die gelesen werden wollen. Da findet sich viel österreichische Literatur, aber ich tauche auch gerne in andere Welten, wie die von Stephen King, ein. Dialekt lese ist nicht besonders viel. Durch einen Artikel in der Wiener Zeitung bin jedoch ich auf Josef Mayer-Limberg gestoßen, den ich immer wieder zur Hand nehme, weil mich sein gebündelter ausdrucksvoller Dialekt beeindruckt. 

Wenn du jemandem, der noch nie dort war, das Waldviertel und seine Menschen beschreiben müsstest – wie würdest du es tun? Gibt es DAS Waldviertel überhaupt?

Im Waldviertel gibt es Naturnähe, aber auch Rauheit. Das beeinflusst die Menschen. Durch die kleinen Orte, eingebettet in weite Felder, entstehen kleine Mikrokosmosse. Diese eröffnen, auch durch das Zusammentreffen sozialer Unterschiede, große Welten.  

Mai 2024
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

Das war der Dialekt Salon im Literaturhaus Salzburg

Katharina J. Ferner las Liebes- und Naturlyrik im Dialekt sowie in Hochsprache und ließ das Publikum die unterschiedliche Wirkung erleben.
Katherina Braschel überzeugte mit ihrem Dialekt-Prosatext, der nicht nur stilistisch herausragend, sondern vor allem brisant war.
Anna-Lena Obermoser rockte den Saal mit Spoken Word im Pinzgauer Dialekt.
Nach einer kurzen Pause konnte man dann noch das Lyrik-Album „faschaun- farena – fagee“ von Eva Lugbauer und dem Duo „zoat“ live erleben.

Wir danken Tomas Friedmann und seinem Team vom Literaturhaus Salzburg für die Aufnahme ins Programm, die Organisation und die herzliche Bewirtung sowie Josef Kirchner und seinem Team vom Mosaik für die Bewerbung und den reichhaltigen Büchertisch!


Fotocollage © Literaturhaus Salzburg

Katherina Braschel im Interview

Morgenschtean-Redaktionsmitglied Katherina Braschel im Interview


Katherina Braschel (Foto © Leonhard Pill)

Du bist in Salzburg aufgewachsen und lebst in Wien. Wo würdest du deinen Dialekt verorten?

Irgendwo auf der Westbahnstrecke dazwischen. Manche Ausdrücke habe ich zwischen den Sitzreihen im Zug herausgekletzelt, als man von Wien nach Salzburg noch über drei Stunden gefahren ist, manche hab ich beim Zähneputzen in 1030 gefunden (»Giftschipperl«!) und ein paar hat mir die Salzach beim Biertrinken am Elisabeth Kai angeschwemmt.

Dialekt ist ja nie etwas Statisches, das man ganz genau verorten kann (sorry, Sprachwissenschaft). Sicher hört man manchmal, dass ich aus Salzburg bin, aber »dooni« habe ich sicher von einer Freundin aus Oberösterreich übernommen und andere Dinge von anderen Menschen. Es ist immer ein Konglomerat, das ist ja auch das Schöne daran.

Du schreibst nicht nur, aber auch im Dialekt. Wie kam das?

2013 wurde der AnnoDialektDonnerstag gegründet und da ich damals schon viel beim AnnoLiteraturSonntag war, bin ich auf Dialektliteratur abseits von Heimatgstanzln und so aufmerksam geworden. Das hat dann vielleicht ein bisschen passiv in meinem Hirn dahingeköchelt und irgendwann gab es ein Thema, einen Text (»Hoiz hockn«), der unbedingt heraus musste und das im Dia lekt. Es hat einfach nicht anders gepasst. Danach habe ich mich dann mehr mit Dialektliteratur beschäftigt, meine eigenen Vorurteile ihr gegenüber abgebaut und gesehen, wie vielseitig dieses Feld ist.

Die Auseinandersetzung mit Dialekt(en) fand ich schon immer spannend, manchmal auch einfach lustig und oft erzählen Dialektworte sehr viel mit. Und das kann eine als Schriftstellerin ja nur interessieren.

Außerdem gibt es gewisse Ausdrücke im Standarddeutschen schlicht nicht beziehungsweise keine Äquivalente, die genau dasselbe ausdrücken. »Am Oasch gehn«, zum Beispiel, oder »zach« (beides brauche ich sehr viel).

Deine Texte behandeln meist aktuelle Themen und gehen nahe. Wann entscheidest du dich bei einem Text für den Dialekt?

90 Prozent meiner Texte entstehen im Standarddeutschen, bei den restlichen 10 Prozent, die im Dialekt sind, liegt es oft an einer Formulierung, einem Satz, den ich irgendwo gehört oder gedacht habe, der hängen geblieben ist und von dem ausgehend sich ein ganzer Text (oder zumindest eine Textidee) entfaltet. Manchmal liegt es daran, dass das Standarddeutsche das Vokabular einfach nicht hergibt (wie bei den Beispielen oben), manchmal daran, dass sich eine gewisse Stimmung in meinen Augen besser im Dialekt erzeugen lässt.

Du arbeitest nun schon seit einigen Jahren in der Morgenschtean-Redaktion mit und bist dort unter anderem für die Textauswahl zuständig. Welche Texte sind es, die dich persönlich besonders packen?

Die ohne Pathos, die klug gearbeitet sind. Texte, bei denen man merkt, der*die Schreibende hat seinem*ihrem Text vertraut und muss nichts erklären, sondern lässt den Text die Erzählung tragen. Die Texte, die mit einem feinen Gespür etwas Zwischenmenschliches aufgreifen und die politischen Texte, die ohne plumpe Gemeinplätze auskommen. Und die, wo ich nicht das Gefühl bekomme, der*die Schreibende hat mit Gewalt einen Text zum ausgeschriebenen Thema aus sich herauszwungen oder das Thema im Nachhinein mit einem mittelgut passenden Satz in einen bestehenden Text hineingeworfen, man merkt das ja beim Lesen.

Liest du privat auch viel Dialektliteratur?

Tatsächlich lese ich weniger, aber höre Musik im Dia lekt. Eine Band, ohne die ich nicht mehr kann, ist

Dritte Hand. Es gibt keinen Song, der mich da nicht zuawi fongd, durchbeidld und bessa wieda außalossd. Das kann ich zum Duschen, zum Tanzen, zum Zugfahren, zu allem hören.

Wenn ich mal wieder richtig weinen will, höre ich »zehna« von SarahBernhardt (es gibt aber auch genügend Songs ohne Tränenfunktion, außerdem ist das recht subjektiv, will nur dazu gesagt sein). Wenn ich breit grinsen will, höre ich die Gesangskapelle Hermann.

Literarisch hänge ich an den Texten von Christine Nöstlinger. Und an denen von Redaktionsmitglied Anna Stiegler.

Du engagierst dich in den Redaktionen von Literaturzeitschriften (neben dem Morgenschtean auch bei &Radieschen), auch leitest du diverse Schreibwerkstätten. Sprich: Es ist dir ein Anliegen, neue, noch nicht so bekannte Autor:innen zu fördern. Wie hast du diese Leidenschaft entdeckt und warum ist dir das so wichtig?

Im Grunde ist es recht einfach: Wir fangen alle irgendwo an. Niemand schreibt einen ersten Text und wird groß veröffentlicht. Aber diese ersten Veröffentlichungen und Lesungen geben Zuspruch und ein erstes literarisches Selbstvertrauen.

Würde ich meinen ersten Text, der damals 2012 oder 2013 in & Radieschen erschienen ist, nochmal so schreiben oder veröffentlichen? Nein, sicher nicht. Und das ist völlig okay und gut so, es ist ja schließlich Zeit und Arbeit an meinem Schreiben vergangen. Aber diese Veröffentlichung war wichtig, genau wie meine erste Einzellesung im Café Anno.

Deshalb ist mir auch die Arbeit beim AnnoLiteraturSonntag so wichtig. Ganz viele Schriftsteller*innen machen bei & Radieschen oder im Café Anno ihre ersten Gehversuche. Es muss nicht perfekt sein, man kann sich ausprobieren. Es ist ein wertschätzender Rahmen und die niederschwellige Möglichkeit auf eine abendfüllende Einzellesung.

Und bei den Schreibwerkstätten ist es mir vor allem wichtig, Literatur und Schreiben als ein Gespräch zu vermitteln, als etwas Dynamisches, das wachsen kann. Ich sage immer, jede Person kann schreiben, man muss halt nur dazu finden, was man wie schreiben will und bereit sein, an Texten zu arbeiten.

Mai 2024
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner


Anna Lena Obermoser im Interview

Anna Lena Obermoser im Interview


Anna-Lena Obermoser, Foto: © Hannah Gehmacher

Auf der Slambühne kennt man dich als Poetin, die den Rhythm and Blues im Blut hat, deine Texte gehen nahe, nicht nur inhaltlich, sondern auch weil du eine begnadete Performerin bist. Hast du schon als Kind geschrieben beziehungsweise warst du immer schon ein Bühnenmensch?

Ich habe in meiner Jugend angefangen zu schreiben. Die Bühne und die Aufmerksamkeit habe ich immer gescheut. Seit etwa 12 Jahren stehe ich jetzt trotzdem regelmäßig vor Mikrofon und Publikum. Ich bin immer noch kein Bühnenmensch. Aber ich mag es durch meine Texte eine Stärke zu finden, die mich trägt, und die andere tragen kann; eine Intimität zu erzeugen, die die Distanz zwischen mir und den Zuhörenden bricht und dadurch eine Verbindung aufbaut, welche sehr viel Kraft und Innigkeit mitbringt. Da geht es nicht um Aufmerksamkeit. Da geht es um Einigkeit. Ich trete nicht mehr oft auf, aber wenn, dann hat es für mich jedes Mal sehr viel Bedeutung.

Du spielst in deinen Texten mit Sprache, Rhythmus und Dialekt, immer wieder fließen ganz natürlich Anglizismen ein, dein Vortrag ist dynamisch und jung, kommt ganz locker rüber und reißt mit. Wie hast du zu dieser ganz speziellen Form gefunden? Gab es da auch Vorbilder?

Ich höre super gerne Musik aller Genres, beschäftige mich mit modernem Lyricism, verfolge zeitgenössischen Spoken-Word, lese Gedichte längst verstorbener Dialektautorinnen – da sind sicher einige Einflüsse, die unterbewusst hängen bleiben und in meinen Sachen mitwirken. Meine „ganz spezielle Form“ habe ich dennoch sehr unspeziell gefunden. Ich will mich nicht bemühen, wenn ich in meinen Texten etwas erzähle. Die Einfachheit der Dinge reicht oft aus, der Dialekt malt genug. Ich will mich nicht verstellen, oder gefallen. Ich will mich fallen lassen. Da habe ich nicht den Anspruch, dass ich perfekt reime, wunderschöne Bilder erzeuge, oder makellose Metaphern, mit denen alle etwas anfangen können. Ich will mich zeigen, mit allem was ich bin. Und ich bin alles. Ich bin laut, singend, summend, leise, zart und brüllend, witzig, oder eben tiefsinnig. Das ist nicht zwingend meine Form, das ist mein Sein.

Deine Texte sind emotional und packen die Zuhörer*innen – was damit zu tun hat, dass du vom Leben erzählst. Man schmunzelt mit dir, man lacht, man trauert aber auch, man verfällt stellenweise in Selbstmitleid, man schöpft wieder Hoffnung. Und wenn du die Bühne verlässt, geht es einem irgendwie besser, trotzdem nimmt man auch etwas zum Grübeln mit. Wie entstehen deine Texte bzw. wie kommst du zu deinen Ideen?

Mein Leben hat sehr viel Fülle. Daraus kann ich schöpfen. Ich arbeite Vollzeit als Sozialarbeiterin in einer Psychiatrie. Ich genieße meine Freizeit, meine Freundschaften, mein Feierabendbier. Da kommen Themen und Ideen oft aus Gesprächen, Begegnungen, Geschehnissen des Alltäglichen. Ich nehme mir nie vor, irgendwelche großen Themen herzunehmen und dazu etwas zu schreiben. Dazu fehlt mir auch Disziplin und Verfassens-Eifer. Der Tiefgang des Gewöhnlichen tröpfelt mich täglich an und das Schöne noch dazu!

