Interview: DR HALO

Seit 2016 übersetzt Dr Halo oide Hådern aus dem englischsprachigen Raum ins Wienerische. Mittlerweile textet er seine Songs, die man auf drhalo.at hören kann, auch selbst. Wir wollten wissen, wie es dazu kam und was der Dialekt für ihn persönlich und für sein Schaffen bedeutet.

MORGENSCHTEAN: Wie lange gibt es Dr Halo schon – und wie begann deine Musikerkarriere unter diesem Namen?
DR HALO: Musik, also eigentlich nur Text und Gesang, mach ich schon seit 2016. Es begann damit, dass ich englischsprachige Songs der sechziger und siebziger Jahre in Mundart übersetzte, weil ich irgendwann draufkam, dass die österreichische, oder vielleicht auch wienerische Mundart der englischen Sprache in mancherlei Hinsicht durchaus ähnlich ist. In einem Text, den ich 2016 zu diesem Thema geschrieben habe, hieß es:
„Augfaungd hod de Gschichd wia_r_i amoi in da Fruah, sicha scho zum dausndsdn Moi, in Radio in Wondara ghead hob. A Liad von Dion, dea wos eigendtli Dion Di Mucci haaßd. Aungeblich. I kenn eam jo ned. I sogs glei vuaweg, des Liad hea_r_i ma gean no a boa dausnd Moi au, ohne doss ma fad is. Nua doss do kane Missvaschdändnis ned aufdauchn. Jedenfois, i hea des Liad und mid an Moi, i woa no a bissl draamhabpadt, sunsd warad ma eh nix eigfoin, foid ma dazua es Wuad „Waundarods“ ei. Da Dion wiads woascheinlich ned kennan, maunche do bei uns dafia gaunz sicha und de, des ned kenna, de kennan si sicha wos vuaschdön drundta. Eiso, wia ma des Wuad eifoid, denk i ma scho, des Liad kenndtasd jo genauso in unsara eiganan Schbroch a singan…“
Ich habe dann wirklich viele Text übersetzt und irgendwann kam der Punkt, wo ich auch gerne ausprobiert hätte, wie sich so ein Song denn „in unsara eiganen Schbroch“ anhört. Ich habe mir Karaoke-Playbacks der Songs besorgt und mit dem Singen begonnen. Irgendwie war das nicht so toll, weil es ist sehr schwierig, Songs, die Leute in der für sie passenden Stimmlage gemacht haben, zu deren ursprünglicher Musik nachzusingen – wenn man nicht gerade ein Stimmakrobat ist (ich bin keiner). Da ich selbst kein Instrument beherrsche, mit dem ich mich begleiten könnte, hab ich dann in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nach Musikern gesucht, die mit mir vielleicht gemeinsam Musik machen wollen, aber leider keine gefunden. Zur gleichen Zeit habe ich sehr viele eigene Texte geschrieben und nach einem Weg gesucht, meine ganz eigenen Songs zu machen, und den hab ich dann ja auch gefunden, wovon sich jeder auf meiner Webseite drhalo.at selbst überzeugen kann, wenn er will.  

MORGENSCHTEAN: Gibt es einen typischen Dr-Halo-Sound?
DR HALO: Den typischen Dr-Halo-Sound, den gibt es eigentlich gar nicht, denn ich arbeite ja ausschließlich mit Playbacks, die von anderen kreiert wurden und zum Zeitpunkt, da ich einen neuen Song beginne, schon fix und fertig sind.

MORGENSCHTEAN: Wie wählst du die Playbacks aus, wie entsteht ein Dr Halo-Song?
DR HALO: Das Material, das ich da verwende ist sehr unterschiedlich und mein Beitrag, was das Musikalische oder eben den Sound betrifft, ist, dass ich mir aus dem Material meist nur solche Teile heraussuche, die mir für einen bestimmten Text brauchbar erscheinen. Ich setze die dann nach Bedarf zusammen und passe allenfalls noch Tonart und Tempo an. Mein Beitrag dazu ist, dass ich die Singstimme der Songs entwerfe und dass ich dann in dieser Singstimme meine Texte dazu singe. Und zur Frage der Entstehung: Bis auf einen einzigen Song, bei dem es genau umgekehrt war, habe ich immer zu bereits vorhandenen Texten, aus denen ich Songs machen wollte, nach einem für mich dazu passenden Playback gesucht. Im Zuge der Arbeit daran kommt es zwar oft zu meist kleinen Textänderungen, damit alles zusammenpasst, aber bei mir ist immer erst der Text da und dann erst wird vertont. 

MORGENSCHTEAN: Hast du Vorbilder?
DR HALO: Also Vorbilder gibt es eigentlich keine, weil dies würde erfordern, dass ich denen nacheifern, sie vielleicht gar übertreffen könnte. Wovon aber nicht die Rede sein kann. Natürlich gibt es eine ganze Menge Musiker und Bands der Vergangenheit, die ich immer schon grenzenlos bewundert habe, nennen wir sie einfach Idole, und von denen ich gerne, ohne jegliche Reihung oder gar Wertung ein paar aufzählen kann: Bob Dylan, Eric Burdon, die Pretty Things, Arthur Lee, die Doors, Keith Emerson, die Yardbirds, Leonard Cohen, John Lennon, Kraftwerk, Focus, Frank Zappa, Joan Baez, Ten Years After, die Who, Mountain, die Pretenders, das Electric Light Orchestra und natürlich – last and absolutely not least – Bo Diddley. Und weil ich vorher nach „meinem“ Sound gefragt worden bin: Auch in dieser Aufzählung ließe sich kein bestimmter Sound oder gar Stil finden, schon gar nicht, wenn ich jetzt noch, um das zu unterstreichen und ganz ohne dabei zu erröten, ABBA, Roxette oder Connie Francis hinzufügen würde.

MORGENSCHTEAN: Deine Texte sind sehr gesellschaftskritisch. Wie bzw. wann juckt es dir unter den Fingern?
DR HALO: Naja, gesellschaftskritisch ist so ein zweischneidiger Begriff und ich kann zwar nicht bestreiten, dass ich ein ausgesprochener Widerstandsgeist bin und dass ich auch immer wieder Vieles finde, das mir gar nicht passt und dass ich mir nicht gerne ein Blatt vor den Mund nehme, aber gleichzeitig möchte ich schon drauf hinweisen, dass die Gesellschaft, in der zu leben wir heute das Glück haben, verglichen mit früher und verglichen mit anderen Gesellschaften, schon eine ganz tolle Gesellschaft ist, in der es mir eigentlich mein ganzes Leben lang ausgesprochen gut gegangen ist und ich hoffe, es ist mir in dieser Zeit auch gelungen, der Gesellschaft ein bisschen mehr zurückzugeben, als ein paar gesellschaftskritische Songs.

dieser Song entstand im Jahr 2021

MORGENSCHTEAN: Welche Rolle spielt der Dialekt für dein Schaffen? Wann entscheidest du dich für den Dialekt, wann für die Hochsprache?
DR HALO: Vorab: Ich bin zweisprachig aufgewachsen, in einem Favoritner Gemeindebau. Zuhause wurde ausschließlich Schriftdeutsch gesprochen, oder, sagen wir, was halt so in einer Wiener Familie als Schriftdeutsch gilt, obwohl es wahrscheinlich für Leute aus Deutschland oder der Schweiz immer noch teilweise gar nicht so gut verständlich wäre. Aber draußen vor der Tür, mit meinen Freunden, da hab ich ausschließlich Mundart gesprochen. Ich hab mich in diesen zehn Jahren, die hier das Thema sind, oft gefragt, was eigentlich meine Muttersprache ist und ich hab keine Antwort drauf gefunden. Mir ist die eine so wichtig wie die andere. Irgendein griechischer Philosoph der Antike hat ja einmal die These aufgestellt, dass es ohne Sprache kein Denken gibt. Darüber hab ich oft nachgedacht. Gescheitere Leute finden vielleicht einen Ansatz, wie man dieser These widersprechen könnte, ich hab keinen gefunden. Unsere Sprache bestimmt für mich also ganz entscheidend unser Denken und mir ist schon aufgefallen, dass ich manchmal in Mundart, manchmal in Schriftsprache denke. Ich habe den Eindruck, dass die Mundart bei emotionaleren Themen vorherrscht und die Schriftsprache bei rationaleren. Bei meinen Songs ist es jedenfalls sicher so. Singe ich in Mundart, hört es sich, finde ich jedenfalls, weitaus gefühlsbetonter an, als wenn ich in Schriftsprache singe. Das spielt wahrscheinlich auch eine Rolle dabei, ob ich für einen Text, den ich schreibe, die eine oder die andere Sprache verwende. Bei den nicht ganz hundert meiner Songs, die ich inzwischen veröffentlicht habe, haben die beiden Sprachen einen ziemlich gleichen Anteil und auch bei meinem vierten Album, das in den nächsten Wochen erscheinen wird, ist es so.
Zur Mundart, auch wenn ich gar nicht danach gefragt worden bin, möchte ich gerne noch Folgendes loswerden: Für viele Freunde der Mundartkunst ist das Wichtigste, dass möglichst viele drastische, am besten derbe Sprache verwendet wird. Sie lieben es, Worte zu hören, die dann vielleicht komisch oder gar lächerlich klingen, was ihnen dann wiederum einen hohen Unterhaltungswert beschert. Viele Mundartkünstler wissen das natürlich genau. Sie scheinen daher stets bestrebt, ihre Klientel entsprechend zu bedienen und sind darin dann auch sehr erfolgreich. Doch was dabei herauskommt finde ich eher fragwürdig. Die Mundart ist ja die Sprache, die aus unser aller Mund kommt — und zwar ausnahmslos. Wir verwenden die Sprache, wenn wir jemand nach dem Weg fragen, wir bestellen in dieser Sprache beim Billa eine Wurstsemmel, wir erklären in dieser Sprache einem geliebten Wesen unsere Liebe, sie begleitet uns, wenn wir Freude empfinden ebenso, wie bei Schmerz oder Trauer. Und für alles ist sie nicht nur geeignet, sondern das Mittel unserer Wahl. Ich finde, es ist hoch an der Zeit, der Mundart die Würde zu geben, die ihr zusteht und sie vom Dasein eines Objekts aus dem Sprachpanoptikum zu befreien. Wir könnten uns darin die Schweiz, jedenfalls deren deutschsprachigen Teil zum Vorbild nehmen. Dort reden sie Mundart sogar im Fernsehen und geben halt nötigenfalls Untertitel dazu.