Du bist in Mittersill in Salzburg zur Welt gekommen, heute lebst du in Graz. Wie würdest du selbst deinen Dialekt bezeichnen? Lässt er sich einer Region zuordnen oder wurde deine Sprache durch das Leben in unterschiedlichen Regionen geformt?

Genau, in Mittersill geboren und im Alm- und Skidorf Königsleiten auf 1600m unter jeder Menge Tourist*innen großgeworden. Das brachte mir immer den Vorteil, dass ich im Deutschunterricht eines der wenigen Kinder gewesen bin, welches tatsächlich Hochdeutsch reden konnte. Im tiefsten Oberpinzgau tat man sich damit nämlich schwer. Meinen Dialekt würde ich als Pinzgauerisch bezeichnen, mit tiroler Einflüssen und städtischen Abflachungen zur Verständlichkeit der Allgemeinheit. Ich bin aber eher der Meinung, dass jeder Mensch seine ganz eigene Mundart hat. Wie ein Fingerabdruck quasi. Und ich denke, ich hab meine ganz eigene Mundart. Das Pinzgauern durch die Schulbildung und den Freundeskreis, das Tirolerische durch die Mama, Slang und Anglizismen, weil jo mei, ich bin halt doch Teil der Internetgeneration und zeitgleich mag ich aber das Altertümliche und finde Dialektbegriffe zu schön, um sie nicht täglich verwenden zu wollen. Gschtiascht. Griaweg. Herzigrazi. Glanglduttat. Zwidawuschz. Znaxt. Bacheiwoam. Die Liste ist ewig. Das Steirische hab ich nicht wirklich angenommen.

In DUM-Das Ultimative Magazin gibt es in jeder Ausgabe auch deine Kolumne flimmern.fischen zu lesen. Wie bist du auf den Titel gekommen? Welche Bedeutung hat er für dich?

Im Endeffekt ist alles Geschriebene, alles Replizierende ein Bruchteil von dem, was wirklich war und wahr. Ein Flimmern sozusagen. Und davon fische ich.

Beim Niederschreiben bekommen deine Texte nochmals eine andere Form. Da geht es dann auch um Zeilenumbrüche und die Niederschrift des Dialekts. Ist dir das von Anfang an leicht gefallen oder hast du dir deine Schreibweise des Dialekts erst erarbeiten müssen?

Mir fiel das von Anfang an leicht. Mit 13 hab ich mein erstes Handy bekommen und wir haben uns immer im Dialekt gesimst. Ich habe also keine Schreibweise erarbeiten müssen, sie war da. Ich schreibe so, wie ich es sage. Ohne Umlautzeichen, Kringerl, oder was auch immer. Die Form meines Geschriebenen ist mir allerdings nicht wirklich wichtig. Das Sprechen ist für mich wesentlicher. Der geschriebene Dialekt exkludiert. Der gesprochene weniger. Nicht-Dialekt-Sprechende kommen nach Auftritten zu mir und meinen häufig „ich habe nicht alles genau verstanden, aber ich habe es verstanden.“ Das funktioniert beim Geschriebenen weniger, weil die Transportmittel, die Stimme, die Haltung, meine Körpersprache, fehlen.

Du bist auch fixer Teil der Grazer Lesebühne V.O.L.T. Was bedeutet es dir, gemeinsam mit anderen auf einer Bühne zu stehen?

Kollektiv künstlerisch tätig zu sein ist essenziell für den eigenen Wachstum und Perspektiven-Erweiterung. Es kurbelt die Kreativität an, es kann ärgern, es lässt diskutieren, miteinander lachen, jammern und jammen, schreiben, schweigen, es macht Spaß, es distanziert, es vereint. Es ist toll, alleine mit einem Soloprogramm auf der Bühne zu stehen, aber es wird langweilig. Ich will mich doch nicht die ganze Zeit selber hören?! Es ist für michbereichernder den kreativen Raum für Mehrere zu öffnen.

Sich auf eine Slambühne zu wagen ist für viele ein großer Schritt. Immerhin geht es dort nicht nur um die Qualität des Textes, sondern auch um den Vortrag – und man muss sich dem Feedback des Publikums stellen. Wie war dein erste Mal auf einer Slambühne? Und was würdest du jenen Menschen raten, die sich bisher noch nie auf eine Bühne gewagt haben, aber davon träumen?

Ich war 15 und scheiße nervös. Mein Text war (nicht im Dialekt) furchtbar pathetisch und sehr sehr weltverbessernd. Genauso, wie ein erster Text sein muss. Ich bin meinen ersten Schritten, und allen die mich in der Slamszene begleitet haben, sehr sehr dankbar. Heute stehe ich der Kommerzialisierung des Poetry Slams eher kritisch gegenüber. Damals waren es Nerds und Freund*innen, die sich gegenseitig eigensinnige Texte vorgetragen haben und danach zusammen auf ein Bier oder einen Saft gegangen sind. Es ging um die Freude an der Kreativität und die Gaudi danach. Es ging nicht um das Perfekte, um die Erfolge. Ich hab mich so richtig gefühlt, so als hätte ich einen Platz gefunden. Heute stehen da fesche, großteils heteronormative Wohlstandskids, welche aalglatte Texte schreiben, um einem linksliberal-bekehrten Publikum Themen vorzupredigen, welche ohnedies Konsens sind, in einer Metrik und Machart, die sich von den restlichen Beiträgen nicht unterscheidet. Da würde ich mich heute nicht mehr hintrauen. Dort fühle ich mich nicht mehr wohl.

Allen, die sich selbst auf einer Bühne probieren wollen, rate ich es, dass sie Bühnen finden, auf denen sie sein können, wer sie sind. Das können vereinzelt Poetry Slam-Bühnen sein, das können Open-Mics sein, das können irgendwelche Talent-Wettbewerbe in irgendeinem Kaff in Hintertupfing sein, das kann die Regional-Theaterbühne sein, das kann ein Rhetorik-Seminar auf der Uni sein, ihr wisst was ich meine. Es geht niemals um den Applaus oder um das Prestige, das man erntet. Die Leute, die einem applaudieren, bewerten vielleicht deinen Auftritt, starren dich an oder jubeln dir zu. Aber sie leben nicht in deiner Haut. Die müssen nicht zufrieden mit deinem Auftritt sein. Selbstzufriedenheit ist immer ein gutes Ziel. Ehrlich zu sich sein, im Text, im Vortrag, im Umgang mit Freude oder Enttäuschung danach. Perspektiven erweitern. A Gaudi haben. Nicht die Geduld verlieren. Niemand stellt sich auf die Bühne und ist Profi. Es braucht Übung, Erfahrung, Erlebnisse. Grundsätzlich: Sich einfach nix scheissen. Wos soid scho passian?

Mai 2024
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

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Scheee – Text und Musik: Anna-Lena Obermoser / Produktion 1. Grazer Lesebühne

Anna-Lena Obermoser (*1996) ist Sozialarbeiterin und Spoken-Word-Poetin. Sie lebt in Graz. Gebürtig aus dem Oberpinzgau. Sie schreibt Texte und Songs im Dialekt. Mit markanter Stimme, Dynamik in der Performance, Energie, Ehrlichkeit, Pathos und verstecktem Witz.

Günther Pilarz
MEI LIABA SCHOLLI!

Ualaub! I hob fost scho glaubt, dos de Hockn vua Weihnochtn goa nimma aufheat. Unsa Oida hot an Tango gmocht wia no nie und so wos vo aupresst, na hawederi. Waunns wenigstns woam gwesn warad, sei Feia unta mein Hintan. Stottdessn hots nua ghaßn: Da Rohbau muass featig varoaht sei, bevuas Christkindl kummt. Kane Fensta auf da Baustö, dafia a festa Zopfn! Söbst aum Heisl woas voi huschi und de Kleweln woan ollawäu eigfruan. Domit is jetz Schluss! Desmoi sitzt mei Popsch ned auf ana tiafkühltn Klobrülln. Deamoi hob i eam in an Fliaga plaziat. In a poa Minutn is soweit, daunn is da Winta vuabei. Austräliaa, aim kaming! Glei siach i mein Spezl wieda, nauch dreißg Joah! Jetz oba schnö duachn Zoi. Kuatl, huhu! Seawas, du oide Hittn. Wo foah madn hi? Glei zu dia ham? Supi! Oba ans is ka Bemmal do da, eicha Mittogshitz kaunns uanlich. Waunns ned gach a koids Bia gibt, hauts mi aus de Bock. Wos? Es is east Siebane in da Fruah? Zmittog is no vü haaßa ois jetz? Marandjosef! Moch kan Schmäh heast. Hauptsoch, du drahst dei Klimaaunlog auf. Hä? Wengan Klimawaundl bleibts ogschoitn? Domit ned zvü Klumpat ausn Auspuff blost? Gott sei Daunk, mia san auf deina Ränsch. Oha, do steaht jo a deitscha Spruch iba da Tia – TRITT EIN BRING GLÜCK HEREIN – no des moch i glott. Oida, in deine via Wänd hots jo genauso a Offnhitz wia in deina Tschesn. Wos sogst? Des gheat zua eichan Mastaplan gengan Klimakollaps? Do gibts ka kuul daun? Is ned woa! Geh, gimma schnö a Hopfnkompott, i vaduascht. Nauchhea? Du host dei Sauna aufdraht? Wia in oide Zeitn? Und unsare Spiagleia mochst auf de haaßn Staana? Aha, Enagiespoan sogt ma dazua. Echt? Jo bist du Moped! Heast, waunnst ma ned auf da Stö a küühls Blondes vaeabst, kaunnst de Eia auf meina Glotzn mochn. Du, Kuatl, mia is heit ned nauch Schweißln. I hob ma des ibalegt, fiah mi zruck zum Äapoat, duat is klimatesiat. In Rest vaschiabn ma aufs nexte Moi. Daunn kummst du ume. Ah, i siach eam scho, in Flughofn. Woa leiwaund, dos ma uns wiedagsegn hobn. Oba jetz haßts auzahn, de dan scho eitscheckn. Bleib sauba und hoit de Uahn steif! Pfiati! Lossts des Gät offn, bin eh glei do! Hallooo! Woats auf mi, i wü mit! 

»Schatzi, woch auf! Du redsd im Schlof. Nix is mit Australien, du bist daham in deina Hapfn. I haß a ned Kuat, i bin dei Fraudi, de Isolde. Host mi? Und jetz ausse, aus de Fedan, sunst moch i da Fiaß!«


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Katharina J. Ferner im Interview

Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performern in Salzburg. Morgenschtean-Leser:innen kennen sie aus der Redaktion, die Mitarbeit bei Ö.D.A. hat sie motiviert, selbst im Dialekt zu schreiben. Derzeit schreibt sie als Writer in Residence in Lettland.

Katharina J. Ferner (Foto: Mark Daniel Prohaska)

Sprache und Sprachklang sind dir wichtig, nicht nur in deiner Lyrik, sondern auch in deiner Prosa. Du bezeichnest dich deswegen auch ganz bewusst nicht als Autorin, sondern als Poetin. Wann hast du die Lyrik für dich entdeckt – als Lesende und auch als Schreibende?

Allerdings, ich glaube jedoch auch dran, dass Sprache und ihr Klang in der Prosa wichtig sind. Mir ist es aber ein Anliegen, durch die Positionierung der Poesie zu bewusster Präsenz zu verhelfen. Gedichte haben mich schon seit der Schulzeit begleitet und interessiert. Ich denke da an Else Lasker-Schüler ebenso wie an Mascha Kaléko oder später Uljana Wolf. Geschrieben habe ich sie damals auch schon, aber ihre Eigenständigkeit haben sie vermutlich erst durch die Arbeit am ersten Lyrikband bekommen.

In einem Essay im Wespennest schreibst du, dass du durch deine Mitarbeit bei der Ö.D.A. und den Kontakt zu Dialektautor:innen auch selbst begonnen hast im Dialekt zu schreiben.

Wie kam das? Kannst du dich da noch an einen zündenden Moment erinnern bzw. an deine ersten Schreibversuche im Dialekt?

Einerseits setzt die ständige Beschäftigung mit verschiedenen Dialekten auf ganz natürliche Weise den Prozess in Gang, dass man die eigene Mehrsprachigkeit genauer unter Beobachtung stellt. Andererseits gab es konkrete Motivationen, wie das beständige Nachhaken von Andreas Plammer, wann ich denn nun einmal etwas im Dialekt schreiben würde. Das stetige Einhören durch die Lesereihe „Anno Dialekt Donnerstag“ und der Besuch unzähliger „Dritte Hand“-Konzerte haben mich auf dem Weg begleitet. Letztendlich wagte ich dann wohl durch die Methode der Gegenüberstellung von Dialekt und Hochdeutsch, wie es Michael Stavarič in seinem Gedichtband „in an schwoazzn kittl gwicklt“ macht, den entscheidenden Schritt.

Mittlerweile hast du neben zwei Romanen auch zwei Lyrikbände veröffentlicht. Im ersten mit dem Titel „Nur einmal Fliegenpilz zum Frühstück“ (Limbus 2019) spielt der Dialekt eine zentrale Rolle, aber auch in deinem zweiten Lyrikband „Krötentage“ (Limbus 2022) finden sich Dialektgedichte. Auch für die Salzburger Krone dichtest du in Hochdeutsch und im Dialekt. Wann entscheidest du dich für den Dialekt und wann für Hochsprache?

Für den Dialekt entscheide ich mich eher unbewusst, außer es ist im Vorhinein klar, dass es zwei Sprachversionen geben soll, wie in den Gedichten für die Salzburger Krone.

Viele junge bzw. neue Dialektautor:innen sehen es als große Herausforderung, den eigenen Dialekt in Schrift zu übersetzen. Wie ging es dir da am Anfang? Bzw. hast du Tipps für Autor:innen, die gerade im Dialekt zu schreiben beginnen, worauf sie achten sollen?

Bei der Verschriftlichung denke ich erst einmal daran, dass ich selbst das Geschriebene wieder lesen oder vorlesen können muss. Später erst achte ich auf Einheitlichkeit oder aber auf bewusste Brüche. Gerade bei häufigen Wörtern wie „oiwei“ oder „ollewei“ variiere ich je nachdem, zu wem ich gedanklich spreche. Außerdem ist handschriftliches Notieren für den Anfang wesentlich einfacher, einfach weil da kein automatisches Wörterbuch eingreift und man verschiedene Versionen schnell visualisieren kann. Möglicherweise bin ich da auch altmodisch.

Du reist gerne. Wie ist das denn, wenn du in Österreich, in der Schweiz oder in Deutschland unterwegs bist? Sind es auf deinen Reisen auch die Dialekte, die dich interessieren?

Ja, es ist eigentlich unwesentlich, in welchem Land ich unterwegs bin. Sprache interessiert mich, Dialekt insbesonders, weil es darin oft noch mal eine tiefere Ebene zu entdecken gibt.

Im Moment bist du gerade als Writer in Residence in Lettland. Wie geht es dir mit der lettischen Sprache? Wird etwas von ihrem Klang in deine Gedichte einfließen – oder ist dir diese Sprache dann doch zu fremd?

Lettisch kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch schwer durchschauen. Dass früher oder später irgendetwas davon in meine Gedichte einfließen wird, ist ziemlich wahrscheinlich.

Mai 2024
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner


Eva Lugbauer im Interview

Vor einem Jahr erschien Eva Lugbauers Dialektlyrikband »faschaun farena fagee« nicht nur als Buch, sondern auch – vertont vom Mostviertler Duo »zoat« – als CD.

Eva Lugbauer (Mitte) mit dem Duo »zoat« (li: Anna Großberger, re: Viktoria Hofmarcher) Foto: © Julia Wesely

Welche Dialekte haben dich geprägt und wo würdest du deinen Dialekt heute einordnen?

Geprägt hat mich das Mostviertlerische – ein Dialekt, den ich eigentlich nicht besonders schön finde, aber die Muttersprache kann man sich naturgemäß nicht aussuchen. Lautmalerisch hat er allerdings seine Reize und es gibt einzelne Wörter, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen sind. Dschamsdara, zum Beispiel, ein Liebhaber – kommt leider gar nicht vor in meinem Gedichtband. Oder hinich, kaputt. Auch sehr gut: baganschgal, leichte Schuhe. Nicht zu verwechseln mit dem bandschal, natürlich, der unverbindlichen Liebschaft. Das schlichte schiach ist kein schönes Wort an sich, aber es sagt so viel und kein hochdeutscher Ausdruck kann alle Facetten dieses Worts abdecken.

Dein Debütroman  »Und am Ende stehlen wir Zitronen« erschien 2018 im Wortreich Verlag,. vor einem Jahr kam dein erster Dialektlyrikband »faschaun farena fagee« in der Literaturedition NÖ heraus. Hast du immer auch schon Lyrik im Dialekt verfasst?

Nein, vor diesem Gedichtband habe ich überhaupt nichts im Dialekt geschrieben, auch keine SMS oder andere Nachrichten, die schreibe ich nach wie vor nicht im Dialekt. Dialekt war für mich zum Sprechen da. Alles hat in einem verzweifelten Moment begonnen: Mir ist nichts eingefallen, über das ich im sogenannten Hochdeutsch schreiben wollte – eine Blockade, wenn man so will. Also habe ich meine Gemütslage im Dialekt aufs Papier gefetzt. Das war das Samenkorn und die Pflanze ist dann gewuchert.

Wann entscheidest du dich für den Dialekt und wann für Hochsprache?

Nach Gefühl und durch Experimentieren. Jedes neue Werk verlangt nach einer neuen Sprache. Die zu finden ist nicht immer einfach, auch Hochdeutsch hat ja viele Sounds und es braucht manchmal Zeit, bis ich den richtigen finde. 

Du arbeitest seit Jahren mit dem Duo »zoat« zusammen, die deine Texte vertonen.Wie hat sich diese Zusammenarbeit ergeben?

Wir haben uns zufällig bei einem Auftritt kennen gelernt. Die gemeinsame Arbeit und die Zeit, die wir zu dritt verbracht haben, um an der Musik und der Performance zu feilen, habe ich sehr genossen. Als Autorin arbeitet man ja sonst oft alleine in der Schreibstube. Hier die Köpfe von drei Künstlerinnen zu verbinden und gemeinsam an einem Werk zu schaffen, war sehr inspirierend und schön.

Morgenschtean-Abonnent:innen haben den Schaffensprozess deines neuen Lyrikbandes ein wenig mitbegleiten dürfen, bereits 2021 gab es erste Kostproben daraus zu lesen. Wie lange hast du an den Gedichten insgesamt gearbeitet? 

Am Anfang sind ein paar Gedichte sehr schnell rausgesprudelt, daraus hat sich das Konzept ergeben. Beim Rest war es, als wäre alles schon da, und ich muss es nur noch freilegen. Das ist schnell gegangen, war in wenigen Wochen getan. Die Feinarbeit, das Abschleifen, Feilen an den Worten und das Anordnen der Gedichte hat dann noch etwas länger gedauert.

Gibt es Dialektliteratur (oder auch -musik), die dich besonders anspricht – oder liegen auf deinem Nachtkästchen hauptsächlich Werke in Standardsprache?

Im Dialekt kann man mehr die Sau rauslassen. Das macht Dialektliteratur aber auch anfällig dafür, zu ordinär oder zu emotional zu werden. Hier das richtige Maß zu finden, ist eine Herausforderung und es gibt nicht viel Dialektliteratur, die ich wirklich gut finde. Aber, wenn ich einen Namen nennen soll, dann H.C. Artmann. Seine Dialektgedichte sind kleine Meisterwerke. Sie liegen zwar meistens nicht auf meinem Nachtkästchen, haben aber einen fixen Platz im Bücherregal.

Du gibst auch Workshops für Dialektlyrik. Welchen Ratschlag würdest du jungen Autor:innen mit auf den Weg geben, die im Dialekt schreiben möchten, aber es noch nie versucht haben?

Egal ob im Dialekt oder nicht im Dialekt: Folg der Lust. Fühl den Sog. Und schreib. Selbstzensur kommt später.

Mai 2024
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

Eva Lugbauer:
FASCHAUN FARENA FAGEE
Dialektlyrik,
mit Illustrationen von Katharina Zenger
Literaturedition NÖ, 2023
ISBN: 978-3-902717-69-6
192 S. | € 24,00

Die CD »faschaun farena fagee« – unterlegt mit Melodien des Mostviertler Ensembles »zoat « ist bei der Volkskultur Niederösterreich erschienen. Eine Leseprobe sowie einen QR-Code zur Hörprobe finden Sie in unserer 👉 aktuellen Ausgabe.


Christine Tippelreiter im Interview

Die Mostviertler Lyrikerin Christine Tippelreiter im Interview

Du bist in Melk geboren und im Mostviertel aufgewachsen. Wann hast du im Dialekt zu schreiben begonnen und warum?

Ich habe 1985 in Schriftsprache zu schreiben begonnen. Meinen Bekannten hat das gefallen und sie haben zu mir gesagt: »Schreib auch was in Mundart, wir wollen wissen, wie sich das bei dir anhört.« Mit meinem ersten Mundartgedicht »A guade Nochd« bin ich 1990 in OÖ. die Siegerin beim Wandl-Preis geworden. 

Deine Dialektlyrik ist kurz und prägnant, vor allem aber sprachverspielt. Gab es da Vorbilder bzw. Werke, die dich beeinflusst haben?

Ich habe viele Jahre nach meinem eigenen Stil gesucht, weil mir die üblichen gereimten Mundartgedichte nicht gefallen haben. Was ich suche, ist meine eigene Kreativität. Das Spiel mit der Sprache macht mir einfach Freude und Spaß, weil ich die Sprache liebe. 

In deinem neuen Lyrikband »fliagn kinna« geht es in vielen Gedichten darum, selbstbewusst durchs Leben zu gehen, nicht immer das zu tun, was andere von einem verlangen. Ist diese Thematik immer schon Motor deines Schreibens gewesen?

Mit 30 habe ich beschlossen: »ich will ich sein – lebenslang unterwegs auf der Suche nach mir selbst.« So hat mein erstes Gedicht gelautet, das mir wirklich gefallen hat, und ich habe gedacht: Das soll mein Schreibstil sein. In Mundart habe ich geschrieben: »scho mei gaunz Lebm laung suach i, owa hiazt woaßes, i suach mi«.

Du schreibst auch von der Kriegsgeneration – über das Grauen, das damals viele hinuntergeschluckt haben. Derzeit tobt wieder ein Krieg in Europa, auch die Bilder aus dem Gazastreifen lassen nicht kalt.

Ich erteile mir zeitweise Nachrichtenverbot, weil ich die Neuigkeiten aus den Kriegsgebieten nicht aushalte. Ich bin sprachlos, wütend und ohnmächtig. Viele haben im 2. Weltkrieg ihre Söhne verloren. Wenn ich denke, dass mein Sohn und mein Enkel in den Krieg ziehen müssten, ich würde verrückt werden.

Du hältst Momente nicht nur in Gedichten fest, sondern fotografierst auch. Von deinen Motiven kann man sich in deinen Gedichtbänden ein Bild machen, es gab aber auch schon Ausstellungen. Wann entscheidest du dich für die Kamera und wann für den Stift? 

Mit der Kamera bin ich tagsüber unterwegs. Meine Freundin sagt oft: »Was du alles siehst!« Dichten kann ich besser in der Nacht, da gibt es keine störenden Geräusche, kein Telefonläuten, keinen überraschenden Besuch, etc. Ich bin nachts empfindsamer und blicke nach innen, das Erlebte verdichtet sich dann. Vieles hätte ich nicht geschrieben, wenn ich nicht nachtaktiv wäre. 