MORGENSCHTEAN: Wie wichtig ist dir dabei auch das Spiel mit der Sprache?
DR HALO: Mit dieser Frage hast du mich jetzt echt erwischt, denn ja, ich spiele unglaublich gern mit Sprache, oft auch nur mit Worten. Warum? Ich weiß es nicht. Es kommt ja dabei nichts heraus, das man essen oder wenigstens sonst irgendwie verwenden kann. Heutzutage würde man wohl die Frage stellen, worin der Mehrwert besteht. Höchstens darin, dass es mir einfach großen Spaß macht und eine spielerische und eben erheiternde Art ist, auf neue Ideen zu kommen, die einem sonst nicht einfallen würden. Ob es das ist, was man heute unter Mehrwert versteht? Egal, viele meiner Songs sind aufgrund solcher Sprachspiele entstanden und täglich fallen mir mehr ein, als ich verarbeiten kann und von denen ich dann ohnehin die meisten wieder vergesse, wenn ich mir nicht schnell eine Notiz mache. 

MORGENSCHTEAN: Zum Abschluss kommt noch die Frage nach deinem Lieblings-Dialektwort. Hast du eines?
DR HALO: Ja, „Oida“! Ich weiß, nicht sehr originell, jedenfalls schon seit gut fünfzehn Jahren nicht mehr, aber längst unverzichtbarer Bestandteil meines Wortschatzes. Oida ist ein Universalwort, das mit entsprechender Aussprache und entsprechender Sprachmelodie zu fast jeder Situation passt. Viele Leute finden das Wort vulgär, aber da ich ja aus einem Gemeindebau in Wien-Favoriten komme, darf ich mir das leisten und steh auch dazu. Im Übrigen kenn ich da noch, wenn wir schon beim Vulgären sind, ganz andere Worte. 

29. April 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

Erika Kronabitter übersetzt Bernhard C. Bünker

Erika Kronabitter übersetzt Bernhard C. Bünker

Du host ma
so oft Sochn gsogt
de i goanit
voaschtondn hob
De ma lei guatgeton hobn
in de Oan
und in mein Heaz –
Mia hobnt dei Schtimm
und deine Augn
weit mea dasogt
wia jedes Woat
womma aufn Obnd
iban Oltn Plotz gongen san
und eigentlich
gianix redn gebraucht hobn
lei gschpian …

Du heascht mr
gaanz oft Sacha gsäit
dia i gär net
frschtanda han
Dia mr abr gfalla hond
i dr Ohra
und i mim Härz –
Mr hond dine Schtimm
und dine Oga
fiil mehr frzällt
als wiara jeds Wort
wenn mr am Obad
übrn Alta Platz ganga sin
und wellawäg
gär nix hond reda müassa
nur gschpüra

****
Lesen Sie auch das Interview mit Erika Kronabitter

Das Originalgedicht erschien zuletzt in:
Bernhard C. Bünker: Wos ibableibt.
Dialektgedichte
hg. von Manfred Chobot und Axel Karner
Heyn, 2018
zum Buch


Weitere Übersetzungen von Bünkers Gedichten von Erika Kronabitter finden Sie in unserer Printausgabe!

Sylvia Bacher:
JACKNVURROT

                                                                                                                         

in olle stärkn olle foabn
liangs im kostn scho z‘hauf
ane drunta zwa no drauf
liang do se noch und nöcha
wo se net duach mottnlöcha
so on oiltasschwäche darbn

a neiche is net leicht zu findn
in da mittn net zu bindn
net zu kuaz und long da oam
nur so hoit sie den köapa woam
kan zipp net und a kane loschn
dafüa oba tiafe toschn
weuil ma duat am uat wo’s stü,
mobü tölefonian kenna wü

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Michaela Kurcsics:
Da Mutta ia Mauntlschiatzn

                                                                                                                         

Waun i and Mutta denk,
hots a Mauntlschiatzn au,
owa ob des wirkli stimmt,
was i eigntli gor nimma.


Wei wias gstoam is,
woa i erst ochti,
sie woa jo hoit do
die Mutta vo da Oma.


Und hiatz im Summa
trogt die Oma Mauntlschiatzn,
und bei jedn aundan Musta,
frog i sie, ob de neich is.

Daun sogts nia imma,
na, gor nit, de hots a
vo da Mutta aufghom,
de is no schei, gö?

Daun eazöts davo, dasd Mutta
jo kane mehr braucht hot,
wias do die gaunze Zeit
nia mehr im Bett glegn is.

Und wann i and Mutta denk,
liegts wirkli imma im Bett,
drum glaub i a gor nit,
dassi ia Gwaund gsehn hätt.

Is des oiso mei Erinnarung
oda kimt des ois vo da Oma,
teilts iare Erinnarungn mit mia,
iwad Mutta und iare Mauntlschiatzn?

****



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Autorinnen Ausgabe U88-89

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Maria Natter
a nüs Pärle Flügl

                                                                                                                         

a nüs Pärle Flügl
ischt mor gwaso
übor d Naht
entfolto wätt e s
for dinas moas me demüotig vüe neigo
usbroto mi seolb
traigod s me moandor?
das schöonscht Paar Flügl 
ischt nix ohne Vortruo
abr mol
usom Vortruo kund s jo
und usom ney
ney – nio meh well i klinn spielo
nio meh tuo asob i nüd usom Kosmos käm
und usom jau
jau i well leobo
d Woazla tüf i dor Eed
do Willo i dor Sunno
Tröm usom Mausilbor
do Geischt in Steonno
und s Herz meots deon
und a nüs Pärle Flügl
i Demuot 
spann i s uf

****
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Maria Stahl
komm hiolf m’r

Maria Stahl

komm
hiolf  m’r woalle
heat  d mama gseit

und ’s meattele 
ischt schtolz 
das  mam ’s  schärla 
zuotrout

subr und ordele
das as koa reklamationo  git
wäl däs geald vo ’dr heimarbeit
ischt all däs uanzig sich‘re gsi
am erschto

****
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Interview: ASTRID*WALENTA

astrid*walenta ist Performerin, Autorin und CliniClownin – als esmeraldas*taxi steht sie mit ihren Songs auf der Bühne.

astrid*walenta Foto © Maria Frodl

MORGENSCHTEAN: Als esmeraldas*taxi singst du in verschiedenen Sprachen – von Hochdeutsch über Dialekt bis Französisch. Dabei reicht dein Repertoire von bekannten Chansons über Jazz bis hin zu eigenen Kompositionen, zum Teil auch im Dialekt. Hast du eine Lieblingssprache auf der Bühne?
ASTRID*WALENTA: am liebsten singe ich natürlich in sprachen, die ich sprechen/ verstehen kann. wobei mir französisch am nächsten ist, daher sind auch viele songs französisch, egal ob covers oder eigene. eine lieblingssprache auf der bühne habe ich nicht. die verschiedenen sprachen bringen unterschiedliche stimmungen, melodien und rhythmen und das macht das programm variantenreich fürs publikum und auch für uns.
in meiner tätigkeit als cliniclownin im spital singe ich manchmal auch in sprachen, die ich nicht kann. es ist eine schöne möglichkeit um brücken zu den patient:innen zu bauen.   

MORGENSCHTEAN: Bist du immer schon so leichtfüßig durchs Leben gegangen? 
ASTRID*WALENTA: ich würde mich eher als schwermütige person mit hang zum humor bezeichnen, der mir aber genauso nahe ist wie meine schwermut. im laufe des lebens hat „er“ sich immer wieder verändert und tut das immer noch – so ist mir nicht langsweilig mit mir.
allerdings zieht sich auch eine leichtigkeit durch mein leben und meine arbeit. das spannende ist ja, dass sich aus schwere, gespickt mit humor, leichtigkeit zaubern lässt. humor kann helfen, abstand zu gewinnen und dann bekommt die schwere leichte füße. 
da liegt auch die freude bei mir, wenn ich diese leichtigkeit vermitteln kann, auch wenn ich sie nicht für mich selbst jederzeit abrufbar habe.  

MORGENSCHTEAN: Wie entstehen deine Lieder? Was ist zuerst da? Der Rhythmus? Die Melodie? Der Text?
ASTRID*WALENTA: das ist immer anders, da ich keine akademische musikalische ausbildung habe, arbeite ich viel aus einem gefühl und dem moment heraus. und ich bin ja ich nicht alleine, ich komme mit melodien und ideen zu meinen jeweiligen musiker:innen und wir improvisieren, verfeinern und arrangieren dann. manche songelemente entstehen auch spontan bei den proben gemeinsam. die texte sind von mir. obwohl, einmal haben wir das gedicht „waldvögel“ von otto julius bierbaum vertont. 

MORGENSCHTEAN: Auf deinem 4. Album singst du den Samba Austria und mischst Wiener Dialekt mit brasilianischem Rhythmus. Wie kam das?
ASTRID*WALENTA: der „samba austria“ sollte eigentlich im original interpretiert werden. dann fand ich aber, wir sind dem „echten“ samba nicht nahe genug (fehlte da etwa die leichtigkeit?!) und durchs „einwienern“ passte er wieder zu uns.
wir haben inzwischen auch ein weiteres dialekt lied „morgen samma nimma do“, das in nächster zeit rauskommen wird. es „reift“ schon seit ein paar jahren dahin.

MORGENSCHTEAN: Das Spiel mit der Sprache steht auch in deinen Kinderbüchern im Vordergrund. Deine Publikation „DORT FLIEGT SIE!“ war eine der Lyrikempfehlungen 2025. Entstehen deine Gedichte spontan? Was inspiriert dich?

ASTRID*WALENTA: oft inspirieren mich bilder der jeweiligen illustrator:innen, sie helfen mir, in eine welt einsteigen zu können. manchmal ist der text zuerst da, wie z.b. bei einer erzählung, die sich in realität in einem wiener kaffeehaus zugetragen hat und die ich „nur“ noch aufzuschreiben brauchte. bei meinen büchern, die nicht für kinder gedacht sind, beziehe ich mich auf bilder von künstlerinnen wie z.b. auf nachtfalter in dem buch „flügelverleih für nachtschwärmer“ oder auf abstrakte bilder, die mit espresso gemalt wurden, wie beim buch „espressorellen“.
beim erwähnten buch DORT FLIEGT SIE! war es ein ping-pong spiel aus wortspielereien und zeichnungen.
im letzten buch „innen“ ließ ich mich von räumen inspirieren, allerdings nicht literarisch, sondern als figur, die sich auf unterschiedliche räume auf der burg raabs einlässt und dabei in verschiedene rollen schlüpft. realisiert habe ich dieses projekt mit einer fotografin und es hat sich dann wiederum ein autor von unseren bildern/fotos inspirieren lassen.

MORGENSCHTEAN: Zuletzt noch die Frage: Hast du auch ein Lieblings-Dialektwort?
ASTRID*WALENTA: darüber habe ich noch nicht nachgedacht.  owa sogmamoi: schaumamoi!

April 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

letzte Publikationen (Auswahl)

esmeraldas*taxi

NEU:
petit bonheur!

stimme und ukulele: astrid*walenta
gitarren: gernot hochstöger 

ali angerer – tuba
herbie kopitar – electronics, percussion
lorenz raab – trompete und flügelhorn
michi scheed – gitarre
emily smejkal – bass
lea-carlotta walenta – bass 
 
recorded, mixed and mastered by herbie kopitar 
grafik syp•syp
foto maria frodl

Hinweis: Den Samba Austria hört man dann auch
in unserer neuen Folge von DialektSHOG

INNEN

artedition/ Bibliothek der Provinz, 2026
ISBN: 978-3-99126-327-2

astrid* walenta und Maria Frodl teilen die Faszination für besondere Orte – im vorliegenden Band für die Burg Raabs im Waldviertel. Die unterschiedlichen Innenräume der Burg versinnbildlichen dabei verschiedene Facetten einer Persönlichkeit.


mit Zeichnungen von Svenja Plaas
Bibliothek der Provinz , 2023
ISBN: 978-3-99126-187-2
empfohlen von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (2024) sowie auf lyrik-empfehlungen.de (2025)

DORT FLIEGT SIE!
Lyrik für Kinder

wer nicht fliegen kann
soll laufen
oder sich vier flossen kaufen

ein ping pong aus wort und bild:  „leichtfüßig daherkommende miniaturtexte treffen auf schnelle und spontane zeichnungen, welche teilweise zeichnerisch verschachtelt werden, so dass sie sich erst im laufe der seiten erschließen…


Interview: ERIKA KRONABITTER

Erika Kronabitter ist Lyrikerin, Autorin und Schreibpädagogin. In der neuen Ausgabe des Morgenschtean finden sich zwei ihrer Bünker-Übersetzungen in den Vorarlbergischen Dialekt.

Erika Kronabitter
Foto © Gerda Sengstbratl

MORGENSCHTEAN: In unserer neuen Ausgabe kann man Gedichte von Bernhard C. Bünker lesen, die du aus dem Kärntner Dialekt in den Vorarlberger Dialekt übertragen hast. Wie ist dieses Projekt entstanden?
ERIKA KRONABITTER: Bernhard C. Bünkers Gedichte haben mich gesucht und gefunden, ich glaube, so kann man das sagen. Ich hatte die Ehre, dass mir Patricia Brooks anbot, nach Hannes Vyoral die Herausgeberschaft der Podiumporträts zu übernehmen. 2020 sind Manfred Chobot und Axel Karner an mich herangetreten, um einen In-Memoriam-Band für Bernhard C. Bünker herauszubringen – mit einem Vorwort von Axel und einem Nachwort von Manfred. Die Zusammenstellung erfolgte durch die beiden Kollegen. So bin ich in Kontakt mit den Gedichten Bernhard C. Bünkers gekommen.
Darauffolgend hat mich Manfred zu einem „Übersetzungsprojekt“ eingeladen. Er übertrug Bünkers Gedichte ins Wienerische und hat mich eingeladen, einige in den Vorarlberger Dialekt zu übertragen. 

MORGENSCHTEAN: Schreibst du selbst auch manchmal im Dialekt?
ERIKA KRONABITTER: „Sehr manchmal“ schreibe ich im Dialekt. Ich bin, obwohl verwandtschaftlich von mehreren Dialektfärbungen geprägt, in die Hochsprache hineingeboren. D.h. meine Mutter hat mit mir bis zum 6. Lebensjahr eine Art „Hochdeutsch“ gesprochen. Mein 1. Volksschultag in Tisis (Vorarlberg) war folglich ein Trauma, denn ich konnte keines der Kinder verstehen, als sie fragten/sagten; „Tuasch mit ge Fangadis“. Ich habe die neue Sprache aber sehr schnell gelernt, mich integriert und hatte viele Freundinnen.

MORGENSCHTEAN: Und woher nimmst du deine Inspiration für deine Gedichte? Sind es Beobachtungen deiner Umwelt oder innere Prozesse, die dich antreiben?
ERIKA KRONABITTER: Ich schöpfe meine Ideen einerseits aus der Beobachtung, andererseits auch aus der Lust, mit den Worten zu spielen. Meist sind es Beobachtungen, Gehörtes, aber auch Verhörtes, die Auslöser für einen Text sind, auch Emotionen, ein innerer Prozess. Manchmal ist es nur ein Wort, das ich aufschreibe und sich später zu einem Gedicht entwickelt.

MORGENSCHTEAN: Welche Bedeutung hat das Spielerische für dein Schreiben?
ERIKA KRONABITTER: Mit Worten, mit Klängen zu spielen, Bedeutungen zu verfremden, Worte neu zu erfinden oder in andere Kontexte zu stellen, das ist die wirkliche Sprach/denkarbeit und geht weit über das „normale Schreiben“ hinaus. Ich versuche immer wieder, dies auch in meinen Texten anzuwenden. Diese Art des Schreibens – und auch auf diese Weise Geschriebenes zu lesen, finde ich besonders lustvoll, inspirierend, ich glaube, das produziert Glückshormone.
Auch nonense-Texte liebe ich. Nicht immer, aber zwischendurch sind sie für mich sehr wichtig. Schreiben ohne Sinn. Schreiben ohne Ziel. Brabbeln.
Ganz nebenbei bedeutet es auch eine persönliche Ermächtigung jeder/jedes Schreibenden, sich über grammatikalische und Rechtschreibregeln hinwegzusetzen.

MORGENSCHTEAN: Du bist ja auch als Schreibpädagogin tätig: Inwiefern beeinflusst diese Arbeit dein eigenes Schreiben – und was nimmst du umgekehrt aus deiner eigenen Praxis in die Vermittlung mit?
ERIKA KRONABITTER: Als Schreibpädagogin zu arbeiten und Autorin zu sein, bedeutet, dass man in einer sich gegenseitig bereichernden Wechselbeziehung lebt. Meine nun doch schon reiche Erfahrung als Autorin, die Freundschaft mit vielen Kolleg:innen, das Kennen all dieser verschiedenen Texte und Textzugänge sowie das Wissen um den Literaturbetrieb ist für die Teilnehmenden unseres Lehrgangs und unserer Workshops sicherlich wertvoll – egal ob sie sich als Schreibpädagog:in oder als Autor:in weiterentwickeln möchten. In der Ausbildung beim BÖS (Berufsverband Österr. Schreibpädagog:innen) legen wir großen Wert auf Haltung, Zuhören, Respekt und Wertschätzung. Es gibt keine Ellbogentaktik. Wir ermutigen die Menschen, ihre Stimme zu erheben, sich in der Gesellschaft einzubringen.
Die Teilnehmer:innen wiederum bringen selbst aus so vielen verschiedenen Bereichen Erfahrungen mit, bringen sich ein, es entstehen großartige Gespräche, Diskussionen, die natürlich auch ins Schreiben einfließen und zu welthaltigen Texte inspirieren. 
Würde die Politik (und die Wirtschaft, die ja die Politik vor sich hertreibt) erkennen, was Schreibpädagogik, was Schreiben insgesamt leistet, müsste man Schreiben (und auch Lesen) an die erste Stelle aller Prioritäten setzen. Denn: Was ist ein Leben, was ist Existenz ohne Lesen und Schreiben?