Mir gefällt auch das Kleid deines neuen Gedichtbands, das kräftige Rot auf dem weißen Hintergrund. Die Neugier hat mich ins Impressum blicken lassen, wo ich festgestellt habe, dass die Künstlerin des Titelbildes »Brennende Rose« mit dir verwandt ist, oder?

Die brennende Rose ist von meiner Enkelin Selina gemalt, sie war damals vier Jahre alt. Ich mag es, wenn Kinder noch nicht gegenständlich zeichnen können, sie malen aus ihrem Innersten. Die Schneefrau auf der Rückseite ist eine Zeichnung meiner Tochter Manuela, als sie ungefähr genauso alt war. Die Mundart soll an unsere Kinder und Enkel weitergegeben werden, deshalb habe ich die Werke ausgewählt. 

Du bist Leiterin und Gründerin der Autorengruppe »Schriftzug 3250« sowie stellvertretende Vorsitzende der Ö.D.A. In deiner Region hast du schon viele Lesungen initiiert, auch Workshops an Schulen hast du schon abgehalten. Wie wichtig ist dir der Austausch in der Region – anderen Autor:innen, mit der Jugend und auch anderen Kunstschaffenden? 

In der Dichtkunst gibt es kein Alter, nur eine Reife der Persönlichkeit. Beim »Schriftzug 3250« ist eine 80jährige, sie schreibt kraftvoll und ausdrucksstark. Dann wieder schreiben Jugendliche bei meinen Workshops mit einer Lebensweisheit, die mich staunen lässt. Ich habe in Deutschland, Südtirol und in jedem Bundesland in Österreich gelesen. Meine Mostviertler Mundart versteht man überall, ich frage immer bei den Zuhörer:innen nach.

Der Austausch mit Kunstschaffenden ist sehr bereichernd für mich. Ich besuche gerne Gemäldeausstellungen und fahre z.B. nach Wien, Linz oder Salzburg. Vor einiger Zeit wollte ich eine Lesung mit einer Komponistin veranstalten, leider musste unser Auftritt wegen Corona abgesagt werden. Wir werden das aber sicher nachholen.  

Mai 2024
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

🎧 Harald Letonja
„koid, wäama, haaß!“

Harald Letonja
des woa da summa

di sunn üüwa da adria 
taucht unta in italien
da summa mocht si auf
zua nochtschicht in australien

des san di tog, des is da summa
und dea is goa net schlecht
füü schtund mit freid und one kumma
des mit uns zwaa deis wea ma recht

da koite winta hot uns hoat gmocht
mia san fost  festgfruan auf di sitz
daun hot di sun doch nou ums eck glocht
die hitz is kuman wii a blitz

mia zwaa hom gmeakt es passt ois zauman
ebbe und flut hom bei uns gwount
di büda hom jetz neie nauman
fiad nocht di sunn fian tog da mond

des woan di tog, des woa da summa
und dea woa goa net schlecht
füü schtund mit freid und oone kumma
des mit uns zwaa deis woa ma recht

mit soizign wossa füüst a floschn
dei poksts guat ein und nimmst mit haam
damit wiast du mi üwaroschn
draus mochst du eiswiafl dahaam

und wenns im winta zu laung koit bleibt
nimmst du zwaa fun di wiafl hea
wenn in die glasln daun di flut schteigt
daun is glei ois net mea sou schwea

des woan di tog des woa da summa
und dea woa goa net schlecht
füü schtund mit freid und one kumma
des mit uns zwaa deis is ma recht

Text vom Autor vorlesen lassen


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Woska, Angelika

Angelika Woska

Geboren 1971 in Mödling, aufgewachsen in Baden bei Wien. Schreibt seit Jahrzehnten kleine Gedichte und Liedertexte für den Privatgebrauch.Songtexter-Workshops bei Heli Deinboek, Stefan Slupetzky und Jimmy Schlager. Veröffentlichungen in DUM-Dialektausgaben. Lebt mit Mann und Tochter in Baden, arbeitet als Bilanzbuchhalterin und Personalverrechnerin in einer Steuerberatungskanzlei in Sooß bei Baden.

zuletzt aktualisiert 2024

Literarische Beiträge von Angelika Woska finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2024

Jetschko, B.

B. Jetschko

Lebt und schreibt in Wien. Lebensmittelpunkt war die Stadt schon früh, wobei die Kindheit vor den Toren der Stadt einen starken NÖ-Einfluss hinterlassen hat, aber leider wenig Dialekt. Die Mundart musste sich beim Heranwachsen erst stückchenweise erarbeitet werden.

B. Jetschko schreibt Kurzgeschichten und Drehbücher in Dialekt und Hochdeutsch. Mehr auf: b-jetschko.at

(aktualisiert im April 2023)





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Christine Neureiter-Schlack
KIMM MIT, IH ZOAG DA WAS!

Christine Neureiter-Schlack
KIMM MIT, IH ZOAG DA WAS!

Zwischn Kalifornien und Hawaii
da soll a grouße Insel sei.
Mechst mit mia amoi da hin?

Waa unvergesslich, ah für dih!
Wearst hiazt sagn: 
»Was soll dö Frag!
Sicher, is doh beste Lag!«
Guat, ih zoag dir was, kimm mit
schau, wos d Insel oaissi biet:

Grouß wia viermal s deutsche Land.
Plastikfloschn – ohne Pfand,
Zehn Meta tiaf türmt sih da Müll,
s Klima dort is mächtig schwül,
Neylonsackerl, Sisalschnia,
dö bsundre Roas vagessats nia.

Mittn draußt am Ozeo,
wachst an neuche Insel an,
halt gewiss a poor hundert Joahr,
des Lem im Meer wird friara goa!


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Praxmarer, Angelika

© Angelika Praxmarer, priv.

Angelika Praxmarer

1956 im Gasthaus mit Bauernhof in Stillebach im Pitztal geboren und dort mit sechs Geschwistern und vielen Gästen aufgewachsen. Neugier und Phantasie wurden die Auswege aus der Enge des Tales, Schulbildung in Internaten war auf jeden Fall bestimmend für ihre Sicht von Menschen und Welt. Als Lehrerin wollte sie immer schon arbeiten und fand bis zu ihrer Pensionierung in den Fächern Deutsch, Geschichte und Religion Erfüllung und Spannung. Als Mutter von vier Kindern, Großmutter und Frau des Dorfschmieds waren ihr Frauen-, Dorf- und Naturthemen wichtig geworden. Das Schreiben entwickelte sich von Gelegenheits-Texten zur Kurzprosa und lyrischen Texten in Dialekt und Schriftsprache. In der Sprache ihrer Kindheit, dem Pitztaler Dialekt, findet sie wesentlichen Ausdruck. Politische Betrachtungen in gereimter rhythmischer Form ergeben spannende Wortspielereien.

zuletzt aktualisiert 2024

Literarische Beiträge von Angelika Praxmarer finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U40-41 / 2014

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Saml, Ralph

Ralph Saml

Wiener. Schauspieler und Trauerredner. 
Verheiratet, 2 Söhne.
5 Katzen halten die Familie auf Trab.
Hobbies: Schreiben, Laufen, Streetfotografrie, Schnitzen, Objektkunst.

zuletzt aktualisiert 2024

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Mara Original
KLIMASCHNITZL

Mara Original KLIMASCHNITZL

Mol haß, mol kolt, mol is es windig,
Des Klima is a bissl schwindlig.
Waß nit genau, wos es hetz wüll,
Mia is dos Wechsln anfoch zvül.

Is ka Faloss auf Johreszeitn, 
Im Mai konnst auf kan Berg mehr steign,
Weil Schnee no liegt, an Meta goa,
Bold brauch ma ’s Haubal ’s gonze Joah.

Konnst im Oktoba bodn gehn,
Des Wetta is duat echt vui schen.
De Sun de locht, a Summabriesn
Straft drüba, üba unsre Wiesn.

Es wochst des Gros, es blian de Bam,
Man fühlt sich glei als wia daham.
Oba richtig konn des olls net sein, 
De an a Pech, de ondan an Reim.

Mol frostets uns de Ernte weg, 
Da Hogl schlogt des Korn in Dreck,
Donn geht a Fluss mol wieda üba, 
De Nochrichtn volla Karastrophnbülda.

A Erdrutsch und a Murobgong,
De Kirchn mitn Chorgesong, 
Singt um de Opfa der Lawine,
Vom Obgong auf de Burgruine. 

Wenn wia nit schaugn, weats passian,
Des Klima weat uns hea panian,
Als wie a Schnitzl in da Fetten, 
weichgeklopft, nit zum darettn. 


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Karin Seidner:
„koid, wäama, haaß!“

Karin Seidner

Kennts ned zfuaß gehn?
Oda radln?
Iba d’ Haisa
Dziagn mid d’ Öffis?

Woam – wäama – haaß, des woa amoi a Kindaspü
Äwig hea
Abracadabra hüft a nix mea
Miassn was tuan
Ans und ans zomzön

Hauruck und zomhöfn
Applaudiern allanich is ned gnua
Anstrengan hoid a bissl
Schmäh ohne
S is fünf vua zwöfe


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Thurner, Brigitte

Brigitte Thurner

*1963
verheiratet, mutter von vier kindern, lebt in Imst
mitglied der oberländer literaturplattform „wortraum“
lesungen im rahmen der kunststraße Imst
mitautorin von „Reifes Korn keimt aufs Neue“
veröffentlichungen in den österreichischen literaturzeitschriften „DUM“, Morgenschtean und etcetera

Literarische Beiträge von Brigitte Thurner finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2024
U86–87/2025

Marina Kircher
DÅ WERD MA HA:AS

Ålso i håb mein persönlichn Klimawåndl schon hinta mia. Wår nit so schlimm – für mi hålt. Wias für di åndan woar, kånn i nit så:gn. Åba es redn no ålle mit mia.
Åba hiatz is Muatta Erdn im Klimawondl und mia samma schuld. Wemma mia nua a bisale weniga umafliagn tatn und a bisale weniga hatzn tatn, war guat, så:gn se. 
Då werd ma ha:s!
Freilich sollt ma ålle mitanond nit går aso wiastn. 
Mias ma wirklich ålles hå:bn, wås åndare hå:bn?
Mias ma wirklich ålles tuan, wås åndare tuan?
De Klimaleugna håbn jå a recht, wenn se så:gn, des werma nit ändan kennan, solång de Industrie und de Wöltmächte und Großkonzerne sovü:l Dreck må:chn in da Luft. Do werma mia på:r Östareicha di Wölt nit rettn. 
Klimawåndl håts ållweil schon gebn, Gletscha sand fri:ra a schon gschmolzn. Des si:gt ma, wenn do hiatz Bama und Hinige, wia da Ötzi, ausa a:pan aus:m Eis. 
Und vüle så:gn, wånns wärma werd, brauchnd se weniga hatzn und weniga in Urlaub fliagn, weil do ises ba uns a sche:n wårm.
Då werd ma ha:s!
Freili håbts es recht, åba den letztn Klimawåndl, de Muatta Erdn ghobt håt, håben anige Årtn nit ibalebt. Und seima uns ehrlich, mia Menschn seind a nit sehr ånpassungsfähig. Freilich kånn i aufs Schneeschaufln gern va:zichtn, aufs Eiskråtzn am Auto a. Åba i mechat nit umanondla:fn bei uns, wånn de Luft voll is mit Insektn, so groß wia Taubn, da Gårtn volla Wualtschker, riesige Å:masn und giftige Beißwürm. Auf de Berg aufesteign brauchst dånn a neamma, weil de ke:mman oba ins Tål. 
Ållweil Bådewetta manst? Wo werst denn noachand bådn gehen, wånn da See lei mehr a dreckate, lauwårme Låkn is und da Båch a neama rinnt?
Oba i vasteh de Leit, wånn se så:gn: mia ke:mma nix dagegn tuan. Weil de, wås eps tuan khe:ntn, de:nnan is es wuarscht. Solang de a Geld vadi:nan und guat vaka:fn, wånn se Pickalan auf se:nane Såchn klebn: »klimafreundlich produziert« »klimaneutral« und åndare Augenauswischatexte. Und ålle derwegn no des blede Plastikgschreapach und de teppatn Stromfressa ka:fn.
Då werd ma ha:s! 