27. März 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

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DialektSHOG #12

DialektSHOG #12
Ausstrahlung am 2.6.2026

Link zum Livestream: https://helsinki.at/livestream/



Die Sendung kann hier ab 4.6. nachgehört werden

In der der 12. DialektSHOG-Ausgabe stellen wir wieder den neuen Morgenschtean vor. Diesmal dreht sich alles um „oide Hådern“ und „neiche Fetzn“, aber auch einen Ausflug nach Vorarlberg unternehmen wir. Klar, dass wir da auch in die Oidn Hådern vom Bilgeri hineinhören – und auch Kuno Kosmos wird eine Neuinterpretation des klassischen Eagles-Hit versuchen!

Zu hören gibt es Dialekttexte zum Thema von Silke Gruber, Katharina Zanon, Gertraud Kammerer, Katrina Mogler und Veronika Unger sowie Literatur aus Vorarlberg von Norbert Mayer, Birgit Rietzler und Margit Heumann.
Am Ende stellen wir dann noch das Dialektdebüt der Mostviertler Slammerin Jasmin Gerstmayr, das vor kurzem im Verlag am Rande erschienen ist, mit einer Hörprobe vor (Infos siehe unten).

Die Musikbeigaben sind diesmal von Pink Floyd, Dr. Halo, Bilgeri und Astrid Walenta.

[Über die Links gelangen Sie zu den Biografien der Autor:innen bzw. Infos zur vorgestellten Neuerscheinung.]

Gestaltung & Moderation:
Margarita Puntigam-Kinstner, Kuno Kosmos

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Interview: INGRID HOFER

Die in Lustenau lebende Ingrid Hofer ist Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin für Kinderlieder. Ihre Mission: Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen bringen. Für ihre Kinder-Tanz-DVD mit Gebärdensprache erhielt sie 2022 den Hubert von Goisern Kulturpreis. Auf ihrer neuen CD „Sommr, du lieba“ präsentiert sie 15 Kinderlieder zum Mitsingen und Mittanzen im Lustenauer Dialekt.

Ingrid Hofer
Foto © Adolf Bereuter

MORGENSCHTEAN: Du bist Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin. Was war zuerst da – das Schreiben oder die Musik? Oder waren es die Kinder?
INGRID HOFER: Da ich in einer musikalischen Familie aufgewachsen bin und meine Eltern beide Mundartautoren sind, waren Musik und das Schreiben immer schon in meinem Leben. Bereits in der Volksschule sang ich im Kinderchor und habe es gleichzeitig geliebt, Aufsätze zu schreiben! Erst mit den eigenen Kindern hat sich allerdings meine Liebe für Kindergeschichten und -lieder entwickelt und ich habe diese beiden Lieblings-Hobbies kombiniert und zum Beruf gemacht. 

MORGENSCHTEAN: Auf deiner Website schreibst du, dass du eine ganz klare Mission hast, nämlich Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen zu bringen. Woher nimmst du selbst deine Ideen, was inspiriert dich?
INGRID HOFER: Die größte Inspiration für meine Lieder und Geschichten waren und sind tatsächlich unsere eigenen drei Kinder. Außerdem verarbeite ich Begebenheiten, die in meiner oder der Kindheit meiner Eltern passiert sind oder die mir von Freunden, Bekannten oder der Teddy Eddy Community zugetragen werden. Ich verpacke diese „Alltagsgeschichten“, die in Familien mit (Klein)Kindern passieren, in meine Geschichten und Lieder. Inspiration finde ich zudem täglich, wenn ich unterwegs bin.

MORGENSCHTEAN: Wie entsteht bei dir ein Kinderlied?  Beginnst du mit dem Text oder mit der Melodie?
INGRID HOFER: Meist geht das Hand in Hand. Ich sehe, lese oder höre etwas, habe eine Blitzidee dazu, greife zum Handy und spreche eine kurze Textzeile in meine Aufnahme-App oder aber singe eine Melodie, die mir spontan einfällt. Oft entsteht dabei schon ein – meist holpriger und unrunder – Rohentwurf des Refrains. Es ist schon passiert, dass ich dann so hartnäckig an dieser Blitzidee gearbeitet habe, dass das Lied sofort entstanden und genauso geblieben ist, wie es dieser Moment wollte. Mein Anti-Mobbing-Song, den ich im Auftrag des Landes Vorarlberg geschrieben habe, ist während des Telefonats mit meiner Auftraggeberin Elfriede Böhler entstanden! In der Hauptschule wurde ich selbst gemobbt und während Elfriede mir ihre Projektidee am Telefon erklärte, war es, als hätte man bei mir einen Knopf gedrückt. Nachdem wir aufgelegt hatten, war das Lied quasi fertig geschrieben. Manche Lieder wiederum brauchen viel Zeit, bis Text und Melodie absolut stimmig sind. 

MORGENSCHTEAN: Denkst du beim Schreiben auch schon an dazu passende Bewegungen / Tänze, ans Mitmachen?
INGRID HOFER: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte beim Komponieren komplett frei sein, was das Textliche und Musikalische angeht. Sobald ein Lied fertig ist, treffe ich mich aber mit meiner großartigen Choreografin Nicole und wir entwickeln gemeinsam eine kindgerechte Tanz- bzw. Bewegungschoreografie. Das hat bis dato immer wunderbar geklappt und fühlt sich für mich sehr stimmig an.

MORGENSCHTEAN: Viele deiner Lieder und Texte sind im Lustenauer Dialekt. Was bedeutet dir dieser Dialekt persönlich? Und wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, Kinderlieder im Dialekt zu schreiben?
INGRID HOFER: Ich bin ein absoluter Fan des Lustenauer Dialekts. Er klingt so einzigartig, da er viele Triphtonge (drei aufeinanderfolgende Vokale) beinhaltet. Ei heißt bei uns zB „Äuoli“ … das können nur waschechte Lustenauer:innen richtig aussprechen. Vor fast 30 Jahren brachte meine Mama Veronika ein Musikkassette (!) mit Kinderliedern im Lustenauer Dialekt auf den Markt. Diese Lieder wollte ich digitalisieren und den Menschen über Streamingportale zugänglich machen. Da die Aufnahmen nicht mehr ganz dem heutigen Standard entsprechen, wollte meine Mama sie vorher aber neu arrangieren lassen und auch neu einsingen. So haben wir gemeinsam ein Projekt gestartet, jede von uns hat Dialektlieder beigesteuert und es ist ein Kinderliederalbum mit 15 Titeln auf „luschnouarisch“ entstanden. 

MORGENSCHTEAN: Wie reagieren Kinder auf den Dialekt? Verstehen sie alles oder ist es mehr ein spielerisches Entdecken von Sprache?
INGRID HOFER: Kinder sind fantastisch, denn ihnen ist es völlig egal, in welcher Sprache ein Lied gesungen wird. Sie entscheiden lediglich: gefällt mir oder gefällt mir nicht. Gefällt ihnen ein Lied, können sie plötzlich Lieder in Sprachen auswendig mitsingen, die daheim kein Mensch spricht! So haben mir schon Familien aus Nachbargemeinden berichtet, dass ihre Kinder jetzt lustenauerisch singen. Bei unserem Kinderliederalbum ist es so, dass Mamas Lieder noch einige Wörter beinhalten, die heute nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch zu finden sind und bestimmt auch nicht mehr alle Erwachsenen kennen oder verstehen. Wir sehen uns ein wenig als „Dialektpflegerinnen“ und freuen uns, wenn Anfragen von Familien kommen, was denn zB ein „Zinzlimaa“ (Zeisig) ist, der in einem Lied vorkommt. Es ist also ein spielerisches Entdecken der Sprache für Groß und Klein.

MORGENSCHTEAN: Gibt es bestimmte Wörter im Lustenauer Dialekt, die Kinder besonders lieben?
INGRID HOFER: „Pappilimuosa“ ist eines, das mir als erstes einfällt. Es beschreibt die musartige Masse, die entsteht, wenn Sand und Wasser gemischt werden. „Äuoli“ (Ei) ist ein Wort, dessen Aussprache waschechte Lustenauer Kinder gerne mit auswärtigen Kindern üben. Unser Jüngster liebt das Wort „Guggomrosôômo“ (Gurkensamen) und die älteste Tochter findet „Bômrännar“ (Spechtmeise oder auch Ausdruck für einen tollpatschigen/ungeschickten Menschen) richtig cool.

MORGENSCHTEAN: Hast du selbst auch ein Lieblingsdialektwort?
INGRID HOFER: Oh, ich habe einige! „Houozibollo“ (Backerbse) ist aber auf jeden Fall eines meiner Top-Favoriten! Darum hat der Houozibollo in meinem Kinderbuch auch eine Hauptrolle bekommen.

März 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

In Lustenau sagt man Äuoli

Hardcover, 36 Seiten
Bilder- und Liederbuch
ISBN: 978-3-903240-78-0
edition V, Bregenz
Produktion: fraumutz records, Lustenau

Bilder- und Liederbuch
Im Nest ist es dem Ei zu langweilig.
Zusammen mit der neugierigen Erbse (Buärli) und der quirligen Backerbse (Houozibollo) stürzt es sich ins Abenteuer. Unterwegs trifft das kugelige Trio auf Glüfchen Babett und seine Freunde. Auf ihrem gemeinsamen Ausflug durch Lustenau stolpern sie über kuriose Namen und sprachliche Missverständnisse rund um den außergewöhnlichen Dialekt. Dabei entdecken sie, wie überraschend Freundschaften entstehen können und ein friedliches Miteinander wichtiger ist als Namen oder Herkunft.

Eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft, das Überwinden von Vorurteilen und die Magie, die entsteht, wenn man gemeinsam etwas wagt. Perfekt für kleine Abenteurer und große Träumerinnen!
Illustrationen: Katharina Erhard

Cover: © Katharina Erhard

SOMMR, DU LIEBA
15 Kinderlieder im Lustenauer Dialekt zum Mitsingen und Bewegen von Ingrid Hofer & Veronika Hofer.
Mit Themen wie Sommer, Barfußlaufen, Schaukeln, Geburtstag feiern oder auch Schlafliedern entsteht ein abwechslungsreicher Mix, der Tradition und Freude vereint. Auch alte Mundartausdrücke werden wieder lebendig und machen dieses Album zu einem kleinen Schatz für Familien, die Freude an Musik und am Dialekt haben.

HÖRPROBE: „ZÄHLIBUTZA“, aus „Sommr du lieba“ von Ingrid Hofer

Produktion: fraumutz records, Lustenau

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Das Thema für unsere November-Ausgabe lautet:
Lastnradl, LKW und Luxusdampfa – von Packln und Patschn
Gesucht werden unveröffentlichte Dialekttexte zum Thema aus allen Teilen Österreichs.
Außerdem suchen wir Dialekttexte aus Wien für unsere Sonderseiten.

Einsendeschluss: 31. August 2026 (23:59)

Einsendebedingungen
– Bitte senden Sie entweder einen Prosatext zu max. 4000 Zeichen oder maximal 5 Gedichte (im Ausmaß von max. einer A4-Seite pro Gedicht).
– Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Adresse bekannt zu geben.
– Mit einer Einsendung bestätigen Sie, dass Sie den Text selbst verfasst haben (ohne KI) und dieser noch unveröffentlicht ist.
(Hinweis: Auch Übersetzungen in den Dialekt unterliegen dem Urheberrecht – falls Sie eine Übersetzung einreichen, müssen Sie eine Genehmigung des*der Urheber*in mitsenden).

Bitte senden Sie Ihre/n Text/e an morgenschtean@oeda.at.
Eine Kurzbiografie brauchen wir erst im Fall einer Veröffentlichung.

Da unsere Redaktion nicht durchgehend besetzt ist, kann es manchmal zu längeren Wartezeiten kommen, bis Sie eine Antwort erhalten.

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Interview: DANIEL BÖSWIRTH

DANIEL BÖSWIRTH im Interview

„Lyrik On Line / Lyrik auf Leinen“ – mit diesem Slogan forderte Daniel Böswirth Menschen in Wien und aus aller Welt auf, ihre Gedichte in den öffentlichen Raum zu hängen bzw. hängen zu lassen. Am Ende des Projekts wurden die Werke in einer Finissage ausgestellt, die schließlich auch in die Hauptbücherei am Gürtel wanderte, wo Daniel Böswirth gemeinsam mit einigen Autor*innen die Anthologie zum Projekt vorstellte.
Mittlerweile ist die zweite Anthologie erschienen – mit Gedichten, die in der Hauptbücherei in den Briefkasten geworfen wurden
.

Daniel Böswirth
Foto © Luisa Puiu

MORGENSCHTEAN: Mit dem analogen Projekt „Lyrik On Line“ hast du Lyrik in der Seestadt und auch an anderen Orten Wiens sichtbar gemacht. Warum ist es dir wichtig, das Gedicht aus dem Buch heraus zu lösen und in den Alltag der Menschen zu bringen?

DANIEL BÖSWIRTH: Es geht um die Kernfrage: „Wem gehört der öffentliche Raum und was machen wir daraus?“ Obwohl wir alle im Besitz des öffentlichen Raums sind, darf ihn nur ein kleiner Teil für seine kommerziellen Zwecke nutzen, die große Mehrheit bleibt ausgesperrt. Meine Projekte verstehen sich als öffentliche Intervention. Und was nützt es dem schönsten Gedicht, wenn es nicht gelesen wird, sondern im Archivgrab eines Tiefspeichers verschwindet?

MORGENSCHTEAN: Deinem Aufruf, unveröffentlichte Gedichte zu spenden, sind u.a. auch viele namhafte Lyriker*innen nachgekommen. Wichtig war dir aber, dass alle mitmachen konnten. Wie viele Gedichte wurden insgesamt „On Line“ (auf Leinen) gehängt?

DANIEL BÖSWIRTH: Ich wollte den gewöhnlichen Rahmen einer Anthologie sprengen. Es gab kein vorgegebenes Thema, die Gedichte konnten in jeder Sprache geschrieben werden und ich wollte möglichst viele erreichen. Blindenheime, Strafanstalten, Schulen, Passantinnen und Passanten, Betreuungseinrichtungen, Künstervereinigungen, Jugendvereine, Akademien etc. Ich machte mich auch aktiv auf die Suche nach Gedichten. So habe ich auch schon in Vorstadtcafés die Leute aufgefordert, mir ein Gedicht zu schreiben. Ich halte nicht viel von elitärer Selbstabschottung. Erst wenn man aus der Blase tritt, platzt sie! Konfrontation belebt die Poesie! Gezählt habe ich die eingelangten Gedichte nicht. Aufgehängt an die gespannten Leinen habe ich viele, in verschiedenen Stadtteilen Wiens. Es ging in die hunderte. 

MORGENSCHTEAN: Gab es auch Menschen, die sich das erste Mal getraut haben, ein Gedicht zu verfassen bzw. öffentlich sichtbar zu machen?

DANIEL BÖSWIRTH: Ja, zum Beispiel Volksschulkinder, die davor noch nie eines geschrieben hatten. In den holprig mit krakeliger Handschrift verfassten Zeilen eines Kindes steckt oft mehr Poesie als in den geglätteten Versen renommierter Lyriker oder Lyrikerinnen.

MORGENSCHTEAN: Lyrik gilt nach wie vor ein Nischenprodukt, sie wird oft als sperrig und schwer verkäuflich bezeichnet. Gleichzeitig schreiben sehr viele Menschen Gedichte. Warum, glaubst du, ist das so?

DANIEL BÖSWIRTH: Ein Gedicht zu schreiben ist nicht schwer, ein gutes allerdings sehr. Nicht umsonst wird Lyrik oft als die Königsdisziplin in der Literatur angesehen. Doch man braucht vermeintlich nicht das Durchhaltevermögen, wie man es beim Verfassen eines Theaterstückes oder eines Romans haben muss. Man nimmt Zettel und Stift und probiert etwas. Eine richtige Schwemme an Gedichten ist auf Instagram zu beobachten. Das passt gut in unsere Zeit. Man will Aufmerksamkeit. Um jedoch komplexe Lyrik verstehen und schreiben zu können, muss man sich eingängig mit Sprache auseinandersetzen. Das passt weniger in unsere Zeit. Deswegen ist Lyrik ein Nischenprodukt.

MORGENSCHTEAN: Gab es während des Projekts eine Begegnung oder Rückmeldung, die dich besonders überrascht oder berührt hat?

DANIEL BÖSWIRTH: Die weltweiten Einsendungen. Es sind Gedichte in Farsi, Chinesisch, Slowenisch, Koreanisch, Englisch, Ungarisch, Französisch, Japanisch und in vielen anderen Sprachen zugesandt und aufgehängt worden. Die Welt als globales Dorf. Eines der schönsten Gedichte hat jemand anonym an die Leine gekluppt. Es handelt vom Ungewissen im Morgen. Überrascht hat mich auch die Vielfalt. Es waren übrigens nicht immer Gedichte, die an der Leine befestigt worden sind:  Auch Zeichnungen, Collagen und Bilder wurden dazu gehängt.

Lyrik On Line / Photo © Daniel Böswirth

MORGENSCHTEAN: In der Anthologie finden sich auch Gedichte im Dialekt. Was bedeutet dir persönlich der Dialekt – auch im Bezug auf dein eigenes Schreiben?

DANIEL BÖSWIRTH: Dialekt ist unmittelbarer, direkter, freier, wandlungsfähiger als die Hochsprache und manchmal auch präziser, näher an der phonetischen Realität. In meinem Gedicht über Dr. Jekyll und Mr. Hyde kommen die Zeilen vor: und es schneid und es schneit duachn schnee und durch di leit. Der Schnee ist weich und fällt leise und wird folgerichtig im Dialekt als schneid weich ausgesprochen. Doch wenn jemand mit dem Messer den Schnee duachschneit, ist es ein metallischer, harter Vorgang. In der Hochsprache ist es genau umgekehrt. Die Scheide des Messers wird mit butterweichem d geschrieben, während beim Verb schneien in der 3 Person es schneit eine Verhärtung durch die Normierung der Grammatik erfolgt. Die Ironie der literarischen Figur des Dr. Jekyll und Mr. Hyde als Heiler und Mörder in einer Person lässt sich in der Schizophrenie der Sprache festmachen, denn er zieht sich tagsüber das hippokratische Mäntelchen der Hochsprache an, um es nächtens mordend dialektal fallen zu lassen.

MORGENSCHTEAN: Gibt es Pläne, wieder etwas im öffentlichen Raum zu starten?