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Elfi Neubauer-Theis
BLOSS EN VERGLEICH

Elfi Neubauer-Theis
BLOSS EN VERGLEICH

Wonn so e klons Vieh
sich abmecht un rumwälzt
weil en sei Fell juckt
des arm Vieh en schlimme Ausschlag hot
’s  kratzt sich dabbich
un schleckt un butzt
un beißt sich selwer
un’ s grummelt un grunzt un werd gonz bees
un donn kummt aa noch en Omer Wasser
un en Tritt, dass es grad so durch d’ Gegend fliegt
des arm Vieh …
Stell dir vor: des Vieh isch die Erd
un de Mensch sei Krätz.


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Traude Veran zum 90. Geburtstag

Traude Veran, Foto: © Sabine Gruber

ein Porträt von Margarita Puntigam-Kinstner

Ein Schreibtisch mit einem riesigen Bildschirm – das ist das Erste, was ins Auge sticht, wenn man das Zimmer von Traude Veran betritt. Im Jänner hat die Schriftstellerin ihren neunzigsten Geburtstag gefeiert, jetzt besuche ich sie in ihrer freundlichen kleinen Wohnung im Seniorenwohnheim auf der Wieden. 
Eine prachtvoll blühende Orchidee am Fenster, auf dem Bett liegt schon das Plakat für die Literaturvitrine bereit, die Veran gemeinsam mit einer anderen Bewohnerin jede Woche neu gestaltet. 
»Ich schaue, dass am Abend immer alles bereitliegt«, verrät mir die Autorin schmunzelnd. »In meinem Alter weiß man ja nie, was der nächste Tag bringt.«

Wir nehmen an einem Tisch Platz, auf dem eine elegante schwarze Teekanne bereitsteht. Verans Hände zittern ein wenig, als sie mir vom Tee einschenkt. Dass sie ihre zweite Leidenschaft, das Fotografieren, leider aufgeben musste, erzählt sie mir.
»Für meine Lichtbildvorträge suche ich mir das Material jetzt meist aus der Bücherei zusammen. Die hat ja zum Glück viel zu bieten.«
Manchmal gestaltet Veran noch einen solchen Vortrag – für ihre Mitbewohner:innen und andere Interessierte. Im Haus Wieden freut man sich über ihr Engagement.
»Dass ich mich gern mit dem Grätzl, in dem ich lebe, auseinandersetze, hat begonnen, als ich noch im Haus Rossau in der Seegasse gewohnt habe. Dort habe ich von meinem Fenster aus direkt auf den jüdischen Friedhof geblickt. Ich wollte damals unbedingt mehr über seine Geschichte herausfinden.«
Aus Verans privaten Recherchen wurde schließlich ein Buch. »Das steinerne Archiv – Der Wiener jüdische Friedhof in der Rossau« [1] erschien erstmals 2002 im Mandelbaum Verlag, vier Jahre später folgte die überarbeitete Zweitauflage. 

Auf beinahe dreißig literarische Veröffentlichungen kann Veran zurückblicken, außerdem auf zahlreiche Fachpublikationen, Sachbücher und Übersetzungen. Breitet man ihre Bücher auf einem großen Teppich aus, so wie ich das gestern getan habe, fällt sofort die Vielfältigkeit und auch die Experimentierfreudigkeit der Autorin auf. Mein Koffer ist mittlerweile ziemlich schwer – zu Hause in Graz will ich mich nämlich näher mit Verans Werk befassen. Heute jedoch möchte ich Traude Veran persönlich kennenlernen. Es ist nicht nur die Schriftstellerin, die mich interessiert, sondern auch die Psychologin und Sprachwissenschaftlerin, die für zwei Errungenschaften verantwortlich war, die mein eigenes Berufsleben als Pädagogin geprägt haben. Erstens: Das Integrationsgesetz für Schulen aus dem Jahr 1993, an dem sie federführend mitwirkte. Zweitens: Die Rechtschreibreform, die 1996 in ihrer ersten Form umgesetzt wurde, und bei deren Einführung sie sich beteiligte.

Die Kraft der Worte

Wenn du 1934 als Mädchen zur Welt kommst, ist dein Weg so gut wie vorgezeichnet. Deine gesamte Erziehung dient nur einem Zweck: Du sollst einen braven Mann finden, am besten eine gute Partie. Traude Verans Kindheitsjahre fielen in die Jahre der Nazi-Ideologie. Der große, der abscheuliche Krieg, der die Welt entmenschlichte. Vielleicht, denke ich, waren die fiktiven Geschichten ein bisschen wie ein unbeobachteter Schlupfwinkel, in den sich die kleine Traude zurückzog. 
Doch das Mädchen behält seine Phantasie nicht für sich, es lässt die anderen Kinder teilhaben.
»Die Stimmung in den Luftschutzkellern war eine sehr bedrückende. Jeder hatte Angst und die Kleinen haben natürlich viel geweint. Meine Geschichten haben die Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt. Die Kinder sind an meinen Lippen gehangen, dafür waren mir die Mütter dankbar. Ich weiß nicht, ob den Erwachsenen meine Geschichten genauso gut gefielen wie den Kindern, aber sie haben mir aufmerksam zugehört. Vielleicht wollten sie aber auch einfach nur sichergehen, dass ich keinen Blödsinn erzähle«, erinnert sich Veran lächelnd.

Traude Veran (geb. Gertraud Kotrc) und ihre Mutter sind auf der Flucht vor den Bomben. Von Wien geht es zuerst nach Vießling in der Wachau und dann nach Krems, anschließend flüchten die beiden weiter nach St. Johann/Pongau.
Das erste Gedicht, an das sie sich erinnert? 
»Das entstand während ich auf einem Lastwagen saß, auf unserer Flucht, mit den Tieffliegern im Rücken. Ein Gedicht über einen blühenden Apfelbaum war das. Ein schönes Gedicht eigentlich. Das war wohl der Selbsterhaltungstrieb.«

Vielleicht hatte die Flucht am Ende etwas Gutes. Zwar habe sie sich anfangs in der Hauptschule in St. Johann furchtbar gelangweilt, da ihre Klasse in Wien schon wesentlich weiter gewesen sei, im Gegensatz zu ihrer Mutter habe die Schwester ihres Vaters ihr Talent jedoch erkannt. Ihre finanziellen Zuwendungen und ihr Zuspruch ermöglichten es schließlich, dass Veran die Ausbildung zur Sozialarbeiterin machen konnte. 

Im Dienste der Benachteiligten

Nach ihrem Abschluss mit Diplom bewirbt sich die junge Sozialarbeiterin bei der Kriminalpolizei. »Ich wollte Polizeifürsorgerin werden, aber ich war um zwei Zentimeter zu klein für den Polizeidienst. Dass ich auch anderswo keine freie Stelle gefunden habe, hat schließlich dazu geführt, dass ich begonnen habe, Psychologie zu studieren. Das war ja eigentlich gar nicht so geplant.«
Während des Studiums arbeitet Veran im psychologischen Labor einer Psychiatrie sowie auch, zwei Jahre lang, in der Privatpraxis einer Kinderpsychologin, wo sie die Arbeit mit legasthenischen Kindern kennenlernt.
»Dort gefiel es mir sehr. Für meine Dissertation musste ich zu Forschungszwecken allerdings wieder zurück in den psychiatrischen Bereich. Unter anderem habe ich auch in Steinhof geforscht, und zwar mit Schlaganfallpatient:innen, deren Sprachzentrum so beeinträchtigt war, dass man sie auf den ersten Blick für minderbegabt gehalten hätte. Wenn man sich aber Zeit nahm, war offensichtlich, dass sie intelligent waren und sich nur nicht artikulieren konnten.«

Diese Erfahrungen prägen die Studentin. Fortan wird sich Traude Veran für Menschen einsetzen, denen aufgrund einer Beeinträchtigung jene Chancen verwehrt bleiben, die für andere selbstverständlich sind. 
Doch ganz so geradlinig ist ihr Berufsweg nicht.
»Nach meiner Promotion kam ich in einem Industriebetrieb unter. An und für sich hätte ich dort als Unterstützung des Prokuristen tätig sein sollen, es stellte sich aber bald heraus, dass ich die Allerletzte der Schreibkräfte war.« Veran schmunzelt. »Wahrscheinlich hatte man ein bisschen Angst vor meinem Doktortitel. Mein Mann und ich haben dann beschlossen, dass jetzt vielleicht die passende Zeit für mich sei, Mutter zu werden.«

Traude Verans Berufslaufbahn – sie ist ein Flickenteppich, wie der vieler Frauen ihrer Generation. Kaum wo angekommen, musste sie auch schon wieder aufhören.
»Ich hatte ja bald zwei Kinder und dann noch zwei Großmütter sowie eine Urgroßmutter zu umsorgen, auch mein Mann brauchte mich sehr«, erinnert sie sich. 

Veran (verh. Gertraud Schleichert) lebt mit ihrem Mann zehn Jahre in Deutschland. In dieser Zeit ist sie unter anderem auch Lehrbeauftragte an der Universität Konstanz.
»Nach meiner Scheidung habe ich abermals nach einer Stelle gesucht, in Deutschland jedoch keine gefunden. Also habe ich geschaut, was es in Österreich für mich gibt.«
Die Leitung der Pädagogischen Akademie in  St. Pölten habe sie damals besonders interessiert. »Ich hätte die Stelle wohl auch bekommen, aber letztendlich scheiterte meine Bewerbung daran, dass ich kein Zeugnis darüber ablegen konnte, ein Instrument zu beherrschen. Und mein Klavierspiel lag damals ja auch schon 20 Jahre zurück.«

Veran schenkt uns beiden vom Tee nach und erzählt mir von ihrer ersten Zeit im Burgenland. 
»Damals haben sie Schulpsychologinnen gesucht. Im Waldviertel, in Vorarlberg und im Burgenland waren Stellen ausgeschrieben. Vorarlberg hätte mich durchaus gereizt, aber das Schifahren konnte ich mir als alleinerziehende Mutter nicht mehr leisten, und ohne den Schisport macht Vorarlberg doch irgendwie keinen Sinn. Im Waldviertel wiederum war es mir zu kalt.« Sie lacht. »Ich hätte mich auch für das Nordburgenland entscheiden können, aber ich habe mich sofort ins Südburgenland verliebt.«

Ein Neuanfang als Schulpsychologin also. In Oberwart, im Jahr 1976.
»Die Kollegin an meiner Seite war damals noch Berufsanfängerin. Das war mein großes Glück. Erstens sah sie die Dinge schon ein bisschen anders, und zweitens brachte sie den Enthusiasmus einer Anfängerin mit. Wir waren ja nur zu zweit, ich bekam damals noch den Bezirk Jennersdorf dazu, meine Kollegin Güssing.«
Die Idee, eine Integrationsklasse zu starten, habe dann bei einem Pfarrfest ihren Anfang genommen.
»Auf besagtem Fest lernte ich die Sonderpädagogin Brigitte Leimstättner kennen. Ihr Freund war der burgenländische Schriftsteller Peter Wagner. Mit den beiden entstand schließlich eine Freundschaft fürs Leben. Jedenfalls haben wir uns auf diesem Pfarrfest über die Integration von behinderten Kindern in Regelschulen unterhalten, diese Klassen gab es in anderen Ländern ja schon. Und dann ergab sich schnell der Wunsch, sich das genauer anzuschauen und auch etwas in diese Richtung zu wagen.«
Freilich, die Eltern der betroffenen Kinder habe man schnell für die Idee gewinnen können. Aber die anderen überzeugen? Das war in Oberwart Anfang der 1980er-Jahre eine Herausforderung.
»Selbst ich galt damals nicht als ›normale‹ Mutter. Ich war geschieden; während meine Tochter bei mir lebte, ist mein 15-jähriger Sohn in Deutschland geblieben. Das haben damals viele nicht verstanden. Eine unserer Mitstreiterinnen wiederum war mit einem Nordafrikaner verheiratet. Andere Sprachen war man im Burgenland gewohnt, aber es ging doch immer auch darum, woher man kam.«