DANIEL BÖSWIRTH: Aktuell ist die Anthologie „Eingeworfen/Gedichte aus dem Briefkasten“ erschienen. Im Oktober 25 hängte ich im Zuge der Ausstellung LYRIK ON LINE einen weißen Briefkasten ins Foyer der Wiener Hauptbücherei. Aus den eingeworfenen Gedichten entstand dieser Band, in dem auch Dialektgedichte enthalten sind. Meine Initiative, eine öffentliche Poesie-Gedankenhaltestelle – eine Art poetische Begegnungszone – in Wien zu errichten, bei der zwar der Körper an Ort und Stelle bleibt, aber der Geist wegfährt, scheiterte bisher am mangelnden Interesse der Institutionen oder Kooperationspartnern.

März 2026
Die Fragen stellte Margarita Puntigam-Kinstner

Die Anthologien

Ankündigung:

vexierkavalier
Vernissage mit Buchpräsentation

am 20.05.2026 um 19:00

im „Stadtraum Mitte 15“, Rustensteg 1, 1150 Wien

am Akkordeon: Philipp Yavorskyi

Die Ausstellung ist von 21.05 bis 24.05 2026 (jeweils von 16:00 bis 21:30) geöffnet

„Mir taugt das immer, wenn wer den Dialekt behält”

EL AWADALLA WIRD 70
– DAS INTERVIEW AUS DEM RÜDIGERHOF

El Awadalla hat Anfang der 2000er den Morgenschtean gerettet, die Widerstandslesungen bei den Donnerstagsdemos organisiert, wollte als Bundespräsidentin kandidieren und hat sogar bei der Millionenshow gewonnen. Zeitlebens setzt sie sich für Gerechtigkeit ein und verarbeitet das auch in ihrer Dialektlyrik. Anlässlich ihres 70. Geburtstages am 31. März hat Lea Bacher sie in einem ihrer Lieblingslokale in Wien, dem Rüdigerhof, getroffen. 

Hinweis zum Transkript
Das Transkript ist eine gekürzte Version. Die vollen Antworten hören Sie jeweils über die Audiospur!
@ Mario Lang

El Awadalla: Viel mehr Witz und Kreativität jedenfalls. Mir machen auch die ganzen Färbungen im Dialekt eine Freude. Ich kann mittlerweile den Leuten zuordnen, welchen Dialekt sie haben, auch wenn sie Hochdeutsch reden. Manchmal sind sie ganz entsetzt, dass ich das trotzdem raushör. Und man kann manche Sachen viel direkter sagen oder viel mehr umschreiben. Und ich seh, dass das heute wirklich verloren geht. Es klingen alle nur mehr noch wie RTL. Es geht dadurch ja auch der Sinn für Ironie verloren. So langsam fühl ich mich wie eine Chronistin von sterbenden Zeiten. So hab ich mich nie gesehen, aber es entwickelt sich langsam in die Richtung. 
Wie ich angefangen hab zum Dialektschreiben, haben viel mehr Leute im Dialekt gesprochen, das Schreiben im Dialekt war aber etwas Merkwürdiges. Oder besser: Es haben immer Leute im Dialekt geschrieben – Mundart. Mir tut das heute noch weh, wenn jemand das Wort Mundart sagt. Die Unterscheidung geht noch auf eine Zeit vor mir zurück. Mundart, das ist: „Hoamat, Hoamat, i han di so gern.“ Das ist unreflektiertes Schreiben. Schreiben im Dialekt impliziert eine kritische Haltung. Das geht auf den H.C. Artmann zurück und das Manifest in den 1950ern.
In anderen Regionen ist das anders. Die haben die Neue Mundart, was bei uns der Protestzeit in den 1970ern entspricht. Damals war die Anti-Zwentendorf-Bewegung, da hat es irrsinnig viel im Dialekt gegeben. Auch weniger geniale Texte wie „Atom ist saudumm“, aber in einer Protestbewegung ist das wichtig. Mehr oder weniger zeitgleich war die erste Austropop-Welle. Da gefällt mir nicht alles, aber es war wichtig, dass es das gegeben hat.  

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „Dialektliteratur“)

*

Lea Bacher: Du sagst, deine Dialektgedichte und dein politisches Engagement hängen eng zusammen. Wann hast du begonnen, im Dialekt zu schreiben? War das schon vor Zwentendorf und Hainburg? 

El Awadalla: Ja, das war schon davor. Ich war gar nicht in Hainburg, weil ich da ein kleines Kind hatte. Aber in Zwentendorf war ich voll dabei. Und eigentlich hat das politische Leben schon vorher angefangen, und zwar mit Lehrlingsgschichten. Ich war ja selbst in der Lehre und es war wirklich arg, wie sie uns da behandelt haben. Wir sind die ganze Zeit Bier einkaufen gegangen. Und so wie die Chefs mit uns Madln geredet haben, das wär heute  sexuelle Belästigung und sie würden fristlos entlassen. Meinem ersten Chef hab ich wirklich einen Arschtritt gegeben, mit 15. Er greift mir am Arsch und dann hab ich mich umgedreht und ihm einen Arschtritt gegeben.

Lea Bacher: Recht hast du. 

El Awadalla: Ja eh, aber das war damals die absolute Ausnahme. Du hast dir als Madl ja alles gefallen lassen müssen. Diese Lehrlingsgschichten waren sozusagen mein allererstes politisches Engagement. Weil es da wirklich um mich gegangen ist.

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „politisches Engagement“)

*

Lea Bacher: Du sprichst dich ja auch gegen Praktika aus.

El Awadalla: Ich war 22 Jahre lang Lohnverrechnerin im Literaturhaus. Wir haben dort ja immer Praktikantinnen gehabt. Die bekommen mehr oder weniger kein Gehalt, sprich, sie zahlen auch keine Sozialversicherung. Das Geld fehlt jetzt im Umlageverfahren, das heißt, für meine Pension muss jetzt wer arbeiten. Und natürlich fehlt ihnen selbst später auch die Zeit für ihre eigene Pension. Und der Gender Gap bei den Pensionen ist ja nach wie vor drastisch.
Ich hab diesbezüglich auch den Pensionistenvereinen geschrieben, dass sie sich drum kümmern sollen. Von der ÖPV habe ich interessanterweise eine Antwort bekommen. Von der SPÖ nicht. (…) Der von der ÖVP hat mir zugestimmt und versprochen, dass sie sich einsetzen werden – aber passiert ist dann eh nix.
Aber ja, ich bin nach wie vor gegen die Praktika. Wir hatten eine Mitarbeiterin, die war 31, hatte zwei Abschlüsse und war Praktikantin. Das ist eine absolute Sauerei! Da musst du erst mal Eltern haben, die sich das leisten können! (…)
Das ist so meine Perspektive auf die Welt, immer von den armen Leuten aus gesehen, ich komm auch von armen Leuten. Ich bin mittlerweile nicht mehr arm, aber ich weiß, wie das ist.

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „Praktika“)

*

Lea Bacher: Hat sich da etwas für dich verändert, als du 2005 bei der Millionenshow gewonnen hast? 

El Awadalla: *lacht* Das fragen alle. Nicht wirklich. Ich mein, was sich verändert hat, ich hab ja wirklich auf die Millionenshow hingearbeitet. Weil wir haben ein Haus gekauft, auf der Wienzeile, nicht weit vom Rüdigerhof – das ist schon wirklich eine Gschicht für sich, weil da war ein Puff drin. Die alte Besitzerin ist gestorben und das Puff wollt das Haus kaufen. Wir waren dann der Meinung, dass man nicht in einem Haus wohnen kann, das einem Puff gehört. Also hab ich eine Finanzierung zusammengestoppelt. Unter anderem hab ich mir Geld vom Mann meiner Freundin ausgeliehen. Da haben wir uns bei der Post getroffen, er hat mir 10.000 Schilling überreicht und ich hab ihm auf so einem Bierzettel unterschrieben, dass er die zurückkriegt. Das Kapital habe ich ja vorweisen müssen, um einen Kredit zu kriegen. Zum Schluss hab ich dann 2.200 Euro Kreditraten im Monat gezahlt. Da hab ich schon viele schlaflose Nächte gehabt. Mein Plan war immer, ich geh zur Millionenshow und gewinne. Und das hab ich dann auch gemacht. Ich glaub du musst es vorhaben, dass du die Million gewinnst. (…) Mit der Million hab ich dann die Fassade hergerichtet und den Kredit zurückgezahlt. Aber weißt du was arg ist?  Mitte des Monats ist die Million aufs Konto gekommen. Die haben mir sofort die Kreditrate auf 1.850 Euro runtergesetzt und weil die Rate ja immer am Beginn des Monats abgebucht wird, haben sie mir das wirklich zurücküberwiesen. Rechne dir das aus, das sind 350 Euro weniger, weil wenn du Geld hast, ist der Kredit billiger. Das ist der echte Kapitalismus, das ist absurd. 

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „Millionenshow“)

*

Lea Bacher: Vielleicht kurz zum Morgenschtean. Du kennst ihn ja schon ganz lange. Kannst du da von den Anfängen erzählen? 

El Awadalla: Ich habe ihn gerettet, ja. Ich kenne den Morgenschtean schon von Anfang an, ich hab ja früher alle Literaturzeitschriften, die es gegeben hat, abonniert und hab auch den Morgenschtean Nummer 1 in der Hand gehabt. Ich hab vorher schon Dialektgedichte geschrieben, aber nicht so intensiv. Da hab ich mir gedacht, denen schick ich meine Dialektgedichte als El Awadalla und sie haben die auch gleich genommen. (…) Der damalige Geschäftsführer ruft bei mir an und sagt: „Dem Namen nach hab ich geglaubt, dass Sie ein Mann sind.“ Hab ich gesagt: „Solange die Männer in unserer Gesellschaft privilegiert sind, werde ich gern für einen Mann gehalten.“ Dann war mal eine Schweigeminute am Telefon, das hat er müssen verdauen, was ich da gesagt hab.

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „Morgenschtean“)

*

Lea Bacher: Wie hat sich nach deiner Auffassung der Dialekt verändert, in den letzten 20 Jahren? 

El Awadalla: Ich hab 2014 die ersten U-Bahn-Dialoge rausgebracht. Ich hab immer wieder was aufgeschrieben, was die Leute in der U-Bahn geredet haben, nach dem Motto, das glaubt dir ja sonst keiner. Und hab das dann bei Poetry Slams gelesen. Die Mieze Medusa hat dann eine Anthologie gemacht und wollte auch ein paar U-Bahn-Dialoge haben. Und dann ruft mich die Vanessa Wieser an, die Verlegerin vom Milena, da bin ich jetzt auch noch, und sagt: „Magst nicht ein Buch machen mit den U-Bahn-Dialogen?“ Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass man daraus ein Buch machen kann. Ich sagte: „Ja, mach ich, aber  dann hab ich auch den Ehrgeiz, dass alle Stationen dabei sind und ich muss jetzt ein halbes Jahr U-Bahn fahren.“ 
Jetzt im Herbst hat sie mich angerufen und gefragt, ob ich nicht wieder U-Bahn-Dialoge schreiben will. (…) Die Dialoge sind fertig, die werden im Herbst erscheinen. Ich hab Lesungen gemacht mit den alten und den neuen Dialogen. Und da bin ich draufgekommen, die neuen sind viel kürzer, es gibt viel mehr Handygespräche, die Art, wie man kommuniziert, ist anders. Und sprachlich hat sich total viel geändert.

Lea Bacher: Das heißt, die Leute reden anders? 

El Awadalla: Ja, die jungen Leute reden wirklich anders. Das ist ganz schön, wenn man junge und alte beieinander hat. Die wechseln dann auch die Sprache, die reden dann einfach anders. Es wird oft so ein Pseudo-Hochdeutsch geredet und viele klingen echt oft wie Deutsche. (…) Manche sagen aber schon, sie behalten den Dialekt bei, weil das ist ja ein Teil von mir, das bin ja ich, meine Sprache ist ein Teil meiner Persönlichkeit, und zwar ein wichtiger. Mir taugt das immer, wenn wer den Dialekt behält. Das ist aber nicht leicht, weil du bist ja immer dem Gruppendruck ausgesetzt.

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „Dialekt damals und heute“)

*

Lea Bacher: Was würdest du jungen Autorinnen und Autoren mitgeben, die im Dialekt schreiben? Gerade auch in Zeiten, wo es schwierig ist auf dem Buchmarkt? 

El Awadalla: Ja, es ist leider wirklich schwer am Buchmarkt, das stimmt. Du musst eine Freude damit haben. Wenn du keine Freude hast mit dem Dialekt, brauchst du es erst gar nicht machen. Und es gibt eine einzige Regel: Mach deine eigenen Regeln und halt dich daran! Und hör nicht drauf, was die Leute reden. Mir ist schon wichtig, das war immer meine Intention, das ist die Sprache von den armen Leuten, von den Arbeiterinnen und Arbeitern, und die Sprache hat ein Recht auf eine literarische Form. Und sie haben ja was zu sagen. Und sie haben auch ein Recht, in ihrer Sprache angesprochen zu werden, im Dialekt halt. Das sind so meine Intentionen und das kann ich so weitergeben. 

Lea Bacher: Vielleicht als Abschluss: Was wünscht du dir zum Geburtstag? 

El Awadalla: Nichts. Gar nichts. Vielleicht Friede auf der Welt, aber das klingt immer so kitschig und bombastisch. Aber das würde ich mir wirklich wünschen. Sonst nichts. 

Mitschnitt: Lea Bacher und El Awadalla im Rüdigerhof (Abschnitt „Was würdest du jungen Autorinnen mitgeben, was wünscht du dir zum Geburtstag?“)

Gehrer, Elmar

Elmar
Gehrer

Mitglied von „Literatur Vorarlberg“
Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien, Zeitschriften und im ORF.

Spiegel-Vetter, Astrid

Astrid Spiegel-Vetter

Geboren 1963 in Lustenau / Vorarlberg
Ausbildung in Modedesign und Grafik, international tätig. Sie hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Mann in Dornbirn, ist aber an vielen Orten zu Hause, am liebsten zwischen zwei Buchdeckeln.
Schreibt Kurzprosa und Lyrik, um ihre Gedankenwelt zu ergründen.
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Anthologien; diverse Kunstprojekte

Mayer, Norbert

Norbert Mayer

geb. 1958, lebt in Schwarzenberg / Bregenzerwald
Literarischer Arbeitsschwerpunkt: Lyrik und Kurztexte

Auszeichnungen (Auswahl)
2000 – Literaturstipendium des Landes Vorarlberg,
2010 – „Irseer Pegasus“ – Preis der Fachjury,
2020 – Kunstpreis des Landes Vorarlberg,

zahlreiche Publikationen, u.a.
„die roßquelle“ und „wortungen“, haymon verlag, Innsbruck
„seanno“, Landesarchiv / F.M. Felderverein, Bregenz
LP „Ü“ – Texte&Musik (mit Alfred Vogel), boomslang-records, Bezau
„zerwirbelt & verwoben“, haymon verlag, Innsbruck, 2025

Kronabitter, Erika

Foto © Gerda Sengstbratl

Erika
Kronabitter

Geboren 1959 in Hartberg/Stmk, frühe Kindheit in NÖ und Wien, 1965 Übersiedlung nach Vorarlberg. Lebt und arbeitet in Vorarlberg und Wien.

Hilbrand, Sarah

Foto © Carola Eugster/ Bludenz

Sarah
Hilbrand

Wurde im Sommer 1984 im westlichsten Bundesland Österreichs geboren und wuchs im Klostertal heran. Als Jugendliche schrieb sie Tagebuch, erste Gedichte und andere Texte. Der Mut, sich damit zu zeigen, musste jedoch erst in ihr wachsen. Heute lebt sie in Bürs und gehört zum Netzwerk der Literatur Vorarlberg. Lebenskünstlerin durch und durch. Am liebsten schreibt sie den Menschen mitten ins Herz.

Dünser, Jytte

Jytte Dünser

Natter, Maria

Maria Natter

Geboren 1977, lebt und arbeitet im Bregenzerwald.
Schreibt, zeichnet und malt.
Mutter zweier Töchter, arbeite als Kindergartenpädagogin in einer Waldgruppe. 

Marte, Astrid

Astrid
Marte

Geboren 1958,
lebt in Satteins, Vorarlberg,
schreibt Lyrik und Kurzprosa in Schriftdeutsch und im alemannischen Dialekt.

Ihre Texte hat sie in zahlreichen Anthologien, in Zeitschriften, bei diversen Lesungen und im Rundfunk veröffentlicht.
Sie leitet regelmäßig Schreibwerkstätten. Die literarische Arbeit mit Kindern liegt ihr besonders.

Sie ist Mitglied bei Literatur Vorarlberg – dort im Vorstand der Gruppe Mundart – und Mitglied beim Internationalen Dialektinstitut.

Hofer, Ingrid

© Adolf Bereuter

Ingrid Hofer

Kinderbuchautorin, Singer-Songwriterin und Komponistin für Kinderlieder. Ihre Mission: Kinder und Erwachsene wieder mehr ins (Vor)lesen, Singen und Tanzen bringen. Für ihre Kinder-Tanz-DVD mit Gebärdensprache erhielt sie 2022 den Hubert von Goisern Kulturpreis.

Grohs, Sabine

© Stefan Kothner

Sabine
Grohs

Geboren 1968 in Bludenz
Studium: Publizistik und Musik, Abschluss 1994
Arbeit in internationalen Werbeagenturen, journalistische Tätigkeit, Dozentin an der Werbeakademie Wien u.a.
Durchgehend: Musik (Cello, Klavier) in Bands und Ensembles
2014 Heimkehr nach Bludenz
2019 und 2021 Publikation von regionalhistorischen Romanen: „Außer Haus. Die Wirklichkeit ist eine Möglichkeit von vielen“, ISBN 978-3-9504847-0-0 und „Dönz. So weit man weiß“, ISBN 978-3-9504847-3-1
2021 und 2022 Preise der igFEM
seit 2022 Kulturmanagerin für die Region Walgau in Vorarlberg
drei Töchter

Langebner, Peter

Peter Langebner

Schreibt in Schriftdeutschwie auch im Dialekt.
Seine Dialektgedichte sind mehrheitlich experimentell.

Stahl, Maria

Maria Stahl

Rietzler, Birgit

Birgit Rietzler

Georen 1961, aus Au in Vorarlberg.
Schreibt Lyrik und Prosa in Mundart und Schriftdeutsch
Publikationen bei Hecht-Verlag, Edition bahnhof Andelsbuch und Kyrene-Verlag.
Beiträge in Anthologien, Literaturzeitschriften, im Rundfunk.
Vermittelt‚Kreatives Schreiben‘ nach der Methode der ‚Wiener Schreibpädagogik‘.
Mitglied beiLiteratur Vorarlberg, OEDA (Österr. Dialektinstitut)BOes (Berufsverband österr.
Schreibpädagogen/innen) und Vorstandsmitglied beim IDI (internat. Dialektinstitut)
(zuletzt aktualisiert 2023)

Wohlmut, Robert

Robert Wohlmut


ist Autor aus Wien.
Er schreibt nahezu ausschließlich in seinem Wienerisch, er mag Dialekt und schätzt Dialekt sehr als Ausdrucksmittel, es ihm die Möglichkeit gibt, Polaritäten, Dissonanzen, innere und äußere Konflikte auf besondere Art zu verhandeln. 
Er liest gern, nahezu überall und in unterschiedlichen Formaten, Einzellesungen, teils mit live-Impro-Musik, Gast in Lesereihen, Wohnzimmerlesungen etc. etc.
Eine besondere Freude ist es ihm, die Lesereihe „lesen DeLux“ zu organisieren und mit drei Autor*innen, nahezu monatlich, an immer anderen Orten zu lesen, neue Texte zu schreiben und auszuprobieren. Der Kontakt mit den Zuhörenden und der Prozess mit den Schreibenden ist ihm große Freude. Er liebt schreiben, sein ausdrücken.