Wie schafft man es gegen alle Vorbehalte der Menschen und der Politik, die erste Integrationsklasse zu eröffnen – und am Ende sogar dafür zu sorgen, dass ein Gesetz verabschiedet wird?
Traude Veran lächelt verschmitzt. »Wir haben damals einen Schulversuch ausgearbeitet. Anfangs noch sehr laienhaft, haben uns selbst mit unseren Vornamen vorgestellt. Neun Mal mussten wir den Plan insgesamt umschreiben, wobei man wissen muss, dass wir das Papier am Ende immer wegen Formfehlern zurückbekamen. Irgendwie hatten wir da schon das Gefühl: Man will das einfach nicht haben. Zum Glück war der damalige burgenländische Landeshauptmann sehr offen für neue Ideen. Und unsere Idee empfand er als besonders merkwürdig. Also hat er sich das angeschaut. Nachdem er z.B. ein hörbehindertes Kind kennen gelernt hatte, das obendrein als verhaltensauffällig galt, war er überzeugt. Also hat er sich für unsere Idee stark gemacht.«

Von der ersten Integrationsklasse bis zur Rechtschreibreform

1984 wurde in Oberwart die erste Integrationsklasse eröffnet. An dem Projekt beteiligten sich insgesamt zwei Psychologinnen, zwei Lehrerinnen sowie eine Physiotherapeutin. Und natürlich die Kinder und ihre Eltern. 
Bereits 1985 fand dann das erste Symposium statt, mit insgesamt 300 Besucher:innen.
»Das haben eine Wirtin und eine Servierkraft für uns organisiert. Vor allem die Servierkraft muss ich hier erwähnen, sie hatte es nie leicht im Ort, war obendrein mit einem Afrikaner verheiratet. Da begegneten ihr allerlei Vorurteile, und ein behindertes Kind hatte sie dann auch noch. Die Organisation des Symposiums hat ihr Aufwind gegeben, sie hat sich richtig reingehängt, kommuniziert, Quartiere gebucht … Später dann führte sie mit ihrem Mann sehr erfolgreich eine Disco.«
Bis zur Umsetzung des Integrationsgesetzes sollte es  allerdings noch dauern. 
»Das Problem war ja vor allem, dass zu dieser Zeit die Unterrichtsminister ständig gewechselt haben. Kaum waren wir mit jemandem in guten Gesprächen, war er oder sie auch schon wieder weg«, erinnert sich Veran.

1993 war es dann endlich soweit. Die schulische Integration im Grund- und Sekundarschulbereich wurde gesetzlich verankert. Zwei Jahre später begann ich selbst als junge, noch auszubildende Pädagogin in einem Wiener Kindergarten zu arbeiten. Die erste Gruppe, in der ich mitarbeitete, war bereits »integrativ geführt«. 1995 fühlte sich das für mich an, als hätte es das immer schon gegeben. Dabei war es damals noch nicht einmal üblich, Kinder unterschiedlichen Alters in ein und derselben Gruppe unterzubringen. Viereinhalb Jahre später, Anfang 2000, wechselte ich in den Volksschulhort. Mittlerweile waren Integrationsgruppen der Standard. Was jetzt neu für mich dazukam: Um den Kindern bei ihren Hausübungen helfen zu können, brauchte ich wieder den Duden. Die große Rechtschreibreform, die 1996 eingeführt wurde – auch an ihr hat Traude Veran einsatzfreudig, aber leider ohne große Gestaltungsmöglichkeiten, mitgewirkt.
»Meine Zeit im Burgenland endete, als meine Mutter an Demenz erkrankte. Irgendwann war klar, dass ich sie nicht mehr so lange allein lassen konnte, also musste ich zurück nach Wien«, erinnert sich Veran.

Wieder eine neue Station – und wieder wird Veran ihre Fußabdrücke hinterlassen. Eine zufällige Begegnung mit Prof. Ernst Pacolt und ihre Frage, wie es denn mit der Rechtschreibreform vorangehe, bewirkte, dass man sie selbst mit ins Boot holte. 
»Ich hatte durch mein Studium der Sprachpsychologie und Linguistik ja eine Ahnung von der Materie, und durch meine Arbeit mit Kindern, die eine Rechtschreibschwäche hatten, konnte ich auch den praktischen Aspekt gut einschätzen.«
Heute meint Veran schmunzelnd: »Hätte es die DDR damals noch länger gegeben, wäre die Reform wahrscheinlich schneller durchgesetzt worden. In der Schweiz und in der DDR war man der Reform gegenüber nämlich am meisten aufgeschlossen.«

Die Literatur der Traude Veran

Kann man die Schriftstellerin von der Psychologin und Sprachwissenschaftlerin trennen?
Jedes Werk sollte natürlich auch immer für sich stehen dürfen – ohne dass Lesende sich mit der Biografie der Verfasserin auseinandersetzen müssen. Verans Gedichte sind selbsterklärend. Da gibt es die »Pendlerlieder«[2], die in jener Zeit entstanden, als Traude Veran im Burgenland arbeitete. 2005 erschien »Gras gesät auf den Asphalt. Gedichte aus dem Berufsleben«[3]. »Das war dann schon zu einer Zeit, als mir ein bisschen die Luft ausging«, gesteht Veran.
Dazwischen veröffentlicht sie unter anderem Gedichte über die Liebe (»Efeublüten«[4]), Gedichte aus Namensanagrammen (»Letternfilter«[5]) oder auch Collagen aus der Tageszeitung »Der Standard« (»standART«[6]). 1997 erscheint »So gern ich Wien hab – an sich«[7], ein Jahr später folgt »Vertrackte Kontakte. Limericks aus Wien«[8]. Beide Bände, die von Hermann Serient illustriert wurden, sind ein wunderbar sprachverspielter, aber auch sozialkritischer Streifzug in das Wien am Ende des vorigen Jahrtausends. 
Anfang der 1990er-Jahre gründet Veran gemeinsam mit Petra Sela die Edition Doppelpunkt, in dieser Zeit entstehen auch erste literarische Einzelpublikationen. 

Verans Sprache wird selbst im Dialekt niemals wirklich derb. »gee nebm mia und sei schdüü / i biddi sog nix / ollaweu de rederei / gee nebm mia üwad schdrossn /und schau ob ka auto kummd / und hoidmi zuck waun ans kummd« beginnt eines ihrer Gedichte in »So gern ich Wien hab – an sich«. 
Es sind Gedichte, deren Inhalt sich erst nach und nach entfaltet – man weiß nicht immer gleich, was die nächste Zeile bringen wird. Da geht es etwa um die Angst, fortgeschickt zu werden. Um die Einsamkeit, wenn man nach Hause kommt und über die Patschen fliegt, die einem am Morgen von den Füßen gerutscht sind. Aber auch um die Wiener Gassennamen geht es, und auch politische Gedichte finden sich in dem Band, der nicht nur neue, sondern auch die älteren Texte von Veran zusammenfasst. 

1998 folgt der Band »Mein Gott Österreich. politische Lyrik und subversive Monologe«[9]. In dem Buch findet sich unter anderem eine – 1983 verfasste – Antwort auf Ernst Jandls »schtzngrmm«. Nicht lustig sei es für sie, nicht lautmalerisch, meint Veran in ihrer Replik »es erinnert mich an die sauberen knochen / die wir weggeschleppt haben / aus dem schubertpark / aus dem aushub von splittergräben«.
1999 dann die nächste Sammlung mit politischen Gedichten (»Gegenstimme«[10]). Veran nimmt sich in ihrer Lyrik kein Blatt vor den Mund.
Sie schreibt dagegen, »wenn zackige lieder / einigkeit demonstriern«[11], auch macht sie sich Gedanken über Unterschiede im Sprachgebrauch, in dem 1988 zwar etwa schon von »UNSEREN jüdischen MITBÜRGERN« die Rede war, aber noch immer von »behinderten MENSCHEN«, während man »im Zusammenhang mit dem Adjektiv SLOWENISCH« die Ausdrücke »MITBÜRGER, MITMENSCH oder MENSCH« in Kärnten kaum hörte[12]. 
Die meisten von Verans politischen Gedichten sind noch immer noch von großer Relevanz – gerade heute, gerade jetzt, wo wieder von der »politischen Mitte« gesprochen wird, der Veran bereits Weihnachten 1984 ein Gedicht widmete[13].

Der Dialekt bzw. die Wiener Färbung sind Teil von Verans Schreiben. Man findet sie in ihren frühen Gedichten ebenso wie in Publikationen der jüngeren Zeit. (2021 etwa übersetzte sie unter dem Titel »Radln auf Wegaln«[14] Pitt Büerkens »Pättkesfahrt«[15] aus dem Plattdeutschen ins Wienerische.)
Wie sie überhaupt dazu gekommen sei, im Dialekt zu schreiben? Traude Verans Augen blitzen mir begeistert entgegen.
»Sagt dir The Worried Men Skiffle Group etwas? Als ich die damals das erste Mal hörte, hatte ich das Gefühl: Jetzt ist unsere Muttersprache auch eine echte Sprache. Für mich war diese Gruppe ein Stern am Himmel!«

Am Ende meines Besuches holt Veran einen dicken Ordner aus dem Regal. Gemeinsam reisen wir in das Jahr der ersten Morgenschtean-Herausgabe (1989) und noch ein bisschen weiter zurück.
»Ich weiß gar nicht, wie ich damals von der Gründung der Ö.D.A. erfahren habe. Ob aus dem Fernsehen oder vielleicht doch von Erich Schirhuber. Ich habe von 1986 an drei Jahre lang an den Arbeitstagen der Mundartdichter in Kirchbach/Kärnten teilgenommen, ich kannte die Szene also ein wenig. An die Veranstaltungen dort denke ich besonders gerne zurück. Die Lesungen fanden auch auf Bauernhöfen statt und waren gut besucht, und man begegnete vielen anderen Menschen, die sich für die Dialektliteratur engagierten. Ich habe ja dann auch schon recht früh begonnen, im Morgenschtean meine Dialektgedichte zu publizieren.«

Sich nicht bremsen lassen

Traude Veran hat es stets gereizt, Neues auszuprobieren. Ihre Lyrik hat sich immer wieder gewandelt und neu erfunden; auch mit dem Medium Hörbuch[16] hat sich die Autorin auseinandergesetzt.
Mitten unter diesen vielfältigen Publikationen findet sich auch ein schmaler rosa Gedichtband. In »Cindy.Erinnerungen«[17] widmet Traude Veran ihre Gedichte ihrer verstorbenen Hündin. 

In Verans Schreiben darf alles nebeneinander existieren. Da hat das Private neben dem Politischen Platz. Das persönliche Tagebuch neben dem preisgekrönten Gedichtband. Das gebundene Sachbuch, das in einem namhaften Verlag erschienen ist, neben der selbst gedruckten Broschüre.
So manches Mal blies ihr deswegen auch ein rauer Wind entgegen. »Manche sehen ja auf einen herab, wenn man Projekte selbst oder nur mit einem sehr kleinen Verlag verwirklicht. Aber auf diese Menschen darf man nicht hören, auch wenn es natürlich weh tut«, rät Veran. 
Sich nicht von den eignen Vorhaben abhalten lassen, das war immer schon Traude Verans Credo – egal, ob es um das Integrationsgesetz oder um ihre Literatur ging. 
Auch die Österreichische Haiku-Gesellschaft hat Veran mitbegründet; heute ist sie Ehrenmitglied. 