Literarische Beiträge von Robert Wohlmut finden Sie in den Morgenschtean-Ausgaben:
U88–89/2026

Mogler, Katrina

Katrina Mogler

*1988 in Kärnten, lebt und arbeitet in Wien.
Ihre Arbeiten drehen sich um die Themen Identität, Gewalt, Trauma. Prägend für ihre Arbeit war das Stolpern durch verschiedene Lebensrealitäten und die Geschichten der Menschen, denen sie in ihrem Leben begegnen durfte.
Sie ist Mitglied der IGfem und schreibt Essays, Prosa und Lyrik.

Katrina Mogler auf Instagram

DialektSHOG #11 zum Nachhören

DialektSHOG #11 zum Nachhören

Link zum Archiv: https://cba.media/751032

Im Mittelpunkt unserer 11. Dialekt-Sondersendung steht wieder eine neue Ausgabe der Dialekt-Literaturzeitschrift MORGENSCHTEAN –  und diese trägt, wie auch unsere Sendung, den Titel: „Geisterbahn, Ganslhaut und Gruslkabinett – vom alltäglichen und außergewöhnlichen Horror“.

Zu hören gibt es (zum Teil vertonte) Dialekttexte von H.C. Artmann, Lea Bacher, Dominik Kurcsics, Katherina Braschel, Eva Surma, Sabina Fudulakos, Dominik Unterthiner, Simon Scharinger, Äffchen & Craigs und Robert Anders – und auch viel Musik.

Als besonderes Schmankerl hört ihr ein Interview mit der Autorin Katherina Braschel, die von ihrem gruseligen Aufenthalt in Ohio erzählt.

******

In der Sendung empfohlene Neuerscheinungen
Katherina Braschel Heim holen, Roman, Residenz Verlag, erscheint 2026
Robert Anders: Wer braucht schon Tischmistkübel, Dialektlyrik und Dramollettes, Verlagshaus Hernals, 2025
Äffchen & Craigs: Gegen olles (wos ned passt), Album, Wolfgang Lehmann 2025

Gestaltung & Moderation:
Margarita Puntigam-Kinstner, Kuno Kosmos

Link: https://cba.media/751032

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Dialektshog

Ferner, Katharina J.

Katharina J. Ferner

Foto: © Mark Daniel Prohaska

Katharina J. Ferner ist Poetin, Performerin und Kulturvermittlerin. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift mosaik.
Mitglied der Ö.D.A.
Regelmäßige Kolumne „Fernpost“ in & Radieschen.
Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone.
Teilnahme am Bachmannpreis-Wettlesen 2021.
Sie schreibt Lyrik-Rezensionen für die Reihe lyristix auf Instagram. Diverse Stipendien und Auslandsaufenthalte, u.a. am Literarischen Colloquium Berlin.
Jüngste Veröffentlichung: salamanderin, Limbus, 2025.

Einzelpublikationen

– „Wie Anatolij Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine Revolution auslöste“, Wortreich, 2015
– „Krötentage“, Limbus, 2022
– „Der Anbeginn“, Limbus, 2020
– „nur einmal fliegenpilz zum frühstück“, Limbus, 2019

Böswirth, Daniel

Daniel Böswirth

geboren am 08.08.1968 in kaltenleutgeben bei wien, lebt als freier autor, grafiker und fotograf mit seiner lebenspartnerin in wien. arbeiten für den österreichischen rundfunk („die kunde” hörspiel, „st. petersburg” prosa). ein lyrikband erschien in der reihe experimentelle texte (karl riha/universität siegen). linolschnitte seit 1990.

(Quelle: sevenpoemssevendays.at, 29.10.2022)


Daniel Böswirth: Projekt „Poesie in Wien“ © privat

Kammerer, Gertraud

Gertraud Kammerer

Gertraud Kammerer. Geboren 1967 in Braunau am Inn (Oberösterreich).
Lebt seit 2010 in Wenig im Innkreis.
Verdient ihr „Gerschtl“ zumeist mit prekären Beschäftigungsverhältnissen in Industrie und Handel. Streichst das „Prä“ und das i aus Präkariat bleibt a Karat.

Schreibt seit 40 Jahren für die Schublade und manchmal für einen Poetry-Slam.
Motto: „Umwege erhöhen die Ortskenntnis.“

Doris Leeb
AN MENSCHN

Doris Leeb
AN MENSCHN

I wünsch da

An Menschn, der di vasteht wia koa ondara

An Menschn, der di im richtign Moment zaum scheißt

An Menschn, der den gleichn Schmäh hot wia du

An Menschn, der di umoamt, in genau da richtign Stärkn

An Menschn, der di wiaggle segt

An Menschn, der mit dir stü sei ko

An Menschn.

Wünsch i da.

****
aus: Doris Leeb. Menscha. Dialektposie. edition panoptikum 2025
> zur Rezension auf oeda.at



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🎧 Lea Bacher
OIM

Wia sitzn auf da oim am lågafeia und hazn gscheid ae
Weis nua sechzehn grad håd
Am nächstn dåg in da fruah gemma 
Schwoazbean brockn mit am schwoazbea riffl
Und måchn an steaz
Setzn uns aufs bankal ind sonn 
Und schaun den kiahn beim gråsn zua
Bei da jausn sitz ma daun in da kuchi
Du beißt åbwechslnd 
Am wiaschtl, am guakal, am kás und am brot ó 
„Wås braucht ma an barista kaffee ausm siebtn beziak,
Wemma an löslichen müüchkaffee auf da hittn håm kó?“, frågst
Wiast so då sitzt, in deim kabúznbulli, da haum und de gummistüfe
Kummts ma gaunz sötsåm voa 
Dåssd unta da wochn 
Joanalist in da stådt bisd 

Text von der Autorin vorlesen lassen


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🎧 Lea Bacher
OPFI

„Des, wås mi am meisten aufregt, is
De zwa kabin san genau gleich
San wáhscheinlich vom söbn menschn 
Dea nix dafia griagt
In da söbm fabrik 
Am söbn dåg
Ausm söbn glumpad
Zompickt woan
Zom in ána kistn
Um d’hoibade wöd gschifft 
Damit i’s heid auspock 
Des oane kabi kost hoid dreimoi so vüü 
Ois des ondare 
Und da anzige untaschied? 
Bei ám bickt hoid a opfi drauf.“  

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🎵 Simon Scharinger
DICKA

Meine Leid: i hob se so gern
mei Vawondtschoft, de dõ, de in Wean
ma siagt se eher sötn, meistens is des scho zvü
oiwei dessööbe, nua aundas an Promü 

Vastehts mi ned foisch: i hob se wirklich gern
trotzdem muas und wüü i ned olle ständig seng und hean

Bluat is dicka, dicka ois Wossa
owa Honig is dicka ois Bluat
und a Senf is dicka ois Honig
a Hollandaise is dicka ois Senf, na guat 

Meine Leid: i konn se guat leidn 
nua duat des Leid de Liab oft übasteign
drum soits es ned mit da Vawondtschoft übatreibm
Geburtstag, Ostern, Weihnochtn, ois aundre is zum Speibm

Vastehts mi ned foisch: i hob se wirklich gern
trotzdem muas und wüü i ned olle ständig seng und hean

Bluat is dicka, dicka ois Wossa
owa Honig is dicka ois Bluat
und a Senf is dicka ois Honig
a Hollandaise is dicka ois Senf, na guat 

Kartoffelpüree oda a Semmelkreen
a Steaz, a Müchrahmsuppm oda a glschogena Schnee
Zitronenparfait, Verhackerts oda Haschee
irgendwos is imma dicka, ihr wissts es e

Bluat is dicka, dicka ois Wossa
owa Honig is dicka ois Bluat
und a Senf is dicka ois Honig
a Hollandaise is dicka ois Senf, na guat 

Musikvideo Gesangskapelle Hermann


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Ulrike Titelbach
KOZN UND VÖGÖ

da oma iare liabstn vicha woan de vögö. dawei iss söwa 
nia ausgflogn. si woa in gaunznd dog dahoam
hod kochd, aufgramd und bügöt. 

oba waun zeid woa, hod si si a weng 
zan fensta hi ghugd und hod aussi gschaud.

wei doatn, rund ums vogehaisl do had si si ogschbüd. 
do san de vögö gsessn haufnwais, haum si in bauch voigschlong
mid oi de gaunzn keandl, dewoss eana doatn ausgschdraad hod.

netta gaunz sötn hod si a koz vaiad in unsan goatn. 
Sötn – und oiwei neta amoi. mistvicha schiache! 

do hod de oma nochand oan vo iare schlapfm 
auszong und hods beim fensta aussi züüd.
daun is da schlapfm gflong – und si hod oiwei droffm.  


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