Bei unserer Verabschiedung überreicht sie mir ihre letzte Publikation. Der schmale Haiku-Band »Das Chinesische Jahr«[18] mit der Nachdichtung alter chinesischer Weisheiten erschien voriges Jahr. Auch »Haiku schreiben – ein Weg der nie endet«[19] mit Silbenspielen und Versuchen über das Haiku von 1981-2021 ist gerade einmal vor einem Jahr erschienen.Danach folgten zwei weitere Publikationen. »Meine letzten«, wie Traude Veran verrät. »Das heißt aber nicht, dass ich aufhöre zu schreiben!«[20,21]
Während der Fahrt über den Semmering krame ich in meinem Koffer. Ich habe Glück – neben mir sitzt niemand, so dass ich Verans Werke alle auf einmal hervorziehen kann. Vor allem ihre politischen Gedichte und ihre Wien-Limericks haben es mir angetan, aber auch die selbst gebundene Publikation »Wassertropfen, Wasserleitung, Wasserfall«[22] gefällt mir sehr – und das Vorwort entlockt mir mitten auf der Strecke ein so lautes Lachen, dass man sich nach mir umdreht.
Als ich am Grazer Hauptbahnhof wieder aussteige, um in den Bus nach Hause umzusteigen, denke ich: Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr sein wie Traude Veran und die Dinge selbst in die Hand nehmen. Wenn es etwas (noch) nicht gibt, von dem wir meinen, dass es die Welt ein Stück besser macht, können wir uns immer auch ein wenig selbst darum kümmern. Wie sagte Doris Lessing angeblich einst: »Whatever you’re meant to do, do it now. The conditions are always impossible.«

____________________

  1. Traude Veran: Das steinerne Archiv – Der Wiener jüdische Friedhof in der Rossau, Mandelbaum Verlag, Wien 2002, 20. Auflage 2006
  2. Gertraud Schleichert: Pendlerlieder. Gedichte aus dem Burgenland. Mit Federzeichnungen von Hermann Serient. Edition Doppelpunkt, Wien 1993
  3. Traude Veran: Gras gesät auf den Asphalt. Gedichte aus dem Berufsleben. Cornelia-Goethe-Verlag, Frankfurt am Main 2005
  4. Gertraud Schleichert: Efeublüten. Gedichte über die Liebe 1953–1993. Mit Federzeichnungen von Ingrid Kerzina. Edition Doppelpunkt, Wien 1994
  5. Gertraud Schleichert: Letternfilter. Gedichte aus Namensanagrammen von Gran Mama. Reihe „Ausser der Reihe“, Edition Doppelpunkt, Wien 1994
  6. Gertraud Schleichert: standART. Collagen aus der Tageszeitung »Der Standard«. 30 Tagesseiten. Reihe »Ausser der Reihe«, Edition Doppelpunkt, Wien 1996
  7. Traude Veran: So gern ich Wien hab – an sich. Wiener Klangfarben. Mit Federzeichnungen von Hermann Serient. Edition Doppelpunkt, Wien 1997
  8. Traude Veran: Vertrackte Kontakte. Limericks. Mit Federzeichnungen von Hermann Serient. Uhudla Edition, Wien 1998
  9. Traude Veran: Mein Gott Österreich. Politische Lyrik. Edition Doppelpunkt, Wien 1998
  10. Traude Veran: Gegenstimme. Politische Lyrik und subversive Monologe. Edition Doppelpunkt, Wien 1999
  11. ebd. S 54
  12. ebd. S. 70/71
  13. ebd. S. 55
  14. Pitt Büerken, Traude Veran: Radln auf Wegaln. Pättkesfahrt im Wiener Dialekt. Österr. Haiku Gesellschaft, Wien 2022
  15. Pitt Buerken: Pättkesfahrt. Kurzgedichte in japanischer Tradition auf Münsterländer Platt und Hochdeutsch. Agenda Verlag, Münster 2021
  16. Traude Veran: Ich rede in den Zungen der Sprachlosen. Sprach-CD. edition lex liszt 12, Oberwart 2019
  17. Traude Veran:Cindy. Erinnerungen an einen Hund. Fotos und Zeichnungen. Lesedition, Wien 1997
  18. Traude Veran: Das Chinesische Jahr. Eine Nachdichtung. Mit Kalligrafen von YU FENG, Österreichische Haiku Gesellschaft, Wien 2023
  19. Traude Veran: Haiku schreiben – ein Weg der nie endet, Rotkiefer, Berlin 2023
  20. Regenlicht. Haiku und Ähnliches 2020-2023. ÖHG, Wien 2023
  21. Claudia Brefeld und Traude Veran: Windböen und Schattenkühle. Haiga und Tan-Renga. Rotkiefer Verlag, Berlin 2024.
  22. Traude Veran: Wassertropfen, Wasserleitung, Wasserfall – eine Publikation zum Jahr des Wassers 2003, Selbstverlag Haus Rossau, Wien 2004


B. Jetschko
Seitm Kindagartn wasch ich mir die Händ nimma mitm warmn Wassa

B. Jetschko
Seitm Kindagartn wasch ich mir die Händ nimma mitm warmn Wassa

Der Grund is eigentlich einfach, aba braucht Hintergrundwissn: I bin in da Nähe da Lobau aufgwachsn. Damals, als des noch nicht schick war. Damals als no alle auf de Donauinsel wolltn und i nu in de Kindaschuhn gsteckt bin.

Mei Mama und i sind im Somma imma Schwimm’n gangen. Und im Winta imma Rodln. Jedn Nachmittag. Wei’ man muss ja draußn sei. Wobei in da Lobau, »an der frischen Luft sei« warscheinli sogar stimmt. Wenn’s doch de »grüne Lunge« Wiens is. Im Somma ham ma weng tragn müssn. Aber im Winta wurd ma as Kind ausgrüst: Leggings, Thermowäsch, Untaleiberl, Hosn, Pulli, Anorak – unförmig und bunt wie a Gummibärli, Handschuh – idealaweisn angnäht oda -bundn, damit ma’s ned verliert. (Und wenn’s ganz kalt war, a nu Skihandschuh drüba.)

Und dann san ma los maschiert. Schlittn am Bandl oder üba da Schulta. Meistens bei da Mama, weil ma selb zu klein war. Da sind die Kufn immer über de Straßn und de Stan gstolpert und ma selba glei mit. Wobei, wie i klein war, warn Bobs sehr beliebt. Entweda wie de Olympianer oder so richtige Ufo-Schüssln, wos an draht hat wie am Karussell, wenn ma den Hügel runterzischt is.

Schnee hama damals genug ghabt, trotz fehlenda Beschneiung im Marchfeld. Und Kinda warn a immer gegnug da. Manchmal zu viele, da hat man dann schaun müssen, wo ma richtig runter düst, ohne dass ma wen unfreiwillig mitnimmt. Deshalb war den einen super Rodelplatz am Staudamm obahalb vom Lobauspielplatz zu finden essentiell. Sobald dann de richtige Abfahrt unta großen Strapazen da war – mit oda ohne Schanzn – dann is’ runter und raufgrodelt oder gebobbt worden bis de Sonne untagangen is oda man vor Nässn durchgfrorn war. Spätestens dann hat ma Pause gmacht und sei Jausn und sei Tetrapackl bekommen – Apfl oda Orange, manchmal Kirsch. Dann hat ma den andern beim Rodln zugschaut. Meistn warn die größa oder habn nu wos anderes vorher zu tun ghabt. Nachdem ma mit da Jausn fertig war, hat ma sich beim Elternteil beschwert, dass kalt ist; nanu-na, Überraschung. Und hat di kleinen Fingern zwischn warmen Elternhändn, in Stoffhandschuhn, geribbelt bekommn. Das hat nie was bracht, außer für die Sekundn, wo de Händ gribbelt wordn sind, und deshalb hat ma – nach viel Sudern – dann wieder zampackt und is nach Haus’ marschiert.

Wia ma z’ Haus warn, sind die Knochn, da Körpa alles wieda woarm worden. Danach des Gsicht und de Wangn, aber am Schluss warn imma de Finga. Wie kleine Eiszapfn, haben s‘ braucht beim Auftaun. Aba jetz is so, dass ma Händwaschn muss, wenn ma heimkommt und das mit warmn Wassa, hat ma glernt. Aba, he, wenn i ’s Wassa aufdreh und mir die Händ wasch, dann wern di ned woarm, de wern wehat und beißn und stechn. I frag mei Mama, wie des geht und sie, ganz Krankenschwesta, erklärt, dass des mitm Wahrnehmn zu tun hat und ich des Wassa lauwarm aufdrehn soll. Ich mach das und es wird bessa, I schau mir meine Händ an und bin fasziniert.

Des nächste Mal Rodeln passiert genau desselbe. Aba diesmal fang i glei mitm lauwarmen an und – es is genauso wie beim ersten Mal. Weh, beißen, stechn. Ich frag gar ned, i dreh glei zruck. Und! De Händ erholn sich viel schnella. Ich bin scho wieda fasziniert; wie’s bei kleinen Kindern so is.

Beim nächstn Mal Rodeln dasselbe. Nur diesmal start i glei mitm kaltm Wassa und was Seltsames passiert: Meine Hände sind direkt warm! Wohlig warm und angenehm. Kein Justiern, kein Aua oda Beißn, einfach angenehm.

Ich erzähl’s meina Mama, sie glaubt’s nicht ganz. Aba es is mir egal, ich bin ein Genie und hab Weltgeheimnisse entdeckt. Da i aba ein vergessliches Genie bin, entschied ich mich imma meine Händ mit »kaltm« Wassa zu waschen. Weil, in jeda Situation des besser is. Ob im heißn Sommer oda eben im kaltn Winter. Und so is bis heut blieb und der Grund warum ich mir seitm Kindagartn die Händ nimma mit warmn Wassa wasch.

Warmduscher bin i trotzdem gebliebn, man muss ja ned übertreibn.


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Plammer, Andreas

Andreas Plammer

Geboren 1966 in Wien.
Zahlreiche Lesungen und Teilnahmen an Poetry-Slams, Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien, Mitorganisator der wöchentlichen Lesungsreihen ALSO (Anno Literatur Sonntag) und ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag), Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften „…& Radieschen“ u. „Morgenschtean“, Vorsitzender der Ö.D.A.- Österreichische DialektautorInnen und -archive.
Einzelpublikation: „Fauler Zauber“, Kriminalroman, Milena 2011.

Literarische Beiträge von Andreas Plammer finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2023

Neubauer-Theis, Elfi

Elfi Neubauer-Theis

kommt aus Baden-Württemberg .

Sie ist Vorsitzende eines Mundartvereins, schreibt im südfränkischen Dialekt, liest mit Begeisterung den Morgenschtean, ist gerne mit ihrer Enkelin unterwegs und ärgert sich über das Nichtstun der Politik angesichts der derzeitigen Umweltsituation.





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Ausgabe U80–82 / Mai 2024

Ausgabe U80–81 / Mai 2024

Interview: Reino Glutberg
Dialektliteratur zum Thema:“koid, wäama, haaß!“ mit Texten von: Gerhard Altmann, Katharina Bacher Sylvia Bacher, Bornvroni, Elisabeth Hafner, Lea Jehle, Isabella Krainer, Hans Kumpfmüller, Anna Maria Lippitz, lüüs, Tobias March, Laura Nussbaumer, Andreas Plammer, Angelika Polak-Pollhammer, ChristiAna Pucher, Christine Rainer, Elis Rotter, Thomas Schlager-Weidinger, Siljarosa Schletterer, Renate Schiansky, Christine Steindorfer, Anna Stiegler, Brigitte Thurner, Christine Tippelreiter, Wolfgang Weinlechner, Angelika Woska
Dialektliteratur aus NIEDERÖSTERREICH von:  Regina Appel, Jasmin Gerstmayr, Wolfgang Kühn, Eva Lugbauer und Christine Tippelreiter

mit QR-Codes zu Hörtexten sowie einen Link zur PDF-Beilage mit vielen weiteren literarischen Texten sowie Rezensionen und anderen Beiträgen

€ 4,50
Preis exkl. Versandkosten
(siehe AGB)


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PDF Beilage zur Ausgabe U80–81

In der Beilage zur Ausgabe U80-81 (Mai 2024) finden Sie unter anderem weitere Dialekttexte zum Thema sowie Blackout-Poetry von Laura Nußbaumer und viele Interviews den niederösterreichischen Autorinnen Eva Lugbauer, Chrstine Tippelreiter, Jasmin Gerstmayr, ChristiAna Pucher und Regina Appel.
Auch der Essay von Mario Huber über Walter Seisenbacher kann im PDF zur Gänze gelesen werden.


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March, Tobias

Tobias March

Tobias March

ist im Jahr 2000 in Bregenz in Vorarlberg auf die Welt gekommen. Seit dem 12. Lebensjahr am Geschichten schreiben, neue Wörter kreieren und mit Sprache spielen.
Nach der Matura am Gymnasium in Lustenau 2019 Zivildienst im selben Jahr.
Danach Studium an der Universität Wien: Lehramt Deutsch und Biologie. Während der Lernpausen stets am Schreiben, Schreiben, Schreiben.
Seit 2013 Mitglied der Jungen Szene von Literatur Vorarlberg, nahm dort an zahlreichen Schreibworkshops teil.
Absolvent des Lehrganges Schreibpädagogik 2023/2024 beim BÖS – Berufsverband österreichischer Schreibpädagog:innen in Wien. Zertifizierter Schreibpädagoge.

zuletzt aktualisiert 2024

Literarische Beiträge von Tobias March finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2024

Bacher, Katharina

©privat

Katharina Bacher

Katharina Bacher, geb. 1992 in Salzburg.
Schreibt, seit sie Buchstaben kennt. Liebt Wortneuschöpfungen und -zerklaubungen. Spricht, denkt und schreibt in all den Sprachen, die ihr zur Verfügung stehen – Dialekt ist eine davon.
Lebt im Salzburger Land, wenn sie nicht gerade reist. Zu finden unter: www.diepampelmuse.com

zuletzt aktualisiert im April2024

Literarische Beiträge von Katharina Bacher finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2024

Neureiter-Schlack Christine

Christine Neureiter-Schlack

entdeckte vor einigen Jahren durch Erika Rettenbacher die Liebe zum Schreiben, besonders auch im Dialekt. Sie wohnt mit ihrer Familie in Kuchl, Tennengau.

(aktualisiert im April 2023)





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lüüs


© lüüs 2024

lüüs

lausige gestalt, grantig & bequem.

Website: lüüs.xyz

zuletzt aktualisiert 2024

Literarische Beiträge von lüss finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2024

Forcher, Karl

Karl Forcher

Als Mitglied der Kunst- und Kulturwerkstätte Judenburg und des Europa-Literaturkreises Kapfenberg mehrere Veröffentlichungen in Anthologien und Kulturmagazinen. Für das JuThe in der Mauer, das Theater der Kunst- und Kulturwerkstätte, verfasste er 5 Märchenstücke.

zuletzt aktualisiert im April 2024





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NM, VN


Laura Nußbaumer; Foto © Martin Jordan

Laura Nußbaumer

Geboren 1997 in Bludenz, Vorarlberg. Wohnt seit 2018 in Wien. Studiert für den Master of Education in Englisch, Psychologie und Philosophie an der Universität Wien. Unterrichtet an einer Wiener Mittelschule. Mitglied von literatur:vorarlberg. Schreibt und veröffentlicht Prosa und Lyrik in Deutsch, Englisch und Vorarlbergerisch. Debütroman Riesendisteln beißen nicht (fabrik.transit 2023).

Website: www.lauranussbaumerundlouis-a.com
Instagram: @imaginary_friend_louisa

zuletzt aktualisiert 2024

Literarische Beiträge von Laura Nußbaumer finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U78-79/2023
U80-81/2024

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Krainer, Isabella

Isabella Krainer

Geboren 1974 in Kärnten, schreibt und macht, was sie will. Ihre Arbeiten pendeln zwischen Politsprech und Dialektlandschaft. Die Autorin lebt in Neumarkt in der Steiermark.

Für die Arbeit an Heul doch! wurde sie mit dem Großen Literaturstipendium des Landes Tirol 2023/24 in der Sparte Lyrik und einem Finalisierungsstipendium für literarische Projekte des Landes Kärnten bedacht. Heul doch! erscheint im März 2024 im Limbus Verlag. Vom Kaputtgehen, ihr erster Lyrikband, erschien 2020 bei Limbus.

Literarische Beiträge von Isabella Krainer finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U70-71/ 2021
U74–75/ 2022 
U76–77/ 2023 
U80-81/2024
U86–87/2025



Kumpfmüller, Hans

Hans Kumpfmüller

Geboren 1953. Schreibt in Hoch- und Tiefsprache. Fotografiert mit Subjektiven der verschiedensten Brennweiten.

Publikationen:

– schdoaggschdromibuk, STOAHOATverlag, 2023
Goidhaum & Logahauskabbe. Verlag Bibliothek der Provinz, 1997
Stiefmutterland & Großvatersprache. Verlag Bibliothek der Provinz, 2000
Sauschdoidialgraffiti – Wöaddabiachl. Verlag Bibliothek der Provinz, 2000
Ruam suam. Verlag Bibliothek der Provinz,2000
Blasdeggfensdaln. Verlag Bibliothek der Provinz, 2004
Zeus schau owa. Verlag Bibliothek der Provinz, 2004
Hans Kumpfmüller liest. STOAHOATverlag, 2006 (Hörbuch).
Vergessene Österreicher. Molden, 2006
Gugaruzsahara. Ritter, 2007
– Ganz oben in Südtirol. Edition Panoptikum, 2014
– mosdbianbambonsai. Edition Panoptikum, 2016
– Losan statt Lesen. Buch und CD. Edition Panoptikum, 2017
maschinenringlgschbui. STOAHOATverlag, 2009
– Mein Kumpf Müller Buch, STOAHOATverlag, 2009

zuletzt aktualisiert 2024

Literarische Beiträge von Hans Kumpfmüller finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U80-81/2024
U21-22/ 2008
25/1995
20/1994
17/1993
16/1993

Tippelreiter, Christine

Christine Tippelreiter

Mitglied des Österreichischen Schriftstellerverbandes seit 1998
1999 Gründerin der Autorengruppe „Schriftzug 3250“
seit 2012 Vizepräsidentin der Ö.D.A 

gesamte Biografie lesen

– 1990 1. Preis Leopold-Wandl Preis
– 2000 3. Platz  Leopold-Wandl Preis
– 2001 u.2014 1.Platz Literaturpreis „Federkiel und Quellengeist“
– 2004 und 2006 4.Platz Zauberberg Semmering
– 2015 7. Platz Bruchstücke, Verband Kath.Schriftstellerverband

Publikationen:
1992 Gedichtband „Auf der Suche“
1996 Gedichtband „Lebenszeichen“ J.Sandler Verlag
2003 Gedichtband „Weltenflüchtig“, J.Sandler Verlag
2009 Gedichtband „Waun da Waun ned wa“ Wolfgang Hager Verlag
2015 Gedichtband „Aunsichssoche“
2017 Gedichtband „seifenblasenbunt“ Literaturedition Niederösterreich
2023 Gedichtband „fliagn kinna“ edition Innsalz

außerdem vertreten in:
– 2000 Gedanken Brücken, Österreichischer Schriftstellerverband
– 2003 Ein Tropfen Sonne im Herzen, Donauland 
– 2005, 2012, 2014 und 2015 Anthologie Forum Land
– 2005 Kaleidoskop, Österreichischer Schriftstellerverband
– seit 2010 im DUM Das Ultimative Magazin 
– 2014 Stimmen in Dur und Moll, Verlag Stimme fürs Leben
– 2015 KADO Rumänien, Intern. Magazin f. Poetik 

Fotografien:
– Ausstellung Schloss Neubruck, Töpper Art-Festival 2016
– Ausstellung KulturErleben, Wieselburg, 2015-2017
– Ausstellung Francisco Josephinum, Wieselburg, 2017
– Ausstellung Galerie Alpha, Stubenbastei, 1010 Wien 2018

www.mundart-mostviertel.at

Literarische Beiträge von Christine Tippelreiter finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U11/ 2006
U16/ 2007
U18-19 / 2007-2008
U21-22/ 2008
U24-25 /2009
U26-27 /2009
U29-30 /2010
U34 /2012
U36-37 / 2013
U38-39 / 2013
U42-43 /2014
U44-45 /2015
U46-47 /2015
U48-49 /2016
U54-55/ 2018
U60–61/2019
U68–69/2021
U70–71/ 2021
U78–79/ 2023 (Beilage)
U80–81/ 2024





Stiegler, Anna Barbara

Anna Barbara Stiegler

schrieb Geschichten, noch bevor sie schreiben konnte. Ihr bisher größter Erfolg war eine Erzählung über den Ostersonntag 1999 auf eineinhalb Quartheftseiten.
*
schreibt Texte, die zwischen a und b Schiff gefallen sind, zwischen Romantik und Murenabgang, zwischen Oaschicht und Genoss_innen, zwischen vertrockneten Wiesen und kaltem Wasser, zwischen Verdrängen und mittn in de Goschn.
*
ist Vorstandsmitglied der Ö.D.A. und ehrenamtliche Redaktionsmitarbeiterin des Morgenschtean.
*
lebt und arbeitet in Wien.


© Helge M. Stiegler

Literarische Beiträge von Anna Barbara Stiegler finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U52-53/ 2017
U58-59/2018
U60-61/2019
U80–81/2023





Mitschnitt der Präsentation U78–79/ 2023 im Café Anno

Mitschnitt der Morgenschtean-Präsentation
am 30. Nov. 2023 im Café Anno

Mitschnitt Lesung Cornelia Allmayer-Krieg

Gedichte zum Thema
Kurzgschicht üba di Helga
Berufswiedereinstiegsversuch

Mitschnitt Lesung Johannes Lerch

Wos i ned mog / Wos i mog
Grün ans
Grün zwaa
Wia Gsichta ausschaung

Mitschnitt Lesung Laura Nußbaumer

Nüziders isch – Beschreibung von ana „Stadt“
Gedichte über die Post
Am Bahnhof

Mitschnitt Lesung Silke Gruber

3 braune Schtial
Oana woa miad (nach Friedrich Rückert: Ich wollte, dass ich schliefe)
A Deitsche miaßat ma sein
Da Åndaschtwoherige

Alle Rechte an den Texten liegen bei den Autor:innen
Schnitt: rentsnikstudios / Bilder © Robert Anders 

Wolfgang Kühn
OLLAS RAUNZT

Wolfgang Kühn
OLLAS RAUNZT

de an modschgan üwa de hitz im september
und de aundan meckan weus im juli scho herbstlt

de an rean wegn da inflation umanaund
und de aundan treaman weu eanare rabattpickal ogrennt san

de an lamadian wegnan zniadrichn bluaddruck
und de aundan brumman weu da zucka vü zhoch is

de an keppen wegn da besn schwiegamuada
und de aundan bentssn weus ka neix handy kriagn

de an jaumman weus scho beim hischaun blad wean
und de aundan maunzn weus goa kan appetit mea haum

de an sudan wegn jedn schas
und de aundan sempan weu si nia wos tuat

de an motzn weus fia nix a zeit haum
und de aundan jeian weu eana fad is im schedl

de an fäun umanaund weu rapid dauand valiat
und de aundan muarn weu de austria a net eftas gwinnt

de an mosan umanaund weus mitn göd imma enga wiad
und de audan sei’ln weu eana de haut beim oasch net zsaumgeht

de an meitan üwa de korruption va de politika
und de aundan mauln weu fia eana söwa nix dabei aussaschaut

i hea eana a zeitlaung zua
owa daun denk i ma:

so laungs raunzn
sans no hoibwegs gsund!


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